Auf dem Jakobsweg
Die täglichen Berichte vom Pilgerquartett Lantershofen - PiQuaLa -
nach Santiago de Compostela in Spanien

Bis ans Ende der Welt (27)
Von Mitpilger Jörg Wollert / Mitwoch, 28. Mai 2003, Eingang 21.55 Uhr, eingestellt Do 9.00 Uhr.

Hey Thomas.

Die ersten vier Wochen sind beendet und vor allem die "stressgeplagte" Lauferei. Die Bestückung unserer Rucksäcke ist ad acta gelegt. Sie sind mit diversen Mitbringseln gefüllt.


Cabo Finisterre.
Heute starteten wir um 9.45 Uhr zu unserer Fahrt an das Ende der mittelalterlichen Welt nach "Cabo Finisterre". Die Fahrt durch Santiago de Compostela war in der Rushhour etwas problematisch, aber da wir uns von der Kathedrale verabschieden wollten, musste es halt sein.

Die Landstraße C 543 führte uns erst Richtung Noja, vorbei an Eukalyptuswäldern. Die
Eukalyptusbäume verhindern durch ihren ständigen Abstoß der Rinde und der Blätter, die beide ziemlich schwer verrotten, da sie recht ölhaltig sind, fast jede Vegetation unter sich. Wir passieren kleine Dörfer und die dazugehörenden landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Bei der Betrachtung der Landschaft fällt immer wieeder die Ähnlichkeit mit der Eifel auf.

Kraftstoffsparend rollten wir gen Atlantik von ca. 600 Meter in Santiago de Compostela bis auf Meereshöhe in Noja. KvD spielte Hein und Menn ratzte. Franz und Jörg saßen im Wohnbereich und ließen ihren Gedanken über den Bericht freien Lauf.

Zehn Kilometer vor Noja stoppten wir auf freier Strecke und entsorgten unser Abwasser, natürlich umweltbewußt in die Kanalisation. Kurz danach öffnete sich der Wald und gab den Blick auf die Atlantikküste frei. Beim Passieren einer Brücke über den Rio Cambrie stellten wir fest, dass zur Zerit Ebbe herrschte, denn das Wasser war noch am Ablaufen und der zurückbleibende Schlick war gut erkennbar.

Unsere Fahrt von Noja nach Cabe Finisterre führte uns über die Küstenstraße - fast immer den Atlantik im Blickfeld oder erahnend. In den vielen Buchten, die sich abwechseld felsig oder sandig unseren Blicken offenbarte, erkannten wir in einiger Entfernung vom Ufer riesige festverankert Austern- und Langustenaufzuchtstationen. Jede Bucht hatte ihren eigenen Charakter. Sanddünen wechselten mit Heideküsten
ab.

In San Fransisco passierten wir einen herrlich langen weißen Sandstrand, an dem schon einige sonnenhungrigen Touristen sich sonnten. Was uns schon des öfteren im Landesinneren aufgefallen war, waren die vielen Bauruinen - hier in Küstennähe waren sie besonders häufig anzutreffen. In den Orten standen viele und besonders schön anzusehende Herreos (Getreidespeicher).

An diesem Küstenstreifen Galiciens, der durch viele kleine Buchten geprägt war, konnten wir keine Ölrückstände des Tankerunglücks des vorigen Jahres erkennen. Als wir jedoch an den offen Atlantik kamen, sahen wir in einer wunderschönen weißsandigen Bucht an den vorgelagerten Felsen Ölrückstände. An dem Badestrand waren Männer in weißen Schutzanzügen damit beschäftigt, das letzte Öl zuentfernen.

Im weiteren Verlauf unserer Fahrt kamen wir auch an einer felsigen Bucht vorbei, wo Männer mit Hochdruckreinigern die Felsen reinigten. Als wir uns Cabe Finisterre näherten, sahen wir schon von weitem den Leuchturm im Sonnenschein schimmern. Auf dem steilen Anstieg begegneten wir mehreren Pilgern, die entweder zu Fuß oder mit dem Bus das Ende der Welt erreicht hatten.

Am Kap fanden wir mehrere Denkmäler und Gedenktafeln zu Ehren maritimer spanischer Würdenträger. Das Kap-Kreuz -Foto- trug die Inschrift "Cruz da Costa da Morte" (Kreuz an der Todesküste). Etwas weiter westlich, kurz vor der Steilküste, verbrannte Menn, einem alten Brauch folgend, auf den Schuhen seine Unterhose -Foto- .

Am westlichsten Punkt war unsere Exkursion beendet und unsere Berichterstattung ebenfalls.

Wir werden den gleichen Weg, den wir Richtung Westen gewandert sind, auf den
begleitenden Landstraßen Richtung Osten zurückfahren.

Noch 1800 km bis Lantershofen.

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