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vom Verein

Hamburger Band „Die Toten Ärzte“ kommt nach Lantershofen


Die Hamburger Band „Die Toten Ärzte“. Foto: Veranstalter.

Europas meistgebuchte Coverband

Gute Covermusik steht beim Grafschafter Verein „Kulturlant“ zwischen Weihnachten und Neujahr, immer am 29. Dezember, auf der Agenda. Nach „Still Collins“ im vergangenen Jahr wird es in diesem Jahr deutsch und rockig, denn die Hamburger Band „Die Toten Ärzte“ wird kommen. Wie der Name verrät, ist dann Musik der „Toten Hosen“ und der „Ärzte“ zu hören. Die Toten Ärzte geben an, Europas meistgebuchte Tributeband zu sein. Auch nach Lantershofen reisen sie nicht aus Hamburg an, tags zuvor spielen sie bei einem Festival in Süddeutschland. Die Band erfreut sich immer größerer Beliebtheit, jährlich sprunghaft wachsende Besucherzahlen sind zu verzeichnen. Auch gemeinsam mit der Deutschen und internationaler Prominenz wurde die Bühne befeiert. Eine bestimmte Publikums-Altersgruppe lässt sich bei den Besuchern der Konzerte nicht festmachen. Hier feiert Opa mit Sohn und Enkel. Mit ein Grund ist sicher die immer noch große Popularität der beiden Bands, die Die Toten Ärzte covern. Gerade „Die Ärzte“ sorgten beispielsweise in der Vergangenheit als Top-Act bei Rock am Ring für Furore.

Die Stehplatz-Veranstaltung findet am Sonntag, 29. Dezember, ab 20 Uhr im Winzerverein Lantershofen statt. Tickets kosten im Vorverkauf 18,00 Euro zuzüglich möglicher Gebühren, an der Abendkasse kostet es, sofern es dort noch Tickets gibt, 23,00 Euro. Weitere Infos unter www.kulturlant.de.

Kulturlant bedient zahlreiche Musikgenres


Konzertangebote noch in diesem Jahr und Anfang 2020. Kollage: Thomas Schaaf.

Jazz, Rock, Pop, Groove, Gipsy, Folk und Liedermacher im Winzerverein

Nachdem der Grafschafter Verein Kulturlant Anfang Dezember mit den Schwarzmeer-Kosaken sakrale Musik präsentierte, wartet der Verein in den kommenden Wochen mit einer Fülle von Konzerten unterschiedlichster Genres aus. Deutsch-Rock macht zum Jahresende am Sonntag, 29. Dezember, den Auftakt. Ab 20 Uhr covern im Lantershofener Winzerverein „Die Toten Ärzte“ die Musik der „Toten Hosen“ und der „Ärzte.“ Eine Woche später, am 4. Januar, steht Jazzmusik an. Bei der mittlerweile 16. Auflage von „Jazz ohne Stress“ hat Initiator Jonas Röser wieder eine illustre Gästeschar im Boot. Zum einen präsentiert Röser das Caspar van Meel Quintett, dass sein Debutalbum „On the edge“ vorstellt, zum anderen sorgt Soleil Niklasson mit ihrer kräftigen Soulstimme für Gänsehaut-Momente.

Als Singer/Songwriterin wandelt sich am Samstag, 18. Januar, Fee Badenius mit ihrer Band zwischen den Welten, sowohl musikalisch, als auch textlich. Ihr Auftritt bei Kulturlant wird als musikalisches Kabarett präsentiert, nachdem sie zuletzt mit ihrem Song „Fleisch-ess-Lust“ für heitere Momente sorgte. Mit Thomas Godoj konnte der Grafschafter Verein den DSDS-Sieger des Jahres 2008 gewinnen. Er tritt am Freitag, 24. Januar, unplugged auf. Beim Programm „V’Stärker aus“ wird Godoj von einem Weltklasse-Harper, einem Gitarren-Virtuosen und einem mehrmaligen deutschen Meister im Beatboxing begleitet.

Musik aus den amerikanischen Sümpfen der Südstaaten ist dann am Samstag, 15. Februar, im Winzerverein Lantershofen zu hören. Die französische Band „Le Clou“ aus Bonn steht mit ihrem Cajun-Swamp-Groove für die Lässigkeit des Seins. Die Cajuns feiern gern und ausgelassen, man kann  in Louisiana den Sound der Cajun Music aus allen Tanzschuppen stampfen hören, es ist druckvoller „Südstaaten-Sumpf-Rock’n Roll.“ Am Samstag, 7. März, findet zum zweiten Mal ein Preisträgerkonzert schottischer Nachwuchsmusiker statt. Bei der dritten Auflage der „Young Scots Awards Winner Tour“ sind Benedict Morris (Geige), Hannah Rarity (Gesang) und Ross Miller (Dudelsack) zunächst solo und danach gemeinsam zu erleben. Sie werden an der Gitarre von Luc NcNally begleitet.

Letztmalig auf der Bühne sind derzeit „The Lords“ unterwegs. Ihre Abschieds-Europatour führt die „deutsche Antwort auf die Beatles“ zum 60-jährigen Bühnenjubiläum am 21. März nach Lantershofen. Dort wird es am 4. April nochmals jazzlastig: „Gipsy Fire“ heißt das Programm des Melanie Bong Quintetts, in dem unter anderem Ausnahmegitarrist Lulo Reinhardt zu hören sein wird. Zum Abschluss der Kultursaison ist am Samstag, 25. April, bereits zum zweiten Mal bei Kulturlant der Schweizer Liedermacher Stephan Sulke zu erleben. Tickets und weitere Infos sind unter www.kulturlant.de erhältlich.

Beeindruckendes Konzert des Schwarzmeer Kosaken-Chors


Russen und Ukrainer im friedlichen Miteinander

Sie bezeichnen sich selbst als gewaltig, mystisch und geheimnisvoll, ihr Anführer – Ataman genannt – spricht von den besten Musikern des Schwarzen Meeres und sie scheinen trotz der Superlativen nicht übertrieben zu haben: der 1938 gegründete Schwarzmeer-Kosaken-Chor gab am Freitagabend in der proppenvollen Lantershofener Lambertuskirche auf Einladung des Vereins Kulturlant ein außergewöhnliches Konzert. Mehr als 400 Gäste waren begeistert von der Stimmgewalt der neun Sänger, jeder für sich ein großer Solist, alle zusammen ein grandioser Chor. „Ein Chor, der singend betet und betend singt“, hatte Nikolai Orloff, der erste Ataman des Chores, einst gesagt.

Der Schwarzmeer-Kosaken-Chor mit Peter Orloff (Mitte) in der vollen Lambertuskirche Lantershofen. Fotos und Bildunterschriften in diesem Bericht: Thomas Schaaf.
Peter Orloff (r.) präsentiert als Moderator stimmgewaltige Solisten, welche die Lambertuskirche gewissermaßen zum Beben brachten.

Heute heißt der Kosakenführer Peter Orloff, seit 1993 steht er dem Chor vor, der 75-jährige singt bereits seit 60 Jahren in diesem Chor. Einem breiten Publikum in Deutschland wurde er allerdings als Schlagersänger bekannt, der Anfang der 1970er-Jahre in den Hitparaden zu finden war. Seine größten musikalischen Erfolge aber feierte Orloff mit den Schwarzmeer-Kosaken, aus jedem einzelnen Sänger hat er einen unnachahmlichen Solisten geformt. Im Konzert trat Orloff mehr als Moderator auf, gesanglich überließ er vor allen Dingen seinen Mitstreitern die Hauptrollen. Dennoch begeisterte auch der Ataman mit seinen Bariton-Soli in der Kloster-Ballade der „Legende von den zwölf Räubern“ oder im „Wolgalied“ vom Kosaken-Hauptmann Stenka Rasin, der seine Frau in der Hochzeitsnacht in die Wolga geworfen haben soll.

Peter Orloff und seine Schwarzmeer-Kosaken brachten sakrale Werke auch in altslawischer Sprache sowie bekannte russische und ukrainische Volksweisen zu Gehör.
Ilya Kurtev begeisterte am Bajan, dem osteuropäischen Knopfakkordeon, Slava Kripakov beherrschte die Bassbalaleika viruos.

Der Chor brachte sakrale Werke im Original und in altslawischer Sprache und imposante russische und ukrainische Volksweisen und Balladen in den Originalversionen, wie sie seit Jahrhunderten gesungen werden, zu Gehör. Aber die Kosaken können auch „international“, ausgewählte Kostbarkeiten der Klassik standen ebenfalls auf dem Programm. Puccinis „Nessun dorma“ aus der Oper „Turandot“ mit einem überragenden Solo von Tenor Wladimir Kuzmenko zum Beispiel. Oder das „Ave Maria“ von Franz Schubert, einzigartig und berührend gesungen von Tenor Oleg Kulyeshov, der den Ton eine gefühlte Ewigkeit halten kann. Zum Star des Chors avancierte aber Igor Ishchak mit der betörend klaren und hohen Stimme.  Mehrfach musste der männliche Sopran der Kiewer Oper nach seinen Soli aus den Reihen seines Chors treten, um den begeisterten Dank entgegen zu nehmen.

Aber auch die anderen Sänger boten Bemerkenswertes: Ob Stefan Arininsky mit seinem dröhnenden Bass, der freundlich lachende Dirigent und Bariton Nasko Kirtscheff oder Bariton Vitali Schukow Alekseenko - es standen ausschließlich Klassesänger auf der Bühne. Begleitet wurde der Chor von drei Ausnahmemusikern: Am Bajan, dem osteuropäischen Knopfakkordeon, wirbelte Ilya Kurtev, sicher einer der weltbesten Virtuosen an diesem anspruchsvollen und hinreißenden Instrument, was er spätestens beim „Säbeltanz“ bewies. Neben ihm, an der Domra-Laute, Irina Kripakova. Unglaublich auch hier, mit welcher Schnelligkeit und Präzision sie dem Instrument mit den drei Saiten Liebliches, Temperamentvolles und Leidenschaftliches entlockte. Schließlich wirbelte Slava Kripakov die mächtige Bassbalalaika wie ein Spielzeug durch die Luft, auch er beherrschte sein Instrument glänzend. Der musikalische Rundreise, die das Publikum vom Schwarzen Meer an den Baikalsee und dann wieder nach St. Petersburg entführte, verging wie im Fluge und endete nach knapp zwei Stunden viel zu früh, aber natürlich nicht ohne „Kalinka“, eines der bekanntesten russischen Volkslieder. Zuvor durfte sich das Publikum über zwei gemeinsam mit den Kosaken gesungene Weihnachtslieder freuen.

Premiere in Lantershofen: „Drei auf einer Couch“ bot einen bunten Mix


Der Bankmanager kocht und der Moderator singt

Beim Grafschafter Verein Kulturlant fühlt man sich geehrt, weil das Südwestrundfunk Fernsehen sich ausgerechnet die Bühne im Lantershofener Winzerverein ausgesucht hatte, um dort die Premiere eines neuen Bühnenprogramms zu feiern. Am Samstag kam dazu sogar Simone Schelberg, die verantwortliche Landessenderdirektorin für die Programme des Südwestrundfunks Rheinland-Pfalz aus Mainz an die nördliche Landesgrenze gereist und zeigte sich erfreut über die kulturellen Aktivitäten der Grafschafter Akteure. Sehen wollte sie aber auch, was die drei Moderatoren der Landesschau, Patricia Küll, Martin Seidler und Holger Wienpahl auf der Bühne von sich geben. Es ist durchaus außergewöhnlich, dass Moderatoren von Nachrichtenmagazinen plötzlich für die Samstagabendunterhaltung sorgen und sich dabei auch noch in ihre Privatsphäre blicken lassen.

Holger Wienpahl, Patricia Küll und Martin Seidler (v.l.) starten einen unterhaltsamen Abend in Lantershofen mit einer noch leeren Couch. Fotos und Bildunterschriften in diesem Bericht: Thomas Schaaf.
Die drei Moderatoren des Südwestrundfunk Fernsehens erzählen zu Bildern und Filmchen auf der Leinewand von ihrer Arbeit und geben auch einiges aus ihrem Privatleben preis.

Da war dann zu sehen, dass der bedachtsame Martin Seidler vor der Arbeit am liebsten erlesene Kaffeespezialitäten und danach nicht minder tolle Weine genießt. Patricia Küll berichtete von ihrer Tätigkeit als Lebensfreude-Coach und künftiger Glückslehrerin und Holger Wienpahl hat als Lebensmittelpunkt ganz klar die Familie und die beiden Hunde, mit denen er sogar in der Pause des Premierenstücks in Lantershofen Gassi ging. Dass die drei eine Couch in den Mittelpunkt ihrer Show stellten, hat auch etwas mit ihrer Sendung zu tun, denn auch dort nehmen viele bekannte und unbekannte Menschen auf einem riesigen roten Sofa Platz und erzählen ihre Geschichte. Die Sofas zur Show erhofft sich das Moderatorenteam von jeweils einem Gast des Abends. Und darum muss die Couch auch nicht rot und auch nicht riesig sein. Der „Couchgeber“ darf dann in der ersten Halbzeit auf besagtem Möbel sitzen und die Show mitgestalten.

Gast auf der Lantershofener Couch, deren Besitzerin leider nicht auf die Bühne wollte, ist auch Bärbel Gathen, die einen SWR-Fanclub am Niederrhein leitet. Bei einem kurzweiligen Quiz konnten Zuschauer ihr Wissen um SWR-Internas unter Beweis stellen.
Aus bewegten Leben berichten auf dem Lantershofener Sofa (v.l.) Brigitte Sebacher, die Witwe von Willy Brandt, und Hilmar Kopper, von 1989 bis 1997 Vorstandsprecher der Deutschen Bank. Für Moderatorin Patricia Küll war allerdings zu wenig Platz auf der Couch. Ein Stuhl aus der alten Kneipe tat es aber auch.

In Lantershofen war es anders, das Möbel kam aus dem Ort, die Spenderin wollte aber nicht auf die Bühne. Ihren Platz nahm Bärbel Gathen ein. Sie leitet einen SWR-Fanclub am Niederrhein, kam extra aus Mönchengladbach angereist und freute sich über den Ehrenplatz. Der war nach der Pause für den „Promi-Talk“ reserviert. Lokale Promis sollen bei der Show, die demnächst durch Rheinland-Pfalz zieht, auf der Couch Platz nehmen. In Lantershofen hatten die „Local Heroes“ allerdings eine weite Anreise mitsamt Rhein-Überquerung hinter sich, um acht Minuten lang mit Patricia Küll zu plaudern. Hilmar Kopper, ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank und einer der mächtigsten Banker global und seine Frau Brigitte Seebacher, Historikerin, Journalistin, Publizistin und Witwe von Willy Brandt, berichteten vom Ruhestand in einem kleinem Westerwalddorf auf 450 Metern Meereshöhe, von guter Luft und ehrlichen Leuten. „Wenn du als erster Guten Morgen zu den Menschen sagst, dann bist du dabei“, so Kopper, der zuhause kocht, während seine Frau den Abwasch macht. Und dann wurde es kurz politisch aktuell, weil Brigitte Seelbacher auf die Frage nach ihrer Meinung zur Entscheidung der SPD-Basis für das Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans als neue Parteichefs klar Stellung bezog und meinte: „Das kann nicht gut ausgehen.“

Brigitte Sebacher über die SPD-Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans: „Das kann nicht gut ausgehen.“
Hilmar Kopper freut sich über seinen Ehrenplatz auf der Lantershofener Couch. Er genoss Rotwein von der Ahr ohne Peanuts.

Der Rest war gute Abendunterhaltung. Das Publikum durfte Fragen stellen – schriftlich und vorab. Martin Seidler zeigte seine Stärken als Poet und Musiker, las skurrile St-Martin-Gedichte von Ulrich Harbecke und sang einen Song von Nat King Cole. Holger Wienpahl berichtete über Pannen in seiner Zeit als Moderator der Wahl der Deutschen Weinkönigin. Mandy Gieler, die diesen Titel 2010 an die Ahr holte, saß im Publikum und freute sich über das Wiedersehen. Hobbywinzer Franz Etten aus Karweiler erspielte sich die Krone des ersten Ahrweinkönigs. Nach mehr als zwei Stunden bester Unterhaltung sah man bei Akteuren und Besuchern strahlende und zufriedene Gesichter, nahtlos ging es im Lantershofener Winzerverein über in die Geburtstagsparty von Holger Wienpahl.

Politisches Kabarett in Lantershofen


Bei Christine Prayon gab es nichts zu lachen

Man konnte die berühmte Nadel fallen hören, als sich am vergangenen Samstag im ausverkauften Lantershofener Winzerverein 250 Gäste bei Kabarettistin Christine Prayon trafen, um ihrer „Abschiedstour“ beizuwohnen. Tags zuvor war Prayon noch in der Rolle der Birte Schneider in der Heute-Show zu sehen, von Köln aus ging es dann direkt nach Lantershofen. Und hier wurde politisches Kabarett mit „besonderer Schwere“ geboten. Wer sich dank des ersten Aufschlags der Kabarettistin mit Clownnase und Mainzelmännchen-Begrüßung auf einen unterhaltsamen Abend mit leichter Muse gefreut hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Prayon stellte blitzschnell unter Beweis, dass sie für den ganz trockenen Humor und messerscharfe Satire steht und nicht umsonst mit dem Dieter-Hildebrandt-Preis ausgezeichnet wurde. Gleichwohl kunstvoll wie sensibel ging sie mit Sprache und Kompromisslosigkeit in der Diskussion brisanter politischer Themen um. Es war eine intellektuelle Herausforderung für die Zuhörer.

Kulturlant präsentierte Christine Prayon und bot im Foyer auch das neue Buch "5 Jahre Kulturlant" an. Fotos und Bildunterschriften in diesem Bericht: Thomas Schaaf.
Konzentration mit Knollennase vor dem Auftritt im Saal des Winzervereins.

Prayon spannte einen weiten Bogen, vom völlig unnützen Projekt „Stuttgart 21“ über Nazis in Deutschland und medial heruntergespielte Klimaprobleme, die in großen Klimagipfeln banalen Themen weichen müssen. Immense Gelder zur Bankenrettung sind halt wichtiger als Flüchtlingsrettungen. Prayon hatte natürlich die AfD im kritischen Blick, samt Schreckensbild einer Alice Weidel als Bundeskanzlerin. Scharf waren ihre Attacken zu der tagtäglichen „Radio-Diarrhö“, der die Hörer ausgesetzt sind. Und mit Fake-News, die dem einfallslosen Medienkonsumenten leicht unterzujubeln sind, sparte sie auch nicht. Es ist doch so, dass der Ami dem Deutschen seine Kulturellen Errungenschaften stibitzte. Beispiel: „Jingle Bells.“ Das ist doch kein amerikanisches Weihnachtslied, es steckt doch das teutonische „Schinkenpelz“ dahinter. Pointen mit Lachgarantie blieben gänzlich aus, Beifall verstummte schnell, als klar wurde, dass der unpassend war. Vielmehr schaffte es die Wahl-Stuttgarterin, ihr Publikum geistig ständig auf Trab zu halten.

Christine Prayon mit scharfer Zunge und feschem Auftritt.
Trockener Humor paart sich bei Christine Prayon mit messerscharfer Satire.

Die Reaktionen blieben nicht aus. „Die ist total frech“, war da zu hören, oder „Eine Wohltat.“ Eine Handvoll Besucher ging aber auch zur Pause genervt nach Hause. Der am Ende jedoch langanhaltende Applaus zeigte, dass Kabarett auch mal schmerzhaft sein muss.

Christine Prayon ist ausverkauft


Am kommenden Samstag, 16. November, ist die Kabarettistin Christine Prayon ab 20 Uhr im Winzerverein Lantershofen mit ihrem aktuellen Gastspiel „Abschiedstour“ zu erleben. Wie der Veranstalter Kulturlant e.V. mitteilt, ist der Kabarettabend ausverkauft, es wird demnach auch keine Abendkasse mehr geben. Für das nächste Kabarett-Gastspiel mit Rolf Miller am 13. Dezember sind nur noch wenige Restkarten verfügbar, die ausschließlich über die Homepage www.kulturlant.de gebucht werden können.

Köster & Hocker begeisterten im ausverkauften Winzerverein


Mit fremden Federn geschmückt

Unter den Hunderten Kölner Musikern ist Gerd Köster ein ganz schräger Vogel, der zusammen mit seinem introvertierten wirkenden Partner Frank Hocker seit Jahrzehnten immer neue Projekte auf den Musikmarkt wirft, die schon wegen ihrer Skurrilität eine ganz eigene Fangemeinde anlocken. „The Piano has been drinking“ war eine der erfolgreichsten musikalischen Projekte der beiden, die derzeit, und das schon seit Jahren, als Köster & Hocker durch die Lande ziehen und die Bühnen füllen. Als Duo treten sie dabei in der Regel nicht mehr auf, auch nicht bei Kulturlant in Lantershofen, wo Köster & Hocker am vergangenen Samstag gemeinsam mit dem Gitarristen Roger Schaffrath aus der Wolf Maahn Band auf der Bühne standen und vor 250 Gästen das Konzertprogramm der neuen Spielzeit eröffneten.

Gute kölsche Stimmung im ausverkauften Winzervereinssaal. Fotos und Bildunterschriften in diesem Bericht: Thomas Schaaf.
Eindrucksvolle Gitarrenmusik von Frank Hocker und Roger Schaffrath begleitet Sänger Gerd Köster durch das Programm.

Im Publikum war gut beraten, wer der kölschen Mundart mächtig war, andere Töne gab es den ganzen Abend über nicht zu hören. Denn der gebürtige Nippesser Köster kennt nur seinen eigenen Kölner Dialekt. Und der findet sich auch in seinen Texten wieder, die eigentlich nicht seine Texte sind. Denn Köster & Hocker präsentierten eingekölschte Coverversionen, hinter denen Hits von Musikgrößen, wie Bob Dylan, Iggy Pop oder Tom Waits stehen. Deren Texte klingen in der kölschen Version, wie für die Musikfans der Domstadt geschrieben. Geborgte Lieder, die ins „Veedel“ passen, wie die Faust aufs Auge. Köster & Hocker haben ihr aktuelles Album nicht umsonst „Fremde Feddere“ genannt, mit denen sie sich so authentisch schmücken, als wären es die eigenen.

Mit eingekölschten Coverversionen, mit „Fremde Feddere“, mit fremden Federn gefallen die Kölsch-Musiker dem begeisterten Publikum.
Nach dem "Ruude Jolf" und stehenden Ovationen bedanken sich die drei Musiker (v.l.) Gerd Köster, Frank Hocker und Roger Schaffrath bei ihrem Auditorium.

Und so singen sie vom ganz normalen Leben, vom Typen um die Ecke, von dem, der verliebt war und von dem, der es nur bedingt geschafft hat. Wie beim Lied vom Fall nach dem hohen Aufstieg: „Dieselve Lück, die du bedrisse op dingem Wääsch huh, siehste widder op dingem Wääsch eraff.“ Übersetzt: man sieht sich zweimal im Leben. Köster und Hocker hadern mit dem kleinen Kosmos um sie herum, sehen mehr Autos mit Allradantrieb auf jedem Kindergartenparkplatz, als es Förster in ganz Köln gibt. Sie zitieren musikalisch Songs der Pogues über gebrochene Herzen, derweil ihr Loblied auf die Frauen den eigenwilligen Namen „Lümmel“ trägt. Und sie kölschen Franz Zappas einzigen großen Hit „Bobby Brown“, der es im englischen Sprachraum über Nacht auf den Index schaffte, bei “Nobby Braun“ fast eins-zu eins ein.

Es geht an dem eindrucksvollen Abend in Lantershofen natürlich nicht ohne die alten Songs. „Denn neue Lieder sind nun einmal vollkommen anekdotenfrei“, so Gerd Köster, der dem Wunsch nach den Gassenhauern gerne nachkommt. Und dann singt der Saal vom „Dress“, der Richtung Düsseldorf schwimmt, oder von der Selbsteinschätzung „Mir sinn all Buuresäu“ und der einzigen Wichtigkeit, „Haupsaach es, de Flönz es joot, alles andere es zu kompliziert.“ Kein Wunder, dass die drei sich bei der Zugabe mit ihrem größten Hits von der Bühne machten, nämlich dem „Ruude Jolf.“ Vom Publikum gab es dafür stehende Ovationen.

Winzersaal war eine große Tanzfläche


Der Oktober endet in Lantershofen traditionell mit der Jukeboxparty

Bereits zum achten Mal wurde der Oktober in Lantershofen mit der Umwandlung des altehrwürdigen Saals ins eine Discothek beendet. Bei der Jukeboxparty bleibt tatsächlich kein Fuß ruhig, dafür sorgte auch dieses Mal wieder Discjockey Johannes Held. Der Mayener sorgte einmal mehr dafür, dass mehr als 250 Freunde guter Tanzmusik und Fans von Disco-Fox und Rockmusik, auf alle Fälle aber von den größten Hits aller Zeiten in den Grafschafter Ort kamen. Bei der Jukeboxparty war die Stimmung vom ersten Ton an prächtig. Wie immer. Dabei schaffte es Johannes Held, der als Techniker für den Südwestrundfunk arbeitet und hier auch schon mal an den Moderatorentisch darf, dass große Teile des Winzersaals zur Tanzfläche wurden.

Guter Besuch beinahe aller Altersklassen bei der Ü30-Party im Saal des Winzervereins. Fotos und Bildunterschriften in diesem Bericht: Thomas Schaaf.
Johannes Held hat die Jukebox und das tanzende Volk mit allerlei Partymusik im Griff.

Rundumversorgt wurden die vielen Gäste dabei vom VfB Lantershofen, der sich gleich an mehreren Theken um das Wohl seiner Besucher kümmerte. Im vierten Jahr veranstalten die Sportler die Jukeboxparty, sie bringt dem Verein, der im Bereich Fußball Mitglied der Grafschafter Spielgemeinschaft ist, einen Großteil seines Etats, der in erster Linie für den Fußball-Spielbetrieb der Kinder und Senioren bestimmt ist, ein. 2016 hatte der VfB die Jukeboxparty von Verein „Kulturlant“ übernommen. Die Gastgeber hatten ihre Mitglieder in Gang gesetzt, die den Winzerverein zur Discothek umbauten. Etwa 200 Karten wurden bereits im Vorverkauf an tanzwütige Discogänger aller Altersklassen verkauft, obwohl es sich bei der Jukeboxparty eigentlich um eine Ü30-Party handelt. Und auch die Abendkasse klingelte.

Gute Stimmung bei Lightshow und tänzerischem Körpereinsatz zwischen Saal, Kneipe und Raucherhof.
DJ Johannes Held holt mit passender Musik alles aus sich und seinen Gästen heraus.

 „Musik von den 60er Jahren bis heute – die größten Partyhits aller Zeiten“, das ist sein Motto. „Musik ist Trumpf“ mit diesem Titel startetet die Party pünktlich und Johannes Held betrat die Bühne, um diese sofort wieder zu verlassen und sich unters Publikum zu mischen. Der Kontakt und das Spiel mit dem Publikum sind dem DJ augenscheinlich sehr wichtig. Die ersten Musikwünsche wurden direkt aufgenommen und umgesetzt. „Desireless“ eröffneten den Tanzmarathon und sofort war die Tanzfläche gefüllt. Johannes Held ließ „Boney M.“ und „Abba“, aber auch „AC/DC“ und „Nirvana“ erklingen. Für jedes Ohr war etwas dabei. Dabei legte er aber nicht nur einfach einen Hit nach dem anderen auf. Er präsentierte die Songs so lebendig, dass dem Publikum nichts anders übrig blieb, als mitzutanzen, mitzusingen oder zumindest im Rhythmus der Musik mitzuwippen. Ob durch das Bühnenbild, das an eine Wurlitzer Jukebox erinnerte, oder kleine Musikrätsel, bei denen es Preise zu gewinnen gab – die Veranstaltung von Johannes Held war keine gewöhnliche Disco. In Lantershofen legt der Mayener übrigens seit 2018 nicht nur einmal im Jahr auf. Es gibt im Winzerverein auch eine Karnevals-Jukeboxparty. Diese findet auch im kommenden Jahr statt, der Vorverkauf für den Tanz- und Partyabend am 22. Februar, zu dem Junggesellen-Schützen und Musikfreunde einladen, hat begonnen, Tickets gibt es auf den Vertriebswegen des Vereins Kulturlant.