Von
Navarrete nach St. Domingo
(8) Hey Thomas, morgen wirst Du wahrscheinlich keinen Bericht erhalten, denn es wird höchstwahrscheinlich wieder ein elektrisches Problem auftreten. Unser Start um 08.45 Uhr vom Campingplatz Navarrete nach Navarete wurde uns durch strahlenden Sonnenschein erleichert. In Navarrete konnten wir die Kirche "Iglesia de la Asunción" besichtigen. Wir staunten nicht schlecht, welche Pracht uns in diesem kleinen Ort zu Gesicht kam.
Der El Camino nach Najerá führte neben der Landstraße N 120 entlang. Der Straßengraben war ein riesiger Blumenteppich. Dunkelblaue Kornblumen, roter Klatschmohn, Silberdisteln, rot und gelb blühende Disten, orange Mittagsblumen und gelber Raps traten aus dem dunkelgrünen Gras besonders hervor. Nach zwei Stunden Wanderung unterbrachen wir unseren Törn auf dem Alto de San Antón, um uns durch einige vitamini- und mineralisierte Schlucke Wasser zu stärken. Auf der gesamten Strecke fiel immer wieder auf, wie der Regen die Weinfelder - tiefe Wasserrinnen führten zwischen den Weinreben entlang - zerstört hat. Aber auch der Wanderweg hatte stark gelitten, kleine klammarige Wasserläufe haben sich gebildet, die immer wieder durch matschige Teile unterbrochen wurden. Gegen 12.00 Uhr erreichten wir den Rio Yalde. Leider war die Brücke durch das Hochwasser weggespült worden und wir mussten einen ca. vier Kilometer Umweg in Kauf nehmen. In Najerá erwartete uns Menn - er war heute Fahrer vom Dienst. Am Refugium mussten wir 20 Minuten warten, bis wir unseren Stempel bekamen - Foto morgen.
Vom Kloster machten wir auch noch einen Abstecher zur Eremitage Suso. Hier lebte im 6. Jahrhundert der Heilige Milan de la Cogolla. Die Gebeine des hundertjährig verstorbenen Heiligen ruhen in einer Felsenkapelle. Der Heilige wurde auch von den Jakobspilger der damaligen Zeit verehrt. Viele Pilger schafften jedoch den beschwerlilchen Weg oft nur mit letzter Kraft und viele verstaben dort. Ihre Gebeine liegen in Felsennischen - siehe Foto morgen -. In Suso wurde zum erstenmal die spanische Sprache schriftlich festgehalten. Leider blieben uns auch hier wieder alle Türen verschlossen.
Jeder Interesssierte kennt wohl die Geschichte der Kölner Familie. Zur Erinnerung an diese Legende wird das Federvieh in der Kathedrale gehalten. Noch 548 Kilometer nach Santiago de Compostela. PiQuaLa ist wohl auf und gesund und wir grüßen alle recht herzlich
St. Domingo de la Calzada Santo Domingo de la Calzada besitzt eine so reiche Pilgertraditon wie kaum eine andere Stadt am Jakobsweg. Der heilige Domingo (Dominikus) ließ sich hier nieder, nachdem er in den Abteien von Valvanera und San Millän studiert hatte und nicht in den Orden aufgenommen wurde. Er führte hier ein Einsiedlerleben und betreute die vorbeiziehenden Pilger. Im Jahre 1044 baute er eine Brücke, um den Pilgern die Überquerung des Oja-Flusses zu erleichtern. Auch errichtete er eine Herberge am Pilgerweg, in der er die Jakobsbrüder bewirtete. Nach dem Tod des Heiligen und seiner Beerdigung dort im Jahre 1100 entstand um sein Grab herum Santo Domingo.
An dieses Wunder erinnern viele unterschiedliche Versionen der Geschichte mit den fliegenden, gebratenen Hühnern. Nachfolgend eine davon: "Ein Ehepaar aus Saintes, zur Kölner Diözese gehörend pilgern im 14. Jh. mit ihrem Sohn nach Santiago. Im Wirtshaus zu Santo Domingo versucht die Magd, den jungen Mann zu verführen, der sie tugendhaft zurückweist. Die Magd fühlt sich beleidigt und versteckt einen silbernen Becher zwischen den Kleidungsstücken des jungen Mannes. Am nächsten Morgen bezichtigt sie ihn des Diebstahls. Der junge Mann wird ergriffen und gehängt. Bevor die Eltern die Reise fortsetzen, hören sie die Stimme des Sohnes, der ihnen mitteilt, daß er dank des Hl. Domingo, der ihn an den Beinen halte, noch am Leben sei. Sie suchen sofort den Landrichter auf, der sich gerade anschickt, einen gesottenen Hahn und ein Huhn zu verspeisen. Sie berichten ihm von dieser außergewöhnlichen Begebenheit. Der Landrichter antwortet ihnen mit einem spöttischen Lächeln, daß ihr Sohn so lebendig sei wie die zwei Vögel auf dem Teller. Die beiden Tiere springen sofort vom Teller, in Windeseile wächst ihnen neues Gefieder und sie fliegen herum und gackern, um auf diese Art und Weise die Unschuld des jungen, zu Unrecht hingerichteten Pilgers zu beweisen."
In diesem Hühnerstall leben ständig ein prächtiges weißes Huhn und ein weißer Hahn, die etwa alle drei Wochen ausgetauscht werden.
|