Auf dem Jakobsweg
Die täglichen Berichte vom Pilgerquartett Lantershofen - PiQuaLa -
nach Santiago de Compostela in Spanien

Postkarte aus Spanien an die "Post"
TS / 21. Mai 2003

In Castrojeritz war für unsere Pilger wohl das Postkartenschreiben angesetzt, denn nach den "Winzerstuben" erhielt jetzt auch die Gaststätte "Zur Post" eine Grußkarte aus Spanien.

Text:

Liebe Jana, lieber Albrecht,

die ersten 300 Kilometer haben wir hinter uns und hoffen, auch die letzten "paar" Kilometer frohen Mutes zu überstehen - trotz mangelhafter Versorgung mit Weizen-Bier.

Viele Grüße an Alle.
PiQuaLa Jörg, Menn, Franz, Hein.

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Von Trabadelo nach O Cebreiro (20)
Von Mitpilger Jörg Wollert / Mittwoch, 21. Mai 2003, Eingang Freitag 19.20 Uhr, eingestellt Fr. 20.00 Uhr.

Hey Thomas,

heute kommen ich endlich wieder einmal dazu, Dir einen Bericht zu übermitteln. Ich fange mit dem Bericht vom 21. Mai 2003 an. Dazu gehören alle Bilder vom 21. bis 23. Mai.

Große Aufregung herrschte heute Nacht beim PiQuaLa. Hein war auf die Toilette gegangen und bekam die Türe nicht mehr auf. Unter Mithilfe von Jörg konnte Hein befreit werden, eine Nacht auf der Toilette blieb ihm somit erspart.

KvD Jörg. Der 21. Mai 2003 wird in meinem Gedächtnis bestimmt lange haften bleiben.
Die Fahrt nach O Cebreiro wurde für mich zur Horrorfahrt.


Jörgs schöne Bergwelt.

Von Trabadelo fuhr ich froh gelaunt in Richtung Alto do Cwebreiro (1300 Meter). Die Landschaft um mich herum konnte nicht schöner sein. Bergwelt wie aus dem Bilderbuch -Foto-.

Störend nur die vielen Autobahnbrücken.

Aufgrund der vielen Eindrücke, die auf mich einstürmten, muss ich wohl nicht genau auf die Wegweiser geachtet haben. Als das Verkehrsschild 15 % Steigung in mein
Blickfeld fiel, wurde ich stutzig. Die Straße wurde enger und enger. Linker Hand steil abwärts, rechts steil aufwärts, ständig enge Kurven, an ein Wenden war nicht zu denken. Glück muss man haben -mir kam ein Auto entgegen...

Der Fahrer setzte sofort zurück und gab mir durch Zeichen zuverstehen, dass ich weiterfahren sollte. Keine 100 Meter weiter - und eine Straße ging nach rechts ab. Der Spanier stieg aus und half mir beim Wenden. Als ich ihn nach den Weg El Cebreiro fragte, gab er mir zu verstehen, dass ich mich immer rechts halten müsste. Gesagt, getan!

Jetzt hatte ich auf der linken Seite den Steilhang. Mir wurde immer flauer im Magen. Aber es ging alles gut. Ich kam immer weiter bergab. Jetzt musste der Horror doch endlich vorbei sein. Denkste! In einer Linkskurve in einem Hohlweg sah ich mit einem mal rechts eine Betonmauer, links ein Haus, dessen Ecken schon recht stark deformiert waren, Durchfahrtsbreite ca. 2,60 Meter und eine steilabfallende Straße.

Halt! Nach Prüfung der Situation: hier kommst du nicht durch. Zurücksetzen war nicht möglich. Ich wartete auf Hilfe. Sie kam auch recht schnell in Persona von Christa und Francois Schmidt aus Forch/Schweiz. Meine Situation erkennen, ihre Rücksäcke ablegen und mit mir das weitere Vorgehen absprechen, war ohne große Worte ihr Handeln.

Millimeterweise kroch ich durch den Engpaß. Francois Zeichen waren klar und eindeutig, so dass meine Notlage schnell behoben war.


Christa und Francois Schmidt aus Forch / CH.

Ein Erinnerungsfoto -Foto- wurde geschossen und die Adressen ausgetauscht.

Im Nachhinein glaube ich, ich habe meine Dankbarkeit nicht in gebührenden Maße zum Ausdruck gebracht. Was hiermit nochmals getan sein soll.

Aus dem Dorf heraus, ich habe mir in der Aufregung noch nicht mal den Namen des Ortes gemerkt. Auf den nächsten Parkplatz halten, um meine flatternden Nerven zu beruhigen, war eins. Die Weiterfahrt nach El Cebreiro verlief dann ohne weitere Zwischenfälle. Auto abstellen und das Dorf ansehen, das waren dann meine ersten Handlungen.


Palozza, Bauernhaus keltischen Ursprungs.

Hier oben in luftiger Höhe, bei herrlichem Sonnenschein stehen noch die alten keltischen Bauerhäuser "Pallozas" genannt -Foto-:

Ihre Mauern bestehen aus klotzigen Steinen, knapp zwei Meter über den Boden ruht das Dach aus Stroh und Heidekraut. Weder Fenster, noch ein Schornstein haben diese Häuser.

Jedoch zwei Türen: eine für den Menschen, die andere für das liebe Vieh. Das Dorf steht heute unter Denkmalschutz.

Berühmt wurde das Dorf durch das "Gralswunder". Im 14. Jahrhundert hielt eine Mönch aus Aurillac für einen einzigen Bauern die Messe. Der spottete "Nur wegen einer Messe hast du weiten Weg in der Kälte gemacht". Bei der Wandlung wurde aus dem Wein Blut und aus der Hostie Fleisch.

In der Kirche -Foto- sind der Kelch, der Hostienteller und die Gräber des Mönches und des Bauern zu sehen.

Historisch verbürgt ist, dass in diesem Ort im Jahe 1072 auf Geheiß König Alfons VI. ein französsisches Mönchskloster errichtet wurde.


Bericht Hein:

Gut 10 Kilmeter, bis zum Dort Ruitelán, liefen wir nur auf Landstraße. Bei Portela trafen wir unseren alten Bekannten Sepp aus Freising, den verlorengegangenen dritten Mann aus dem bayerischen Trio wieder. Bis O Cebreiro wanderten wir zusammen. "Die Strecke mit meinen rheinischen Freunden hat mir so gut gefallen, daher trinkt eine Flasche Rotwein auf unser gemeinsames Wohl," sagte Sepp, bevor er in seinem Refugium verschwand.

Später bog der Camino links ab und führte durch einen Maronenwald steil bergauf bis La Faba. Von dort ging es weiter bergauf, diesmal aber durch eine Heide- und Ginsterlandschaft, wie wir es schon des öfteren erleebt haben. Von dort aus hatte wir einen Blick bis 50 Kilometer über die hiesige Bergwelt. 2,5 Kilometer vor O Cebreiro überschritten wir an einem Gedenkstein die Grenze zwischen den Provinzen Leon-Castilien und Galicien.

Noch 130 Kilometer bis Santiago de Compostela.

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