Auf dem Jakobsweg
Die täglichen Berichte vom Pilgerquartett Lantershofen - PiQuaLa -
nach Santiago de Compostela in Spanien

Von Palas de Rei nach Arzua (24)
Von Mitpilger Jörg Wollert / Sonntag, 25. Mai 2003, Eingang 18.33 Uhr, eingestellt 20.30 Uhr.

Hey Thomas,

unsere "Expedition" neigt sich langsam dem Ende zu. Heute Sonntag, den 25. Mai 2003 habe ich KvD.

In Palas de Rei hatten wir unser Auto etwas außerhalb des Ortes an einem Brunnen abgestellt.

Die Temperaturen sind nicht gerade "spanienlike", deshalb wurde der Brunnen auch nicht so wie sonst immer genutzt.

Nur eine Katzenwäsche, gefrühstückt, den obligatorischen Kaffee genossen und schon gab es wie jeden Tag die Verabschiedungszene. -Foto-

Auf der Fahrt von Palas de Rei nach Arzua ging mir so einiges durch den Kopf, wie ich auf Shakespeare gekommen bin: "To be or not to be...." und dann zu: "Es grünt so
grün ..." ich weiß nicht mehr, aber diese Melodie und der Text aus "My Fair Lady" gingen mir bei dieser Landschaft einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Meine Kenntnisse der spanischen Landschaft beruhen auf Urlaubserlebnissen aus
dem Mittelmeerraum, dort herrschen zur Urlaubszeit überwiegend die Farben braun und grau, hier aber erinnert alles mehr an das deutsche Landschaftsbild im Frühsommer, wie gesagt: Es grünt so grün...

Was mir noch so durch den Kopf ging: Geschwindigkeitsbeschränkungsschilder sieht man wenige, dafür aber an allen gefährlichen Stellen Richtgeschwindigskeitsschilder oder eine andere, sagen wir Mentalitätsfrage, die mir auffiel: Ich hielt auf einem Zebrastreifen und unterhielt mich mit einen deutschen Fußballfan, ebenfalls ein Pilger aus München, über die Bundesligaergebnisse. Der Verkehr staute sich, aber niemand sagte etwas, kein Hupkonzert und ein Polizist guckte zu.

Die Fahrt ging durch leicht gewelltes Land. Zwischen den einzelnen Orten überwog der Wald, hier vor allem Eukalyptuswälder, neue Anpflanzungen, aber vorwiegend alte große Bäume.

Standen die Bäume im Wald, hatten sie einen hohen glatten Stamm. Standen sie einzeln, dann legten sie auch in der Breite zu. -Foto-

Im Laufe meiner Fahrt kam ich durch Melide. Auf der Suche nach dem Refugium stieß ich am Ortsrand auf die Kirche Santa Maria, eine kleine romanische Kirche, deren Fresken im Inneren für mich zu den schönsten am ganzen Camino zählen.

Heute sollte wieder ein Campingplatz in Arzua angefahren werden, damit am heutigen Sonntag noch einmal ein Bericht nach Lantershofen abgeschickt werden konnte. Das Auffinden des Campingplatzes Casqueiro entwickelte sich zu einer Rundstreckenfahrt. Alle Befragten erklärten mir bereitwillig den Weg, fertigten sogar Zeichnungen an, bloß ich fand das Objekt der Begierde nicht. Ein Bäuerlein, das seine Kühe zur Weide trieb, begrüßte mich ab der zweiten Begegnung schon als alten Bekannten. Schließlich, 200 Meter vor dem Refugium und 300 Meter vor dem Campingplatz, zeigte mir ein Passant, dass das Restaurant hinter dem der Campingplatz versteckt liegt.

Ein steile Abfahrt mit über 10% Gefälle, dann eine rechtwinklige Kurve und dann ging es nicht weiter, denn die Einfahrt zum Platz ist mit Weinreben überwachsen und diese
haben eine lichte Durchfahrtshöhe von 2,80 Meter. Also musste unser Gefährt in der steilen Abfahrt geparkt werden. Trotz Unterlegkeile besteht noch eine kleine Neigung zum Fahrerhaus hin. Eine Nacht wird es wohl auch so gehen.

Bericht Hein.

Heute am Sonntag, wo in ganz Spanien Regionalwahlen sind, sind wir um 09.30 Uhr
aus Palas de Rei losgezogen. Es war insgesamt eine sehr schöne Strecke, die überwiegend durch Wälder führte, ständig wechselnd zwischen Eichen- und Eukalyptuswälder. Die letzteren wuchsen schnurgerade, wie Telegrafenmasten 30 bis 40 Meter in den Himmel.

In Coto, nach ungefähr acht Kilometern überschritten wir die Grenze zwischen den Bezirken Lugo und La Corona. In Furelos hatten wir eine eigene Führung durch die sehr schöne kleine Kirche des Ortes. Jakobus wurde zweimal dargestellt, einmal als Pilger mit Hut, Stab und Kalebasse und als Maurentöter auf einem Pferd sitzend.

Eine Besonderheit in dieser Kirche war eine Christus Figur, dessen linke Hand noch ans Kreuz genagelt, die rechte aber nach unten ausgestreckt war. Dies versinnbildlicht zwei Dinge: Einmal dem Pilger die Hand reichend, um ihn sicher nach Santiago de Compostela zu geleiten, zum Zweiten als Verbindungsglied, mit denen er den Menschen von der Erde in den Himmel helfen möchte.

Kurz vor Melide kamen wir an einem großen Gedenkstein vorbei, auf dem 300 Personen vermerkt waren, die dem Generalorden des Camino angehören und sich um die Erhaltung der Wege und das kulturelle Erbe bemühen. In Boente nahm uns an einer kleinen Kirche der Pastor an die Hand und führte uns in seine Dorfkirche. Er erklärte uns die Kirche und lud uns zu einem kleinen Wortgottesdienst ein.

Abgeschlafft erreichten wir nach 28 Kilometer unser rettendes Refugium auf Rädern.

Noch knapp 40 Kilometer bis Santiago de Compostela.

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