Auf dem Jakobsweg
Die täglichen Berichte vom Pilgerquartett Lantershofen - PiQuaLa -
nach Santiago de Compostela in Spanien

Von Portomarin nach Palas du Rei (20)
Von Mitpilger Jörg Wollert / Samstag, 24. Mai 2003, Eingang 18.08Uhr, eingestellt 19.00 Uhr.

Hey Thomas,

diesmal muss es ohne Bilder gehen, denn wir haben wieder einmal keinen Strom. Morgen sind wir wieder auf einen Campingplatz und dann sende ich dir die zwei Bilder.

Bericht vom 24. Mai 2003

KvD Hein. Vom Campingplatz Santa Martina starteten wir mir dem Wohnmobil in Richtung Portomarin. Hein setzte uns am Camino in der Nähe des Stausee ab. Der
Abmarsch verzögerte sich etwas, denn Jörg fehlte erst die Kamera, dann die Verpflegung, dann musste er noch seine Brille putzen und als wir schon halb unterwegs waren, fiel ihm ein, dass das Handy noch im Wohnwagen war.

Als es dann endlich losging, gingen wir über eine Brücke neuerer Bauart, die aber schon stark angerostet und die Stahlplatten teilweise lose waren und gelangten auf die andere Seite des Tales. Von Kilometer 89 bis Kilometer 85,5 - seit wir Galicien erreicht haben, wird alle 500 Meter durch einen Stein die Entfernung nach Santiago de Compostela angezeigt - wanderten wir durch eine hügelige Landschaft auf glatten, festen Wege durch alte Waldbestände.

 

Nach Kilometer 85,5 wechselte sich sowohl die Landschaft als auch unser Weg ständig. Der Camino schlängelt sich durch Wiesen, Felder, auch wieder einmal durch ein Waldstück und durch Dörfer.

In dieser Gegend fanden wir auf fast jeden Bauernhof einen sogenannten "Herreos" - siehe Bericht vom 23. Mai 03.

Der Ginster am Wegesrand erreichte eine Höhe von zwei bis drei Metern, auch die Kohlstauden sind frauenhoch (um niemand zu diskriminieren habe ich nicht mannshoch geschrieben).

Nach ca. zwei Stunden ging eine Regenschauer nieder. Sicherheitshalber hatten wir unsere Regenjacken mitgenommen, die blitzschnell ausgepackt und angezogen wurden. Die Ponchos blieben eingepackt.

Kurz danach rasteten wir unter einer mächtigen Eiche, die fünf Mann nicht umfassen konnten, am Kreuz von Lameiros.

Dieses 1670 errichtete Kreuz ist eines der bekanntesten auf dem Camino. Es zeigt im Sockelbereich auf den vier Seiten Leiter, Hammer, Zange, Nägel, Dornenkrone und Totenkopf, ein Sinnbild Golgothas bzw. des Todes - Foto -.

Die restliche Strecke nach Palas du Rei (Palast des Königs) war nicht anders als die erste. Immer wieder erwischten uns ein paar Regenschauer und es war teilweise, wenn die Sonne sich hinter den Regenwolken versteckte, recht kalt.

Palas du Rei zeigt heute nicht mehr viel von seiner Vergangenheit auf dem Camino. Im Mittelalter pflegten die Pilger hier einen Ruhetag einzulegen und sich dann zu Gruppen zusammenzufinden, bevor sie die letzten 65 Kilometer in Richtung Santiago de Compostela in Angriff nahmen.

Die Stadt wurde erstmals im 9. Jahrhundert erwähnt, als Sitz eines keltischen Feldlagers. Das einzige kulturell erwähnenswerte Bauwerk der Stadt ist die Pfarrkirche San Tirso mit ihrem romanischen Portal.

Im "Liber Sanoti Jacobi" steht allerdings etwas wirklich Bemerkenswertes, die alten Zeiten betreffend: Die Mägde der Gastunterkünfte pflegten Nachts die Zimmer der Pilger aufzusuchen, um sie zu verführenn und um Geld zu verdienen. Und die Dirnen, die zwischen Portomarin und Palas du Rei ihr Unwesen trieben, seien zu exkommunizieren. Sie sollten ausgestoßen werden und ihnen sollte die Nase abgeschnitten werden.

Moch 65 Kilometer bis Santiago de Compostela.

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