Auf dem Jakobsweg
Die täglichen Berichte vom Pilgerquartett Lantershofen - PiQuaLa -
nach Santiago de Compostela in Spanien

Campingplatz geschlossen - Strom reicht nicht
TS / Donnerstag, 15. Mai 2003, 2030 Uhr

Gestern war Jörg ja noch guter Dinge, uns etliche Bilder zu schicken, jedoch lag es diesmal zunächst am geschlossenen Campingplatz in Leon, vor dessen Toren die vier Pilger standen. Kein Camingplatz - kein Strom bzw. zu wenig Strom - keine Bilder - kein Bericht. Schade. Dann eben hoffentlich morgen.


Blick in das Wohnmobil (vor Fahrtantritt).
Wie wir gerade über das Lantershofen.de-Handy (das hat noch Strom) von Jörg Wollert und seinen Mannen erfahren haben, geht es allen Reisenden gut und sie sind "guter Dinge" - was immer das um diese Uhrzeit heißen mag.

Grüße nach Lantershofen schicken unsere Pilger und wollen morgen nach Astorga aufbrechen.


Menn und Jörg beim Packen und Tarnen.

Weil keine Bilder kamen, hatten wir im Bericht 7 vom 8. Mai wir schon einmal in den "Kofferraum" des Pilgermobils geschaut - Koffer waren eigentlich nicht zu sehen, dafür aber andere wichtige Dinge, die "gut getarnt" die weite Fahrt überstehen sollten.

Heute schauen wir nochmal genauer in den Kofferraum. Für den langen Marschweg wird natürlich auch flüssige Verpflegung mitgenommen, wie man auf den beiden Bildern sehen kann.


Die wichtigste Stärkung: Hefe-Weizen en masse.

Überall: Hefe-Weizen. Wenn das mal gut geht!

zurück zur Etappen-Übersicht
zum Seitenanfang

Von Shagún nach Leon (14)
Von Mitpilger Jörg Wollertl / Donnerstag, 15. Mai 2003, Eingang Freitag 16.43 Uhr, eingestellt 18.00 Uhr.

Hey Thomas,
den Bericht von gestern werde ich Dir wohl heute übermitteln, ob ich den Bericht von heute noch schaffe wird sich zeigen. Falls nein, werde ich ihn Dir morgen im Laufe des vormittags übermitteln.

Bericht vom 15. Mai 2003

Für unsere Übernachtung in Sahagún hatten wir unser Auto an der Klosterruine San Benito abgestellt. Große, gewaltig auslegende Pinien schützten uns vor der nachmittäglichen Sonne. Auf dem saftig grünen Rasen tranken wir unseren Kaffee, plauschten mit einem deutschen Pilger, der von Bordeaux aus bis Santiago de Compostela pilgern will.

Danach gingen wir noch etwas ins Städtchen und besichtigten die Kirche San Lorenzo. Von außen wunderschön anzusehen, erfüllte sie innen nicht unsere Erwartungen. Zwischenzeitlich sind wir auch hinter das Geheimnis gekommen, warum die Kirchen immer verschlossen waren, sie haben jeweils morgens und abends 1 - 1 1/2 Stunden
auf.

Von Sahagún begann die Wanderung von Franz und Jörg, Menn und Hein fuhren den Wagen nach El Burgo Raneros und wanderten nach Mansilla de las Mulas. Auf der heutigen Etappe wurde die Meseta ihrem Ruf gerecht. Der Weg, er wird auf diesem Teilstück "Real Camino" (königlicher Weg) genannt, wurde trister und immer flacher. Die Kornfelder wurden durch Wiesen, dann durch Brachland bzw. umgepflügte Felder abgelöst. Auch am Wegesrand wurde die Blume durch Gras abgelöst und bald wuchs fast gar nichts mehr.


Seit 1996 gut gewachsene Ahornbäume.
Einzig die Ahornbäume, die bei Hein´s erster Wanderung frisch angepflanzt waren, waren größer geworden und begleiteten uns den ganzen Weg. -Foto-

Auf diesem Teilstück trafen wir eine deutsche Frau, mit ihren zwei Kindern (12 und 8 Jahren) und einem Esel. Sie wollen von Frankreich aus bis Santiago de Compostela pilgern. Die Kinder waren unterernährt, schmal und von kleinem Wuchs. Wir boten den Kindern ein Müsliriegel an, die Augen der Kinder leuchteten, die Mutter lehnte ab: "Meine Kinder essen so was nicht." Auf unsere Frage, die Kinder müssten doch zur Schule gehen; wie es möglich sei, dass sie mit den Kindern solange unterwegs sein könne. Ihre Antwort lautete: "Hier lernen die Kinder etwas für das Leben, in der Schule nur Quatsch." Die Kinder hatten weder einen Schlafsack, noch vernünftige Kleidung. In der Nacht mussten sie sich mit Schaffellen zudecken. Die Frau lehnte jede Hilfe ab.

Nach knapp drei Stunden hatten wir unsere Arbeit für heute getan, fanden das Wohnmobil am Ortseingang von El Burgo Raneros und fuhren nach Mansilla de las Mulas. Um 13.30 Uhr trafen Hein und Menn ein und wir fuhren nach Leon.


Kloster San Miguel in Mansila.
Auf diesem Weg machten wir einen Abstecher zum Kloster San Miguel de Escalada -Foto-. Dieses Kloster wurde auf den Resten einer westgotische Kirche von Mönchen aus Cordoba im mozarabischen Stil errichtet.

Leider wie so oft war das Kloster wegen Restauurierungsarbeiten geshclossen. Auf dem Foto kann man linker Hand sehr gut die romanischen Rundbögen und in den Arkaden die zierlichen Hufeisen islamischer Prägung sehen.


Kathedrale in Leon.

Vom Kloster ging die Fahrt nach León. In der Innenstadt parkten wir in der Nähe der Kathedrale, der wir als Erstes einen Besuch abstatteten. Gegründet wurde die Kirche von den Westgotenkönig Ordonno II. (914-924), wurde von den Mauren zerstört und in der jetzigen Form -Foto- im beginnenden 14. Jahrhundert eingeweiht.

Dem frühgotischen Bau wird nachgesagt, dass er stark einen französichen Einfluß zeige und sich im Baustil an die Kathedrale von Reims anlehnt. Die drei Portale an der Westseite sind reich mit Figuren verziert.

Das Erscheinungsbild des Mittelportals -Foto- zeigt Christus als Richter der Welt, der Fries darunter den Engel mit der Waage der Gerechtigkeit, an seinen Seiten die Auserwählten und Verdammten.

Auch Jakobus mit Stab und Pilgerhut sieht man an der rechten Seite an zweiter Stelle.

Im Inneren fielen vor allem die vielen reichverzierten Fenster und Rosetten auf, die eine Fläche von 1200 Quardratmeter ausmachten.


Mittelportal der Kathedrale León.

Kirche San Isidoro in León.

Nach dem Besuch der Kathedrale führte uns unserer Weg nach San Isidoro -Foto-. Im Gegensatz zur gotischen Kathedrale ist die Kirche San Isidoro im schönsten romanischen Stil 1063 erbaut worden.

Der Bau dient als würdiger Rahmen für die Reliquien des San Isidoro und als Begräbnisstätte von ca. 20 leonischen Königen und Königinnen.

Heute wollten wir zwar heute auf dem Campingplatz in León übernachten, um alle
elektrischen Geräte wieder auf zu laden, frisches Wasser zu fassen, Abwasser zu entsorgen, die Chemietoilette zu reinigen und unsere schmutzige Wäsche zu waschen,
aber es kommt immer anders als man denkt und plant: Der Campingplatz war noch nicht geöffnet. Wir parkten unser Wohnmobil quer vor dem verschlossenen Campingplatz und verschoben all diese Arbeiten auf morgen.

zurück zur Etappen-Übersicht
zum Seitenanfang