1000 Jahre Lantershofen


Geschichte im Jubiläumsjahr

Großer Andrang auf die Dorfchronik


Lantershofens Geschichte bis zum Jahr 1948 in einem Buch

688 Seiten dick, 1.750 Gramm schwer: in Lantershofen ist der erste von zwei Teilen einer Dorfchronik erschienen. Zusammengetragen und geschrieben wurde sie von Thomas Schaaf unter tatkräftiger Mitarbeit seines Sohnes Roland sowie Stefan Dünker und Dirk Unschuld. Herausgeber ist die Bürgervereinigung Lantershofen. Am vergangenen Freitag wurde das Werk im Winzerverein des Ortes vorgestellt. An die 100 Lantershofener saßen im dortigen Gastraum dicht an dicht nebeneinander und hörten der Vorstellung zu, mehr als 150 Chroniken wurden schon am ersten Abend verkauft.

Die Buchpräsentation und das nachfolgende 7-Minuten-Filmchen über Kaiser Heinrich II. fanden große Beachtung. Fotos in diesem Bericht: Dorothee Schaaf. Bildunterschriften: Thomas Schaaf.
Über die neue Chronik und seine Entstehung berichtete der langjährige Chronist der Bürgervereinigung Thomas Schaaf. In der Hand hält er die Schulchronik des Volksschullehrers Jakob Diederich, die noch in handschriftlicher Sütterlinschrift abgefasst ist. Sie war eine wichtige Grundlagen für das neue Buch.

Es dürften an die 20 Jahre sein, die sich Thomas Schaaf mit der Chronik befasste. Jahre, in denen er in seiner Eigenschaft als Chronist der Bürgervereinigung alles sammelte und zusammentrug, was über die Geschichte Lantershofens zu erfahren war. Natürlich die handgeschriebenen Chroniken, die die Dorflehrer in früherer Zeit verfassten. Kaum ein Speicher in Lantershofen, auf dem alte Bilder oder Dokumente lagern könnten, war vor dem umtriebigen Chronisten sicher. Zeitzeugen wurden befragt und all das, was in anderen Werken bereits Erwähnung fand oder in Zeitungsarchiven lagerte, gesammelt. Erschienen ist die neue Chronik als viertes Werk der Serie „Dorf in der Zeit – Lantershofen.“ Alle vier Werke wurden von Schaaf initiiert und verfasst. Dank einer Fülle von Geldgebern ist auch das neue Werk für jedermann erschwinglich. Wenn Lantershofen am kommenden Wochenende das 1000-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung feiert, wird die Chronik für 15 Euro erhältlich sein, am Vorstellungstag kostete sie lediglich 1019 Cent.

Nach dem Filmchen über und mit Heinrich II., verkörpert von Thomas Schaaf, geht es nahtlos über zum Chronikverkauf, den Kaiser Heinrich II. im seinem gelben Gewand und blauem Umhang zusammen mit Erich Althammer durchführt.
Zuvor bedankte sich "Kaiser Heinrich" mit Überreichung des ersten Druckexemplares der neuen Chronik bei Roland Schaaf (rechts), der den Satz und das Layout für die Chronik ehrenamtlich übernommen hatte. Auch für die beiden Vorgängerbücher schon hatte Roland Schaaf verantwortlich gezeichnet.

Zum Verkauf schlüpfte der Autor in ein Kostüm, das Kaiser Heinrich II. darstellte und erinnerte an besagte Urkunde, mit der der Kaiser im Jahr 1019 die Schenkung des Ortes „Lanterishoffe“ mit seinen Äckern, Wiesen und Wäldern dem Kloster Michelsberg im neu gegründeten Bistum Bamberg schenkte. Zuvor hatte Schaaf die Inhalte der Chronik und das Zustandekommen des Werks in einem unterhaltsamen Vortrag vorgestellt. Erich Althammer, der Vorsitzende der Bürgervereinigung, dankte Schaaf für dessen unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz für Lantershofen. „Die vorliegende Sammlung fundierter Quellen zur Lantershofener Geschichte bis zur Währungsreform 1948 soll das Interesse an den Geschehnissen im und um das Dorf herum lebendig halten und wichtige und auch manch unwichtige Begebenheit für uns und die Nachwelt erhalten“, so Althammer.

Kaiser Heinrich II. alias Thomas Schaaf und Erich Althammer laden ein zum Buchkauf für 1019 Cent. Schnell ist der Vorrat vergriffen, Nachschub muss herbeigeschafft werden. An die 150 Bücher gingen schon weg.
Auch von einem Restbestand der alten Bücher 1,2 und drei der Serie "Lantershofen - Dorf in der Zeit" gingen noch etliche über den Verkaufstresen. "Kassierer" und Bürgervereinsvorsitzender Erich Althammer zeigte sich sehr erfreut über das Verkaufsergebnis.

Die Chronik beginnt mit der frühzeitlichen Geschichte Lantershofens, dem Ort soll eine keltische Siedlung zugrunde liegen. Die Geschichte des Ortes liegt tatsächlich so weit zurück, dass der Zeitpunkt einer ersten Besiedlung nicht mehr feststellbar ist. Gefundene Tonscherben deuten aber auf eine mögliche Besiedlung noch weit vor der Keltenzeit hin. Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1019 zurück, Abschriften der Urkunde liegen noch vor, das Original ist nicht vorhanden. Markus Wiegend und Alexander Maul von der Philipps-Universität in Marburg haben die Urkunde und weitere Urkunden über Lantershofen übersetzt. Der Schenkung anno 1019 folgen erste zeitlich zugeordnete Informationen.

Neben der Auflistung von Zeitdokumenten enthält die Chronik eine fundierte Abhandlung über die Spirituosenherstellung in Lantershofen, die das Dorf einst maßgeblich prägte. Fünf Brennereien gab es, detaillierte Informationen dazu hat Dirk Unschuld zusammengetragen. Was die Chronik ebenfalls auszeichnet, ist eine Vielzahl von Bildern, die erstmals öffentlich zu sehen sind. Die Suche auf den Lantershofener Speichern nach altem Material hat sich auf jeden Fall gelohnt. In der Reihe „Dorf in der Zeit – Lantershofen“ wartet auch Thomas Schaaf nun die nächste Aufgabe, nämlich Teil zwei der Dorfchronik, beginnend im Jahr 1948. Material hat er bereits genügend gesammelt.

Vorverkauf der neuen Chronik am Freitag


Gewichtiges Dokument Lantershofener Geschichte ist eingetroffen

Das Schwergewicht unter den bisher von der Bürgervereinigung Lantershofen herausgegebenen vier geschichtlich orientierten Büchern aus der Reihe „Dorf in der Zeit – Lantershofen“ ist zweifelsohne die neue Chronik Band I. Mit 1.718 Gramm und 688 Seiten stellt sie ein „gewichtiges“ Dokument dörflicher Geschichte dar (Buch 1wog 634 Gramm, Buch 2 920 Gramm und Buch 3 576 Gramm). Vor einigen Tagen wurde das neue Buch von der Druckerei in Plauen im Vogtlandkreis, die auch schon die beiden vorherigen Bücher gedruckt hatte, angeliefert.

In der Druckerei: Ein fertig gedruckter Stoß Druckbögen. Auf jedem Blatt sind beidseitig insgesamt 16 Buchseiten in genau bestimmter Reihenfolge abgedruckt, damit sie nach dem Beschneiden in der richtigen Reihenfolge im Buch zusammengeheftet werden können. Foto: Satzart Plauen.
Die Beispiel-Buchseite 330 berichtet über die Junggesellenfahne von 1879, die Beerdigung einer Leiche, den Winter 1879, die Ausgabe von Saatkartoffeln, den Nachtwächter, das Spritzenhaus und den Gemeindebrunnen 1880. Foto: Thomas Schaaf.
Kaiser Heinrich II. im Krönungsgewand mit Heiliger Lanze und dem Reichsschwert. Foto: Bayerische Staatsbibliothek München (Clm 4452, fol 11).

Jetzt am Freitag, 24.5., findet ab 19.00 Uhr in der Winzervereinsgaststätte Lantershofen im Rahmen der "Freitagsöffnung" der Vorverkauf des neuen Buches zum Sonderpreis statt. Vorsitzender Erich Althammer und der langjährige Chronist der Bürgervereinigung Thomas Schaaf stellen um 19.30 Uhr das Buch (10,19 €, nur im Vorverkauf) anhand einer Beamer-Präsentation vor. Der Buchvorstellung folgt das 7-Minuten-Filmchen „Kaiser Heinrich II. und Lantershofen“. Das Video stellt den Kaiser in seinem gelb-blauen Krönungsgewand und die Jubiläums-Urkunde von Lantherishoff aus dem Jahr 1019 vor, wobei Heinrichs geschichtliche Vita eingebettet ist in Landschaftsbilder von Lantershofen. Sprecher und Darsteller im geschichtlichen Filmchen sind zwei Lantershofener Protagonisten.

Zum Buchverkauf am Freitag, 24.5., wird Kaiser Heinrich II. wieder sein gelbes Krönungsgewand mit dem blauen Umhang anlegen und Erich Althammer beim Verkauf der neuen Chronik unterstützen. Er bringt auch die Heilige Lanze und das Reichsschwert mit in den Winzerverein. Auch an den Jubiläumstagen sind das neue Buch und die drei älteren Bücher der Bürgervereinigung für je 15.00 € zu erhalten. 

Neue Chronik Lantershofen Band 1


Ausschnitt aus dem Krönungsbild von Kaiser Heinrich II. Zum Vorverkaufstermin wird Kaiser Heinrich sein gelb-blaues Krönungsgewand wieder anlegen und die Chronik verkaufen.

Texte, Quellen und Bilder zur Lantershofener Geschichte

Gemeinsam mit der Bürgervereinigung Lantershofen und deren Vorsitzenden Erich Althammer freut sich Thomas Schaaf, langjähriger Chronist der Bürgervereinigung und profunder Kenner der Ortshistorie, den ersten Band einer zweibändigen Chronik Lantershofens vorstellen zu können. Das farbige Buch „Texte, Quellen und Bilder zur Lantershofener Geschichte" mit 688 Seiten ist das vierte Buch in der Reihe „Dorf in der Zeit - Lantershofen". Es beinhaltet eine chronologisch angeordnete Sammlung von gegenwärtigen oder historischen textlichen Beiträgen aus dem Leben des Dorfes und seiner Bewohner. Die Chronik beginnt mit einer Beschreibung der Landschaft, in die das Dort eingebunden ist, und setzt sich mit Berichten zu seinen Bewohnern in keltischer, römischer, fränkischer, mittelalterlicher und heutiger Zeit fort. 

Stefan Dünker beschreibt für das Jubiläumsjahr 1019 mit einer umfangreichen bebilderten Würdigung die geschichtlichen Zeit- und Lebensumstände des Dorfes und der Region. Dirk Unschuld erzählt auf ebenfalls illustrierten Seiten von den fünf Lantershofener Schnaps-Brennereien. Aus den weiteren Jahrhunderten nach der ersten Erwähnung von Lantershofen spiegelt das Buch eine Großzahl weiterer Geschehnisse. Kirche, Kapellen, Grafen, Hörige, Bischöfe, Pastoren, Bauern und Handwerker finden sich ebenso wie geschichtliche Entwicklungen in Weinbau, Landwirtschaft und Tonbergbau. Über Schulen, Kindergarten und Straßen berichtet das Buch ebenso wie über die „Leute von Lantershofen". 

Ausführliche Artikel und Bilder vor, während und nach den zwei Weltkriegen geben Einblick in die dörflichen und politischen Gegebenheiten. Kriegerverein, Kapellenneubau, Junggesellen, Schulstreit, Jagd, Winzerverein, Nachtwächter, Backes, Nazizeit, Jubiläumsfest, Kriegsjahre, Kriegstote aus dem Dorf, Besatzung und Währungsreform sind nur einige weitere Schlagworte, über die das neue Buch Chronik Lantershofen Band I berichtet. Ein umfangreiches Namen- und Sachregister rundet das Buch ab.

Dank gilt den Sponsoren Eifel-Destillerie P. J. Schütz, Efferz & Hoppen Immobilien GmbH, Althammer & Wimmers Rechtsanwälte, Kettiger Thonwerke Schaaf & Cie. GmbH, Getränke Visang GmbH, Auto Fuchs Mitshubishi, Wershofen GmbH, Rechtsanwälte Schwarz Glees & Bender, Gemeinde Grafschaft, Kreis Ahrweiler und Kreissparkasse Ahrweiler, die das Entstehen des Buches wesentlich gefördert haben.

Das Buch ist weitestgehend eine Zitatensammlung vieler Autoren, die im Laufe von Jahrhunderten zum Thema Lantershofen berichtet haben beziehungsweise zu schreiben wussten. Das macht auch den Reiz der chronologisch angeordneten Beiträge des Buches aus: Man kann darin wie in einer Sammlung alter Zeitungen blättern und zumeist authentische und nicht durch Umschreibung verfälschte Originalberichte zu einer Vielzahl von Ereignissen im Dorf studieren. Das Buch ist mit weit mehr als 500 Fotos und Repros reich illustriert. Die Bilder sind mit umfangreichen Bildunterschriften versehen, die eine Verbindung zum eigentlichen Chroniktext herstellen. Auch bei dieser neuen Publikation ist es Thomas Schaaf ein Anliegen, der Lantershofener Bevölkerung bisher wenig bekannte geschichtliche Vorgänge und Fakten aus den verschiedensten Lebensbereichen zur Kenntnis zu bringen und insbesondere auch jüngere Menschen für die "alten Zeiten" des Dorfes zu interessieren. Das vorliegende Buch ist also auch ein Versuch, junge Leute für die Bewahrung und Weitergabe von Dorfgeschichte zu begeistern. 

Am Freitag, 24. Mai ab 19 Uhr findet im Lantershofener Winzerverein im Rahmen der Freitagsöffnung ein Vorstell- und Erstverkaufstag des Werkes statt, an dem das Buch für 10,19 Euro zu haben ist. 

Aus der Reihe „Dorf in der Zeit – Lantershofen“:

Teil 1 (2001):
50 Jahre Bürgervereinigung Lantershofen und andere Geschichten
Teil 2 (2011):
60 Jahre Bürgervereinigung Lantershofen und 10 Jahre Lantershofen.de
Teil 3 (2017):
50 Jahre St. Lambertus Lantershofen – Festbuch zum Jubiläum
Teil 4 (2019):
Texte, Quellen und Bilder zur Lantershofener Geschichte

Schenkungsurkunde von 1019 erstmalig für das Dorfarchiv übersetzt


Kaiser Heinrich II. schenkt Lantershofen dem Kloster Michelsberg bei Bamberg, 1.7.1019, Abschrift aus dem späten 15. Jahrhundert. Repro: Andreas Lang.

Erstmalig schriftlich erwähnt ist das Dorf Lantershofen auf einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1019. Kaiser Heinrich II. schenkte Lantershofen damals dem Kloster Michelsberg bei Bamberg. Die Originalurkunde lässt sich nicht mehr auffinden. Allerdings existieren mehrere spätmittelalterliche Abschriften des Urkundentextes, der erstmalig für das Dorfarchiv übersetzt werden sollte. Bereits öfters konnte Subregens Philip Peters bei der Übersetzung lateinischer Dokumente für das Dorfarchiv aushelfen. Die Übersetzung der Urkunde stellte allerdings eine besondere Herausforderung dar, hatte sich das im Urkundentext verwendete Latein des Hochmittelalters sprachlich und grammatikalisch vom klassischen Latein der Römerzeit weiterentwickelt. So konnte Subregens Peters dann über einen Studenten der Burg, Frater Wendelinus Naumann OSB von der Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey, Kontakt zu Dr. Walter Burnikel vermitteln, der für das Dorfarchiv jetzt erstmalig eine Übersetzung der Schenkungsurkunde fertigte:

Lantherishoff heißt ein Landgut, von dem zu erfahren ist, dass es der göttliche Kaiser Heinrich in Christo dem Kloster der Mönche vom Berg des hl. Michael übergeben hat.

Hierüber gibt es eine Urkunde mit folgendem Wortlaut:

Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit Heinrich, durch Gottes Gnade erhabener Kaiser der Römer.

Wenn wir uns bemühen, Kirchen und Gott geweihte Stätten zu fördern und zu begaben, vertrauen wir darauf, dass wir größere und bedeutendere göttliche Hilfe erfahren werden. Deswegen sei allen Christgläubigen und unseren treuen (Untertanen) kund, dass wir das Landgut, das uns nach dem Erbschaftsrecht von Seiten eines gewissen rechtlos gestorbenen Gesilmus zugefallen ist, unserem Bamberger Kloster, welches zu Ehren des hl. Michael für Gott und die dort nach der Regel des hl. Benedikt lebenden Brüder erbaut worden ist – es liegt im so genannten Ahrgau in der Grafschaft des Grafen Ernfrid, sein Name ist Lantherishoffe – mit dieser kaiserlichen Urkunde zu eigen geben und überlassen mit allem rechtmäßigen Zubehör zu diesem Landgut, nämlich mit Äckern, Wiesen, Weiden, Gewässern und Gewässerläufen, Weinbergen, Wäldern und dem Gesinde beiderlei Geschlechts und mit allen Nutzungen, gleich wie sie genannt und geschrieben werden können, ohne Widerspruch irgendeines Menschen zuzulassen. (Diese Schenkung ergeht) mit der Maßgabe, dass der ehr- und denkwürdige Herr Abt Rato, der zur Zeit dieses Kloster leitet, seine Nachfolger und die übrigen dort in mönchischem Leben Gott dienenden Brüder von nun an berechtigt sind, (die Schenkung) frei zu genießen und zu tun, was ihnen zum Nutzen der Kirche gut dünkt. Und damit die Gültigkeit dieser unserer Übereignung beständig und unzerstört jederzeit fortdauere, haben wir diese königliche und kaiserliche Verfügung, die hier und jetzt geschrieben wurde, eigenhändig bekräftigt und mit dem Abdruck unseres Siegels bezeichnen lassen.

Gegeben am 1. Juli im tausendundneunzehnten Jahr nach der Menschwerdung unseres Herrn, im achtzehnten Jahr der Königsherrschaft des Herrn Heinrich, des erhabenen Kaisers der Römer, im sechsten seiner Kaiserwürde. Verhandelt zu Köln.

Ein ganz herzliches Dankeschön gilt Subregens Peters, Frater Wendelinus und Dr. Burnikel für ihren Beitrag zur Lantershofener Dorfgeschichte.

Tausendvierhundertundfünf, Metza von Lantershofen


Metza von Lantershofen unterschreibt 1405 eine Urkunde. Der Pfarrer zu Karweiler, Johann von Pruyssen, siegelt mit dem Siegel der Kirche von Karweiler. Kolorierte Federzeichnung nach Eugen Agnus. Repro: Thomas Schaaf.

Aus der Urkunde, die Metza von Lantershofen mit Schultheiß und den Geschworenen zu Karweiler am 13. Januar 1405 unterzeichen: "Metza von Lantershofen verkauft in einer Notlage für immer dem Ritter Hilger von Langenau und dessen Frau Hille einen Zins von 2 Kapaunen und 1 Schilling und eine Kurmut (Besthauptabgabe), die ihr bisher Peter Snull von Karweiler von seinem dort gelegenen Hofplatz schuldet, ferner einen Zins von 3 Kapaunen, 1 Huhn und 8 1/2 Pfennigen, den ihr jährlich Thomas Reiger von seinem gleichfalls in Karweiler gelegenen Hofplatz liefern musste. Metza quittiert den Empfang des Kaufgeldes.

Die Erbzinsen und Renten übergibt sie den Käufern vor dem Schultheißen Christian Scholer und den geschworenen „Kirchspielleuten“ zu Karweiler, Ludwig Moir, Johann Hecken, Hartmann und Henken Pulpe und verzichtet auf jedes Recht daran. Der Schultheiß und die Geschworenen zu Karweiler bekunden, dass der Verkauf vor ihnen geschehen sei und bestätigen, dass Frau Metza rechte Erbin der genannten Renten war. Hierfür haben sie ihre „Urkunde“ von Hilger empfangen, wie es Recht ist. Auf Bitten Metzas und der Geschworenen siegelt der Pfarrer zu Karweiler, Johann von Pruyssen, mit dem Siegel der Kirche von Karweiler am 13. Januar 1405."

Tausenddreihundertundzweiundzwanzig, Winmar von Lantershofen


Winmar von Lantershofen, kolorierte Federzeichnung nach Eugen Agnus. Repro: Thomas Schaaf.

Die neue Chronik berichtet - Hof Winmar Vorläufer von Burg Lantershofen? 

Kaiser Heinrich II., der im Jahr 1019 das Dorf Lantershofen mit allen Hörigen, Wiesen und Waldungen an den Erzbischof von Bamberg geschenkt hatte, ist schon lange tot, als Graf Wilhelm von Neuenahr dreihundert Jahre später am 11. Juni 1322 eine Urkunde unterschreibt, wonach „der Vogt von Ödingen und dessen Frau Gertrud den Knappen Winmar von Lantershofen, Winrich Luskus (der Schielende) von Nierendorf und anderen 13 Morgen Ackerland auf den Feldern des Dorfes Nieren­dorf nahe beim oberen Fischweiher von St. Gereon, die sie von ihnen zu Lehen hatten, als solche aufgegeben haben. Deshalb verkaufen die Gra­fen diese 13 Morgen für 110 1/2 Mark (Frick, Quellen zur Geschichte von Bad Neuenahr Nr. 618).

1322 ist vom Knappen Winmar, noch nicht von einem Hof Winmar die Rede. Ein Hof Winmar wird erst im Jahre 1382 erwähnt (Frick/Zimmer Nr. 574). Dieser scheint jedoch ziemlich sicher bereits um 1300 herum oder auch früher existent gewesen zu sein, denn in einem Erbvertrag, in welchem unter anderem über diesen Hof zu Gun­sten der Katharina von Densborn verfügt wird, wird Bezug genommen auf „das Haus und den Hofplatz des verstorbenen Winmar von Lan­tershofen". Als Ritter wird Winmar von Lantershofen in einer Urkunde von 1333 bezeichnet, wonach diesem und anderen Grafen und Rittern das Dorf Bodendorf „mit aller Herrlichkeit und Nutzen“ übergeben wird (Frick, Quellen zur Geschichte von Bad Neuenahr, Nr. 639).

Das Sterbedatum des Ritters Winmar ist nicht bekannt. Da nach dem Tode Winmars von Lantershofen der Ritter Johann vom Forst, nach dessen Tod die Söhne Johann und Hilger jeweils noch Besitzer waren, bevor Katharina von Densborn den Winmarschen Hof 1382 erbte, ist durchaus wahrscheinlich, dass der Hof schon um 1300 oder früher bestand. Ob dieser der Vorläufer der heutigen Burg Lantershofen ist, ist nicht belegbar. In einem Bericht von Eisenberg-Mirbach in der Ahrweiler Zeitung vom 16.5.1933 heißt es hierzu: „Im Jahr 1322 wird ein Knappe Winmar v. Lantershofen genannt. Die Burg kann der Stammsitz dieses noch 1418 erwähnten Geschlechtes sein; sie könnte aber auch aus dem 1321 genannten Hof des Matthias v. Densborn entstanden sein.“ Nach dem Vertrag von 1382 scheint deutlich, dass der jetzt der Katha­rina von Densborn gehörige Winmar‘sche Hof nicht identisch sein kann mit dem 1321 genannten „Hof Densborn", der ja in diesem Jahr als Morgengabe ihres Sohnes Ritter Mathias an seine Frau Jolanda von Reuland (Rulant) übergeben wird.

Mehr über die Burgen Lantershofen und Neuenahr, über kölnische Lehen, den Erzbischof von Köln, das Lantershofener Gericht und über weitere Zeitgenossen zu Lebzeiten des Winmar von Lantershofen berichtet die neue Chronik Lantershofen. Der Vorverkauf des druckfrischen, reich bebilderten Buches mit über 650 Seiten zum Vorzugspreis von 10,19 € (nur am Vorverkaufstag) beginnt am Freitag, 24. Mai ab 19.00 Uhr im NEUEN Winzerverein.

Tausendundneunzehn, Leben in Lantershofen


Die neue Chronik berichtet

Der Großteil der Bevölkerung lebt in kleinen Dörfern, die nicht ganz zu Unrecht als „Inseln im Wald“ bezeichnet werden können. Städte sind im Gebiet nördlich der Alpen noch selten und gehen meist auf römische Gründungen zurück. Die größte dieser Städte ist Köln mit etwa 15.000 Einwohnern. Die Verbindungslinien zwischen den Städten und Siedlungsverbänden dieser Zeit sind kaum ausgebaut. Befestigte Straßen sind seit dem Ende der römischen Herrschaft vor mehreren Jahrhunderten nicht mehr angelegt worden. Abgesehen von diesen alten Römerstraßen stellen zumeist lediglich „Trampelpfade“ und schiffbare Flüsse verkehrstechnische Verbindungslinien dar. Räumliche Mobilität ist in dieser Zeit innerhalb der einfachen Bevölkerung kaum verbreitet und auch rechtlich oftmals gar nicht möglich, da ein großer Teil der Menschen „schollengebunden“ ist, also das Land, auf welchem sie leben, nicht verlassen dürfen.

Die größte Stadt 1019 ist Köln mit etwa 15.000 Einwohnern. Der Dom stand 1019 noch nicht, sondern wurde am 15. August 1248 nach dem Plan des Dombaumeisters Gerhard begonnen. Konturfotos und Bildunterschriften in diesem Bericht: Thomas Schaaf.

Das soziale Gefüge, innerhalb dessen die mit Abstand meisten Menschen in dieser Zeit leben, ist die sogenannte Grundherrschaft in ihrer speziellen Ausprägungsform der Villikation (Hofverband). Man unterscheidet hierbei grundsätzlich nach Herren (domini) und Hörigen (servi), wobei die Grundherren nicht mit Adligen gleichgesetzt werden dürfen. Trotz der synonymen lateinischen Bezeichnung als servi sind die Hörigen dieser Zeit auch nicht mit antiken oder spätantiken Sklaven gleichzusetzen, da sie infolge der Durchsetzung des christlichen Welt- und Menschenbildes über eigene Rechte verfügen.

Der Hofverband (Villikation) ist eine Ausprägungsform der Grundherrschaft. Grundherren und Hörige sind eng miteinander verbunden.

Die Villikation besteht in der Regel aus einem Herrenhof (auch: Fronhof) und einer Reihe von Hofstellen (Hufen). Das Land unmittelbar um den Herrenhof bezeichnet man als Salland. Es wird vom Grundherrn direkt bewirtschaftet. Hierbei dienen ihm die Hörigen, welche unmittelbar zu seinem Hausstand gehören und als servi in domo manentes (etwa: „Hörige unter der Gewalt des Herren“) bezeichnet werden. Sie stellen die „unterbäuerliche“ Schicht der Gesellschaft dar und sind der Weisungsbefugnis des Grundherrn vollkommen unterworfen, haben jedoch Anspruch darauf, vom Grundherrn versorgt zu werden. Sie besitzen zudem gewisse Aufstiegsmöglichkeiten, indem sie durch den Grundherrn für spezielle Verwaltungsaufgaben, militärische Funktionen oder ähnliches ausgewählt werden können. Die zweite Gruppe der Hörigen, wobei die Übergänge de facto wohl fließend sind, bewirtschaftet die zur Grundherrschaft gehörenden Hofstellen, die nicht Teil des Sallandes sind, in relativer Eigenständigkeit. Die Zuteilung einer Hufe, die vor allem aus einer Unterkunft und Ackerland besteht, ersetzt hierbei die Unterhaltspflicht des Grundherrn für seine Hörigen. Dem Grundherrn gegenüber ist diese auch als servi cassati („behauste“ Hörige) bezeichnete, bäuerliche Schicht der Gesellschaft zu Frondiensten oder Naturalabgaben verpflichtet. Auch Lantershofen stellt in dieser Zeit eine solche Villikation dar.

Wie und worin die bäuerliche Schicht, die servi cassati, die „behausten“ Hörigen des Grundherren, 1019 lebten, lässt sich kaum verbildlichen.

Herrscher im ostfränkisch-deutschen Reich ist 1019 seit 16 Jahren der Mitte vierzigjährige Heinrich II. aus dem Geschlecht der Liudolfinger (früher meist als „Ottonen“ bezeichnet). Heinrich II. hatte sich – eher unerwartet – als Nachfolger des in Italien an einem Fieber verstorbenen Kaisers Otto III. und gegen die Ansprüche anderer Thronprätendenten durchgesetzt. Die Regierungszeit Heinrich II. ist insgesamt von häufigen Auseinandersetzungen mit dem polnischen Herzog Bolesław I. Chrobry, der seine Eigenständigkeit von den ostfränkisch-deutschen Herrschern durchsetzen will, und den sächsischen Fürsten, die ebenfalls stärkere Unabhängigkeit vom Königtum erlangen wollen, bestimmt.

Die von der Bürgervereinigung bisher herausgegeben Bücher, rechts im Entwurf das neue vierte Buch "Chronik Lantershofen Band I." mit ca. 600 Seiten. Foto: Thomas Schaaf.

Mehr über das Jahr 1019 und die Lebensumstände in diesem Jahr und vielen anderen Zeiten berichtet die neue „Chronik Lantershofen Band I.“ Lantershofen. Ca. 600 Seiten umfasst sie bunt bebildert. Kelten, Römer und Franken kommen am Anfang vor, von Eifel und Ahr ist die Rede und weiter beehren uns im Mittelalter der Ritter Winmar, eine Metza von Lantershofen, ein Moritz Claussen von Lanterscheid und natürlich die sieben Herren von Lantershofen.

Der Vorverkauf des neuen Buches beginnt am Freitag, den 24. Mai im NEUEN Winzerverein. Der Preis wird günstig sein, da unterstützende Firmen bei der Finanzierung helfen.     

Tausendundneunzehn, ein ganz normales Jahr


Die neue Chronik berichtet

Tausendundneunzehn. 1019. Das Jahr beginnt an einem Freitag. Ein ganz normales Jahr. Kein Schaltjahr. Kaiser Heinrich II. herrscht in römisch-deutschen und anderen Landen, Knut der Große ist König von England, seine Tochter Kunigunde (Gunhild) wird 1019 geboren und heiratet später Heinrich III. (1016-1056). Jaroslaw I., Großfürst von Kiew, erlässt 1019 die Russkaja Prawda, die erste russische Gesetzessammlung, in Polen herrscht Boleslaw I. „der Tapfere“, mit Heinrich II. kräftig in Scharmützel und Krieg verwickelt. 1007 gründet Heinrich das Bistum Bamberg und überträgt es seiner Gemahlin Kunigunde als Morgengabe. Der Kaiser macht weitere reichsweite Schenkungen an den Erzbischof von Bamberg und verhilft so dem neuen Bistum zu einem reichen Besitz. Tausendundneunzehn, nämlich am 1. Juli dieses Jahres, schenkt er den Adelssitz Lanterishoffe an das Kloster Michelsberg in Bamberg, das dem Erzbischof von Bamberg untersteht.

Kaiser Heinrich II. mit seiner Frau Kunigunde an der Adamspforte des Bamberger Doms (linker Eingang am östlichen Domplatz, der früher der Haupteingang zum Dom war.) Auch über den Dom und Heinrich II. berichtet bebildert die neue Chronik. Foto: Thomas Schaaf.

Am 1. Juli 2019 blickt Lantershofen also auf 1000 Jahre urkundliche Erwähnung zurück. Unstrittig ist, dass Lantershofen weit älter ist als 1000 Jahre. Schon die Römer lebten hier und an der Ahr vor mehr als 2000 Jahren und prägten Landschaft und Leute. Dieser Tatsache trugen auch die Lantershofener Junggesellen im Jahr 1935 Rechnung, als sie mit einem Heimatfest ihr hundertjähriges Bestehen feierten und die zugehörige Festschrift mit dem Titel „Meine Heimat – 2000 Jahre Lantershofen“ überschrieben. Junggesellen-Hauptmann Eduard Schütz schreibt hier: „Die Geschichte des Dorfes Lantershofen reicht weit vor den Beginn unserer Zeitrechnung zurück. Die Chronik berichtet, dass Lantershofen keltische Niederlassung gewesen sei.“

Grandioser Erfolg: Großer Festumzug im Jubiläumsjahr 1935, organisiert von den Junggesellen-Schützen und den Bürgern. Geschichtliche Themen wie Kelten, Römer, Grafen und Weinbau und Landwirtschaft waren die Hauptthemen des Umzugs. Die neue Chronik berichtet bebildert hiervon.

Mit ihrem Heimat- und Jubiläumsfest am 27. und 28. Juli 1935 – hier treten auch die Kelten im großen Festzug auf -  haben die Junggesellen und die Lantershofener Bevölkerung ein selbstbestimmtes Beispiel für Heimatverbundenheit gesetzt, wenn auch die damaligen zeitgeschichtlichen und insbesondere nationalsozialistischen Umstände den Ablauf des Festes spürbar beeinflussten. Dies schmälert aber keineswegs die Leistung der Junggesellen und der Bürger des Dorfes, ihr Jubiläumsfest mit grandiosem Erfolg zu feiern. Aloys Krupp, Erster Offizier der Junggesellen-Schützen, schrieb nach dem Festzug: „An diesem Festzug beteiligte sich die ganze Bevölkerung des Dorfes, wenn man bedenkt, dass in dem Festzug über 200 Personen mitwirkten. Wir hatten die größten Sympathien der Einwohner."

Für die Kelten interessierte sich 2014 auch der Grafschafter Gemeinderat, hier auf dem Weg in die Keltensiedlung Steinbach. Bilder hierzu finden sich auch in der neuen Chronik. Foto: Thomas Schaaf.

Auch die Ahrweiler Zeitung berichtet begeistert: „Es sei von vorneherein gesagt: viele Besucher kamen mit skeptischem Lächeln, bereit zu verurteilender Kritik, oder aber auch mit wohlwollender, gutmütiger Verzeihung über das „Unmögliche“, was hier ein kleines Dorf zu unternehmen wagt und was wohl kaum in auch nur genügender Form ablaufen könne. Die Enttäuschung und grenzenlose Überraschung über das Gegenteil war wohl eine Augenweide für diejenigen, die mit am Zustandekommen des Festes verantwortlichen Anteil trugen.“ Auch wirtschaftlich bedeutete das Fest einen großen Erfolg, Aloys Krupp berichtet weiter: „Der Winzerverein hatte einen Absatz wie noch zu keinem Fest, solange man zurückdenken konnte. Vor dem Winzerverein lag ein rebenumkränztes Fass, woraus das Glas Wein zu 10 Pfennig verkauft wurde. Gedrängt standen die Trinklustigen davor, man musste warten, ehe man an der Reihe war.“  

Mehr über das "Heimatfest 1935 - 2000 Jahre Lantershofen" und den großen Festzug, über die nationalsozialistische Zeit, über die Junggesellen und ihre Entwicklung, über die Kelten, über Heinrich II., über den Erzbischof von Bamberg und viele andere Begebenheiten berichtet die neue Chronik Lantershofen. Der Vorverkauf des druckfrischen Buches beginnt am Freitag, 24. Mai im NEUEN Winzerverein.