Von O
Cebreiro nach Samos (20) Hey Thomas, Hier der Bericht vom 22. Mai 2003: KvD Menn. Heute steht der Besuch des Benediktiner Klosters Samos auf dem Programm, eines der ältesten Klöster in Spanien. Seine Ursprünge stammen aus dem 6. Jahrhundert. Aber vorher musste noch ein Fußweg bewältigt werden. Den größten Teil der Strecke führt neben oder auf der Landstraße entlang. Die letzten sechs bis sieben Kilometer vor Samos entschädigte uns aber von der eintönigen Asphaltlatscherei. Der Camino führte uns durch herrlichen alten Eichenwaldbestand, mit vereinzelten grostesken Baumstammformen, der Wald war Balsam für unsere Füße, unten im Tal rauschte ein Bergbach, der Rio Orbio, immer wieder sahen wir kleine Wasserfälle. Wenn das Tal sich etwas weitete, floß der Rio langsamer und war dann umgeben von saftigen grünen Wiesen.
Die Benediktiner sind stolz auf die lange Vergangenheit und den hervorragenden Zustand des Kloster. Die Kirche erreicht man über eine repräsentative Treppenanlage, sie ist ein Werk aus dem 18. Jahrhundert und wurde von einen Mönch des Klosters entworfen. Der Benediktiner zeigte uns die Kirche als Letztes. Zuerst besichtigten wir die riesigen Kreuzgänge des 18. Jahrhunderts, ein zweistöckiges klassizistisches Quadrat von 54 x 54 Meter. Im oberen Kreuzgang wurden wir auf Fotografien, die auf Ereignisse aus der jüngere Vergangenheit des Klosters, hingewiesen. U.a. auf die fast völlige Vernichtung des Klosters durch ein Feuer im Jahre 1951. Es blieben lediglich die Kirche und die Sakristei, sie ist ein achteckiger Bau mit Halbkugelkuppel und machte wohl den größten Eindruck auf uns, von den Flammen verschont. Menn hat leider an der Führung nicht teilgenommen, denn er hatte sich am Refugium postiert, um uns zu empfangen. Wir kamen aber über eine andere Strecke, die erst zum Kloster führte und dann erst zum Refugium. Da die letzte Führung um 12.00 Uhr stattfand entschlossen wir uns, zu Dritt das Kloster zu besichtigen. Heute war der heißeste Tag unserer Wanderung. Um 21.30 Uhr hatten wir noch 28 ° Celsius und im Wohnmobil 29 ° Celsius. Mein Hemd wird schon wieder feucht. Ich werde mich jetzt an den Celeiro setzen und mit dem Rest des PiQuaLa noch etwas trinken. Noch 112 Kilometer bis Santiago de Compostela.
Kastilien
- Leon Das einstige Doppelreich Kastilien und Leon ist Spaniens flächenmäßig größte Comunidad Autonoma. Auf ihren ca. 94.000 qm - fast 19 % der Staatsfläche - leben aber nur 2,6 Mio. Menschen - knapp 7 % der Bevölkerung. Hauptstadt der in neun Provinzen gegliederten Region, deren rotweiße Flagge Kastiliens Kastell und Leons Löwe zieren, ist Valladolid. Der Rio Duero fließt quer durch das Gebiet, größtenteils eine Hochebene mit Getreidefeldern, Schaf- und Stierweiden, jedoch mit bergig- unwegsamen Randgebieten. Diese Region ist das historische Kernland Spaniens. Die im 8. Jh. Von Asturien ausgehende Reconquista erreichte schnell Leon - erst Name einer Stadt, ab dem 10. Jh. Eines Königreiches, das sich 1230 endgültig mit dem Nachbarreich Kastilien vereinigte. Kastilisch - und nicht etwa Spanisch - ist die korrekte Bezeichnung von Spaniens landesweiter Amtssprache. Kastiliens zeitweiser Hofsitz Burgos war Heimat des Nationalhelden El Cid, Salamanca ist Sitz von Spaniens ältester Universität. Einheimischen sagt man ein Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Landsleuten nach: Kastilier sind die "älteren" Spanier.....Historischem Glanz zum Trotz wanderte aber seit 1960 jeder zehnte der damals rund 3 Mio. Einwohner in stärker industrialisierte Teile Spaniens oder ins Ausland ab. Castilla y Leon hat heute kaum mehr Einwohner als vor 400 Jahren! Die industrielle Revolution ließ sich hier Zeit. Im 18./19. Jh. Verfiel die Region zum Getreidelieferanten Madrids. Schafzucht und Wollmanufaktur - im Mittelalter noch Quellen enormen Reichtums - verkamen. Im ausgehenden 19. Jh. verarbeiteten Kataloniens Tuchfabriken lieber australische als einheimische Wolle. Zahlreiche Städte der Region haben heute Lebensmittel-. Chemie-, Textil- oder Metallindustrie. Zum echten Industriezentrum mauserte sich aber nur Valladilid - die einzige Provinz, deren Bevölkerung zwischen 1960 und 1985 anwuchs. Als mit Abstand größte Fabrik der Region entstand dort das Autowerk FASA-Renault. Als in Spanien in den 60er Jahren die Zahl der Arbeitsplätze noch zunahm, ging sie in Kastilien und Leon bereits zurück, und als in den 70er Jahren die Kurve für Spanien nach unten abknickte, sackte sie hier noch viel stärker. So fielen in Kastilien und Leon im Zeitraum 197(85 ein Drittel der anfangs 200 000 Industriearbeitsplätze fort. Mehr Menschen beschäftigt noch immer die Landwirtschaft - trotz eines dramatischen Rückgangs 1975/85 von 360 000 auf nunmehr die Hälfte. Die Feldarbeit wurde mechanisiert - auch wenn besonders in den Übergangsregionen zu Galicien der Ochsenpflug noch oft anzutreffen ist-, ältere Landwirte gingen in den Ruhestand oder gaben ihre Höfe auf. Ein Stück alter Dorfgemütlichkeit ist jedoch geblieben. Am späten Nachmittag oder am Sonntagmorgen zieht es die Männer noch immer in ihre unterirdischen Bodegas, wo hausgemachter Wein im Sommer kühl bleibt und im Winter vor Frost geschützt wird, um bei einem Glas Tinto Schwätzchen zu halten. Auch der in einen dicken Mantel eingehüllte Schäfer, der auf der Weide seine Herde hütet, ist vorerst noch kein exotisches Überbleibsel vergangener Zeit.
Spanien: Bevölkerung: 39 630 000 - Bevölkerungsdichte: 78,5 Menschen je km2 - Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung: Spanier 74.4%; Katalanen 16.9%; Galicier 6.4%; Basken 1.6%; andere 0.7% - Religionszugehörigkeit: Katholiken 94.9%; Muslime 1.2%; Protestanten 0.5%; andere 3.4% - Größte Städte: Madrid 2,866,850; Barcelona 1,508,805; Valencia 746,683; Seville 697,487; Zaragoza 601,674. Geographische Merkmale: höchster Berg --> auf dem Festland Mulhacen 3482 m, auf den Kanarischen Inseln Pico de Teide 3718 m; längster Fluß --> Tajo (Teil) 1010 km. Geographie: Spaniens Meseta, ein zentrales Hochland aus uraltem Gestein, bedeckt mehr als die Hälfte der Landschaft. Es ist von Gebirgen umgeben und steigt im Durchschnitt auf 600 m an. Die Pyrenäen beginnen am Mittelmeer und erstrecken sich bis zum Golf von Biskaya im Nordosten. Das Kantabrische Gebirge zieht sich entlang der Nordküste und schwenkt sodann nach Südwesten in Richtung Nordportugal und Atlantik. Das Iberische Randsgebirge verläuft von den Kantabrischen Bergen nördlich der Meseta entlang der Mittelmeerküste. Dazwischen liegt das Ebrotal. Die Meseta wird durch die Flüsse Duero und Tajo entwässert, die von beiden Seiten des Zentralgebirges in den Atlantik fließen. Die Bergkette der Sierra Moena am südlichen Ende der Meseta liegt über dem Fluß Guadalquivir, der bei Cadiz in den Atlantik mündet, und dem Andalusischen Becken. Weiter südlich befindet sich das Küstengebirge Sistema Penibetica. Klima: Spaniens Klima wird durch die Westwinde des Nordatlantiks, durch die Höhenunterschiede und die gelegentlich trockene Warmluft aus der Sahara bestimmt. Die Nordregion, die sich von Galicien bis zu den westlichen Pyrenäen erstreckt, hat ein feuchtes, maritimes Klima. Die Winter sind mild und die Sommer relativ kühl. In der zentralen Zone herrscht ein Kontinentalklima mit sehr kalten Wintern und extrem heißen Sommern. Es regnet nur sporadisch. An der Ost- und der Südküste ist das Klima mediterran mit milden Wintern und warmen, trockenen Sommern. An der Costa del Sol fallen die geringsten Niederschläge.
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