Nach
Hause nach Lantershofen (28) Hey Thomas, Bericht vom 29. mai 2003; Fahrstrecke: O Cebreiro - Le Muret Gestern Abend gingen wir noch einmal in die Bar, in der wir vor einer Woche bei unserer Wanderung nach Santiago de Compostela unseren Schlummertrunk genossen hatten. Mit großem Hallo wurden wir begrüßt und schon hatten wir neben den bestellten Bieren auch die Tapas auf den Tresen gestellt bekommen. Am 29. Juni .2003 hatte in O Cebreiro um 8.10 Uhr noch keine Bar geöffnet, und so mussten wir den nächsten größeren Ort Pedrafita anfahren, um unseren Morgenkaffee zu genießen. Unsere weitere Reiseroute führte uns über die Autobahn A 6 Richtung Astorgo. Im Norden der Autobahn sind wir auf dem Kamm der Hügelkette bei unserer Wanderung nach Santiago de Compostela entlang gegangen. Kurz bevor wir bei Astorga die A 6 verließen und die Landstraße N 120 befuhren, hatten wir noch einmal einen sehr schönen Blick auf Astorga mit ihrer Kathedrale, die wir ja leider nicht von innen uns haben ansehen können. Während der gesamten bisherigen Fahrt führten wir sehr angeregte Gespräche über unsere Wanderung. Einige tiefschürfenden Zitate aus dieser Unterhaltung: "Hier sind wir entlang gegangen", "Hier haben wir den Franz getroffen", "Hier bist du gefahren," oder "Hier haben wir die spanische Gruppe überholt" usw. Wenn es auch manchmal zu unterschiedlichen Meinungen kam, so lag das daran, dass jeder sich nicht mehr genau erinnern konnte, wer mit wem und wann wohin gelaufen ist. Vor Leon hatten wir Orientierungsprobleme, denn wir mussten bis Burgos auf der Landstraße N 120 bleiben, wollten aber nicht durch Leon fahren, so dass wir Umgehungsstraßen benutzen mussten, die auf unseren Karten nicht genau bezeichnet waren. Endlich sahen wir das Stadion von Leon, das wir bei unserer Hinfahrt durch Leon auch passiert hatten. So wussten wir, jetzt auf dem richtigen Weg zu sein. Kaum hatten wir Leon hinter uns gelassen, konnten wir erkennen, welcher Pilger am Sonntag im Refugium von Leon übernachten wird, so flach ist die Meseta. Hier sahen wir auch den Pilger mit dem Esel wieder, den wir auf unserer Wanderung am schwarzen Steinkreuz am Ebeneta-Paß (1. Etappe) getroffen und fotografiert hatten. Vor der Auffahrt auf die neu erbaute Autobahn A 231 machten wir eine kurze Pause, um uns die Beine zu vertreten. Die A 231 geleitete uns über flaches ebenes Land und ist ohne größeren Baumbestand mit vielen schachbrettartig angelegten Feldern. Die Beregnungsanlagen sprühten ihr Wasser auf die jungen Pflanzen und bewahrten sie vor dem Verdorren, denn die Sonne überdeckte mit ihrer unbarmherzigen Hitze die Landschaft. Im Dunst am Horizont konnte wir die Berge der Cordillera Cantabrica erahnen, die uns noch bei unserer Wanderung mit ihren schneebedeckten Gipfel begrüßt hatte. Neue Anpflanzungen von jungen Pappeln neben der Autobahn hatten Ähnlichkeit mit zum Himmel gesteckten Fingern, vor allem jene, die nicht angewachsen waren und ohne Laub dastanden. Bei dieser Gleichförmigkeit verstummten die Gespräche und die Gedanken schweiften ab. Sie wanderten zurück zum Camino. Auf dem Rabanal am Eisernen Kreuz, wo jeder oder fast jeder Pilger aus der Heimat einen Stein und damit symbolisch seine Sünden ablegt, hatten wir einen Stein gefunden, auf dem mit sauberer Handschrift stand: " Nie wieder". Unter uns begann damals die Diskussion, was hatte der Pilger damit gemeint? "Nie Wieder" den Camino zu bewandern oder "Nie wieder" zu rauchen etc.? Oder wollte er nur andere Pilger zum Nachdenken anregen? Ende der A 231 und Weiterfahrt auf der Landstraße N 120. Jetzt gestaltete sich das Landschaftsbild abwechslungsreicher, es ging wieder durch kleine Orte, von denen wir schon die meisten kannten und schon begann wieder die Diskussion: "Hier sind wir lang gelaufen", "Hier..." usw. Am Straßenrand trampte ein Pilger, der versuchte, von einem Autofahrer mitgenommen zu werden. Der erst und einzige Pilger, den ich gesehen habe, der so etwas plante. Pilger, die einen Ruhetag nötig hatten und sich dann mit dem Bus oder von uns eine Etappe mitnehmenließen, habe ich erlebt, aber einen der trampen wollte, noch nicht. In Burgos herrschte "Stopp and go", so blieben wir vor dem Santa Maria-Tor länger stehen und konnten dieses wunderschöne Stadttor noch einmal bewundern. Hinter Burgos, an einer Fernfahrerraststätte aßen wir zu Mittag. Bei der Weiterfahrt übernahm ich den Pilotensitz. Über Vitorio, San Sebastian und Irun erreichten wir Frankreich. Kurz hinter der Grenze beim vierten Zahlungsstopp übernahm Menn das Fahrzeug und wir fuhren auf der Landstraße A 10 weiter Richtung Bordeaux. Krampfhaft versuchten wir, ein offenes Lebensmittelgeschäft oder ähnliches zu finden, was uns leider aber misslang. Nach der vierten Abfahrt
von der Autobahn fiel uns auf, dass Christi Himmelfahrt (Vatertag) war.
-sog weit waren wir von allem irdischen entfernt. Zum Übernachten
hielten wir an der Tank-/Raststelle Le Murret. Bericht vom 30. + 31. Mai 2003 Fahrstrecke Le Murret - Sezánne - Lantershofen Gefrühstückt haben wir auf der Raststelle Le Muret auf einem schönen Granittisch und den dazupassenden Bänken. Hein hatte am Abend noch einige Brote besorgt und so war unser Frühstück nach anfänglichen Bedenken, ob wir heute satt werden würden, doch gesichert. Hein Fuhr als erster. Nach kurzer Fahrzeit sagte Hein: "Schaut doch einmal nach, ob wir ein Fenster aufhaben!" Menn: "Nein". Hein: "Dann müssen wir auf einen Parkplatz fahren!" Menn: "Wieso!" Hein: "Jedes Mal, wenn ich einen LKW überhole, betätigt der Fahrer die Lichthupe, da muss was an unserem Fahrzeug sein!" Allgemeines Gelächter. Die Fahrt Richtung Paris verlief ohne erwähnenswerte Zwischenfälle. Nach Fontainebleue, es war zwischenzeitlich 19.00 Uhr durch - wir brauchten unbedingt Kraftstoff, die Tankanzeige war schon auf 1/8 gesunken und alle Tankstellen waren schon geschlossen. Als die Kontrollleuchte aufleuchtete, blieb uns nichts anderes übrig, als die nächste Tankstelle anzufahren, um ggf. den nächsten Morgen dort abzuwarten. Es war eine Tankstelle, die der Supermarktkette Leclerce (in Sezánne) angeschlossen war und wir mit Mastercard tanken konnten. Trotz aller Bemühungen, es klappte, wie schon auf der Hinfahrt, nicht. Ein französisches Ehepaar, das an der nächsten Säule tankte, wurde um Hilfe gebeten. Auch sie schafften es nicht mit unserer Karte zu tanken. ! Vorsicht Frankreichurlauber ! Aber hilfsbereit, wie sie waren, nahmen sie ihre Scheckkarte und betankten unser Wohnmobil. Dank des Euro war es kein Problem, den jungen Leuten ihre Leistung in Geld zurück zu geben. Als Dank für ihre Hilfe wurde der Betrag aufgerundet und die letzten Eifelgeistfläschchen wechselten ihren Besitzer. Auf unsere Frage nach den nächsten Campingplatz waren sie sofort bereit, uns dort hinzugeleiten. Am Büro des Campingplatzes waren die Öffnungszeiten 9.00 bis 21.00 Uhr angebracht. Auf unser Klingeln kam der Platzwart an die Tür, erklärte uns aber unmissverständlich, dass um 21.15 Uhr keiner mehr auf den Campingplatz gelassen wird. So verbrachten wir die Nacht in Sezánne. Am nächsten Morgen wurden wir schon früh durch Motorenlärm und laute Stimmen geweckt. Beim Erkunden der Ursache für diesen ruhestörenden Lärm stellten wir fest, dass in Sezánne am Samstag Markttag ist und die ersten Buden schon aufgestellt waren. Glücklicherweise wurde unsere Straße nur zum Abstellen der Fahrzeuge benötigt. Wir ließen uns Zeit, frühstückten ausgiebig, tranken unseren Morgenkaffee in einer nahen Bar und machten uns auf den Weg nach Lantershofen. Pünktlich wie angekündigt erreichten wir gegen 16.00 Uhr unseren Heimatort, stellten das Fahrzeug bei Jörg ab und begaben uns in die Winzerstuben.
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