Auf dem Jakobsweg
Die täglichen Berichte vom Pilgerquartett Lantershofen - PiQuaLa -
nach Santiago de Compostela in Spanien

Von Puente la Reina nach Estella (5)
Von Mitpilger Jörg Wollert / Dienstag, 6. Mai 2003

Telefonische Mitteilung von Jörg heute, 6. Mai, 19.15 Uhr: Problem mit Bildübertragung und fehlendem Strom besteht weiter. Neue Bilder vorraussichtlich übermorgen.

Hey Thomas,

Heute traten die ersten Blessuren auf, bei Menn hatte sich ein Fussnagel abgespalten. Er schnitt das Stückchen Nagel ab und heftete sich ein Pflaster drauf und schon konnten wir vom Campingplatz El Molino in Mendigorri starten. Franz hatte den Fahrdienst übernommen und war für Abwasch und Aufräumen des Wohnmobils zuständig.

Wegen des Beginns der Wanderung vom Campingplatz aus mussten wir erst den Weg zum El Camino suchen. Erste Auskunft: "Bis zum Pilgerweg 2 Kilometer." Nach 30 Minuten war das Dorf Manneru imer noch nicht in Sicht. Zweite Auskunft: "Noch 4 Kilometer." Nach 75 Minuten die nächste Auskunft: "Keine 2 Kilometer mehr, gleich hinter dem Berg liegt Manneru." Nach 90 Minuten erreichten wir dann endllich den El Camino wieder.

Diese Strecke abseits vom Pilgerweg war gesäumt von wilden Dillpflanzen, blaublühendem Rosmarin, gelben Rapsblüten und rotem Klatschmohn. Hinter dieser Blumenpracht fogten im kalten Wind Kornfelder. Still und unter schwarzen Plastikfolien versteckt lagen fast unendliche Spargelfelder. Olivenhaine erstreckten sich mit uraltem Baumbestand an unserem Wegesrand.


Römische Brücke bei Cirauqui.
Hein klagte über Schmerzen an der linken Spannseite seines linken Fußes. In Cirauqui besuchten wir deshalb eine Bar, tranken einen Kaffee und Hein bandagierte sich seinen lädierten Fuß. Menn strahlte uns an, als er von der Toilette kam: "Endlich ein Pinkelbecken, das nicht zu hoch angebracht ist".

Kurz hinter Cirauqui folgten wir einer alten, guterhaltenen Römerstraße und überquerten eine ebenso alte, stark zerfallene Brücke. Auf dieser Römerstraße wanderte nicht nur Franz von Lantershofen, sondern auch früher schon der heilige Franz von Assisi gen Santiago del Compostela.

Zur Einnahme unserer heutigen Mittagsration lagerten wir an einer Unterführung unter einer blühenden Eberesche. Die weißen traubenförmigen Blüten baumelten uns fast in den Mund, vor uns dehnten sich weit die Kornfelder und die ersten größeren Weinfelder lagen unter uns.


Menn und Franz bestaunen die alte Architektur der Kirche.

Wie der Zufall es wollte, fanden wir in Lorca eine offene Kirche, die gerade restauriert wurde.

Aus Liebe zu seiner Marianne (gelernte Restauratorin) verlangte Menn: "Das müssen wir aber im Bilde festahalten."

Hinter Lorca trafen wir Franz mit dem Wohnmobil, womit der Leidensweg von Hein vorerst beendet war. Menn und Jörg setzten ihren Weg fort und erreichten Estella um 15.15 Uhr.

Franz und Hein erwarteten uns am Rio Ega gegeenüber der Kirchenruine Santo Selpulcro. Wie schon gestern, erwartete uns Pilger in unseren fahrbaren Hotel Kaffee und Kuchen. Nach einer kurzen Wäsche und dem Anlegen frischer Bekleidung gingen wir ins Städtchen.


Kirche San Miguel in Estella, Nordportal.

Wir besuchten vier Kirchen, leider waren alle verschlossen.

Besonders das romanische Portal der Kirche San Miguel mit ihren Säulenkapitellen, auf welchen Christus in der Mandorla thront, umgeben von den vier Symboltieren der Evangelisten, beeindruckte uns gewaltig.


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Estella

Die Stadt Estella, inmitten schöner Landschaft gelegen, wurde von König Sancho an jener Stelle gegründet, an der Hirten ein Bildnis der Jungfrau Maria gefunden hatten. Im 16. Jahrhundert war sie Schauplatz eines blutigen Bürgerkriegs zwischen Navarrern, Franken und Juden.

Estella entstand am Fuße der Burg von Lizarra. Estella war ursprünglich eine Frankensiedlung aus dem Jahre 1090. Der fränkische Marktflecken enstand am Fuß des Felsens, auf dem die Kirche San Pedro, am linken Ufer des Ega, erbaut wurde. Der neue Marktflecken erlebte ein schnelles Wachstum dank des Handels und seiner privilegierten Lage am Pilgerpfad.


Kirche San Miguel in Estella.

Pilgerbrücke in Estella

Die Stadt wird von den Flüssen Ega und Iranzu durchquert. Estella bietet zahlreiche Monumente im romanischen Baustil, z. B. den Palast der Könige von Navarra und die Kirchen San Pedro de la Rua und San Miguel, alle aus dem 12. Jh.

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