Von Sarria
nach Portomarin (22) Bericht vom 23. Mai 2003, Berichterstatter Hein. KvD Franz. Heute am 23. Mai 2003 sind wir von Sarria aus gestartet. Der Weg führte uns in halber Berghöhe durch eine ganze Reihe kleiner unsd kleinster Dörfer, wo überwiegend Viehzucht betrieben wird. Desalb waren die Ortsstraßen auch reichlich mit Fladen bedeckt und die Luft von Jauche geschwängert. Zwischendurch hatten wir aber auch lange Strecken durch Eichenwälder mit hundertjährigen Bäumen.
Zwei Stunden spätern
sahen wir unter uns Portomarin liegen. Eine Brücke führte über
den Fluß Mino in die Stadt. Die erste Brücke wurde schon im
Jahre 1120 von Johannitern errichtet, um den Pilgern einen Übergang
über den Fluß zu ermöglichen.
Heute mussten wir unbedingt wieder einmal auf einem Campingplstz übernachten, denn unsere elektrischen Geräte waren alle leer. In der Nähe von Portomarin fanden wir einen landschaftlich wunderschön gelegenen Platz. Er lag direkt am Stausee und wurde um diese Zeit nur von wenigen Campern genutzt.
Noch 90 Kilometer bis Santiago de Compostela.
Galizien Galizien liegt im äußersten Nordwesten der iberischen Halbinsel. Im Süden grenzt es an Portugal, im Osten an die spanischen Regionen Asturien und Kastilien, im Norden und Westen an den Atlantik. Auf 24.429 qkm leben ca. 2,8 Mio Gallegos. Im 6. Jh. V.Chr. wanderten hier die Kelten ein und hinterließen aufgrund der schwächeren Romanisierung einen nachhaltigeren Einfluss als in anderen spanischen Regionen. Keltische Spuren finden sich in der Sprache, dem Gallego, und in der Musik. Das typische Instrument ist die Gaita, der galizische Dudelsack, mit dem die Muneria gespielt wird. Vereinzelt sind die Pallozas, runde bis ellipsenförmige vorrömische Steinhütten mit einem kegelförmigen Strohdach, noch bewohnt. Und in der Landwirtschaft begegnet man dem keltischen Ochsenkarren und Holzpflug. In den Bräuchen und Riten leben zahlreiche vorchristliche Elemente weiter. Den Steinen und dem Meer werden übernatürliche Kräfte zugeschrieben, und der Toten- und Ahnenkult spielt eine große Rolle, selbst viele junge Menschen glauben an Seelenwanderung, an übernatürliche Heilkräfte und an "Meigas" (Hexen). Vorchristliches und christliches mischen sich in Galizien wie in keiner anderen spanischen Region. Sie ist gespickt mit Wallfahrtsorten, und das Kalenderjahr ist voll von religiösen Festen. Die traditionell starke Stellung der katholischen Kirche geht nicht zuletzt auf die Entdeckung des Grabes des Hl. Santiago und die Entwicklung Santiago de Campostela zum bedeutenden mittelalterlichen Pilgerziel zurück. Seit 1981 hat Galizien - ähnlich wie das Baskenland und Katalonien - einen besonderen Autonomiestatus mit einer eigenen Regierung und einem eigenen Parlament. Offizielle Landessprache ist seither das dem Portugiesischen verwandte Gallego, das traditionell die Sprache des niederen Volkes und daher keine Schriftsprache war. Adel, königliche Verwaltungsbeamte und später das Bürgertum sprachen das Kastilische. 1963 gab die galizische Dichterin Rosalia de Castro die Canteres Galegos (Galizische Gesänge) heraus und wertete die Landessprache erstmals aus. Dass sie zunehmend gesprochen und im Rundfunk und Fernsehen benutzt wird, stößt auf geteilte Zustimmung. Nationalistische Strömungen hatten nie die Massenunterstützung, das Selbstbewusstsein und die Durchsetzungskraft wie in Katalonien und dem Baskenland. Am Referendum über das Autonomienstatut nahmen nur 30 % der Galizier teil. Sie haben ein eher distanziertes Verhältnis zur Politik. Galizien gilt als unterentwickelte Region. Das Pro-Kopf-Einkommen zählt zu den niedrigsten des Landes. Die Bevölkerung konzentriert sich in hohem Maße auf dem lande, nur ca. 30 % leben in den sieben Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern. Das galizische Bürgertum versäumte in den letzten 200 Jahren den Aufbau einer Industrie. Über die Hälfte der galizischen Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft und dem Fischfang. In den kleineren Küstenorten ist traditionell der Mann Fischer, während die Frauen die Felder bestellen. 35.000 galizische Fischer holen ca. 40 % des gesamtspanischen Fanges ein. Die galizischen Bauern konservieren eine kleinbäuerliche, individualistische Mentalität. Bis ins 20. Jh. Existierten feudale Besitzformen, gegen die sich die Bauern im sogenannten Aufstand der Irmadinos im 15 Jh. Erfolglos gewehrt hatten. An den Jahrhunderte langen Feudalismus erinnern noch die über das Land verstreute Pazos, die burgartigen Adelsgüter, aber auch der Kaziken, meist Bürgermeister, Guardias oder Adelige, bestimmen vielfach noch heute die Machtstrukturen in den kleinen Weilern und Gemeinden. Galizien ist traditionell ein Auswanderungsland. Die Minifundyen ernähren allenfalls den Haupterben. Bereits im Mittelalter zogen Galicier zu Ernteeinsätzen in den Süden. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts setzte ein Emigrationsboom nach Südamerika ein (in Buenos Aires leben mehr Galicier als in jeder galizischen Stadt), und seit 1950-60 auch in die europäischen Industriestaaten. Allein in diesem Jahrhundert wanderten über 1 Mio. Galicier aus. In der an Küsten und Fischern reichen Region kommen Fische, Schalen- und Krustentiere (Austern, Muscheln, Krabben, Langusten u.ä.) frisch auf den Tisch. Bei Festen wird Pulpo in großen Kupferkesseln gekocht. Galizischer Grünkohl ist die Basis des Caldo Gallego, eines Eintopfes. Berühmt sind auch die Käsesorten der Region, darunter der wegen seiner Form Teta (Brust) genannte junge Käse.
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