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Maubich - eine Lantershofener Spezialität
TS / Dezember 2002

Der Maubich ist eine uralte Lantershofener Kuchenspezialität mit einem eigenen dörflichen Geheimrezept. Maubichkuchen ist in der (früher) obstlosen Zeit bis zum Sommer hinein mit seinem Aufstrich von Birnenkraut aus getrockneten Birnen in vielen Lantershofener Haushalten eine besondere Delikatesse.


Ein ganzer feiner Lantesche Maubich.

Ein Achtel Stück feiner Lantesche Maubich.

Das Maubichbacken hat in Lantershofen eine lange Tradition und seine eigene Geschichte. Die Hauptzutat sind die Birnen, die die Junggesellen im Herbst pflücken, schälen, im alten Backes trocknen, und dann nach einem Geheimrezept zu Birnenkraut, auch Birnenmus genannt, verarbeiten.


Birnen an der Lambertushütte.

Birnen auf Hochstämmen.

Regelmäßig im Juli des folgenden Jahres feiern die Junggesellen und das Dorf dann ihr beliebtes „Maubichfest“, auf welchem der Maibichkuchen, aus heimischen Birnen gewonnen, zum Verkauf angeboten wird.


Junggesellen und Brötchesmädche mit Schälmesser bewaffnet.

Birnen, Birnen, Birnen....

Im Herbst nach dem Pflücken treffen sich die Junggesellen im „Spritzenhäuschen“ - mit Schälmessern bewaffnet - zur ersten Verarbeitungsstufe, dem „Birreschälle“. Tatkräftige Unterstützung finden die Junggesellen hierbei regelmäßig durch die „Brötchesmädchen“, welche die Junggesellen bei deren vielfältigen Aufgaben tatkräftig unterstützen.


Glühender Kanonenofen im Spritzenhäuschen.

Birnen, Birnen, Birnen....

Bei bulliger Hitze, entfacht durch den glühenden Kanonenofen, heißem Tee und Glühwein schälen, vierteilen und entkernen die fleißigen Hände kiloweise die reifen Birnen. Manch einer sucht zwischendurch Abkühlung auf der Bank vor dem Spritzenhäuschen und trinkt sich einen heißen Tee.


Abkühlung vom Birnenschälen.


Winzerverein Lantershofen. Links das Junggesellenzelt beim Maubichfest im Biergarten des Anwesens.

Nach dem Trocknen der gevierteilten Birnen im alten "Backes" beginnt dann die Herstellung des Birnenkrautes nach alter Überlieferung und nach dem geheimen Lantershofener Rezept.

Im Juni dann feiern unsere Junggesellen zusammen mit dem Dorf und vielen auswärtigen Gästen - z.B. von der Ahr - am Winzerverein das bekannte traditionelle Maubichfest.


Auch ein Sibbeschrömturnier kann man auf dem Maubichfest mitmachen.

Bäckermeister Eberhard Valder aus Karweiler bringt den "Lantesche Maubich".

Brötchesmädche 1998. Foto: Hans-Jürgen Vollrath, 23. Juli 1998.

Leckerer Maubich und "leckere Mädche" am 20. Juli 2003.

Die vom Kirmesfrühschoppen der Junggesellen-Schützengesellschaft bekannten und beliebten Lantershofener "Brötchesmädche", welche die Junggesellen bei vielen Anlässen unterstützen, verwandeln sich beim Maubichfest der Junggesellen in "Maubichmädchen" und servieren und verkaufen Ihnen den "Lantesche Maubich.

Sie können auch gerne einmal bei unseren Junggesellen in die Seite hineinschauen, da findet man das eine oder andere im Zusammenhang mit dem Maubichfest.

Guten Appetit - demnächst auf dem Maubichfest - wünscht Ihnen

Ihre Bürgervereinigung Lantershofen

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Lantesche Maubichfräße
Von Ottmar Prothmann, Dorfneckereien in der Gemeinde Grafschaft (Auszug)
Heimatjahrbuch 1999, Seite 182

Lantershofen, das früher nicht zu Grafschaft Neuenahr gehörte, hatte mehr Beziehungen zu Ahrweiler und Bad Neuenahr als zu den Dörfern der Grafschaft. Daß es bei der kommunalen Neugliederung im Jahre 1974 schließlich doch bei der Grafschaft blieb und nicht, wie angestrebt, zur Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler kam, ist bis heute nicht vergessen.

Die Bewohner des Dorfes waren rundherum bei ihren Nachbarn unter einem Necknamen bekannt, der sich auf eine Lantershofener Spezialität bezieht. Man nannte sie „Lantesche Mobbesfräße", „Lantesche Maubichfräße" (und ähnlich ausgesprochen).

In der Gemarkung rund um Lantershofen wuchsen zahlreiche hochstämmige Birnbäume, deren Früchte im Backofen gedörrt, sodann gekocht und durchgeschlagen werden. Dieses nach einem Geheimrezept hergestellte Birnenkraut wurde zum Backen von Kuchen verwandt. Zwar sind die Birnbäume durch die Flurbereinigung in den siebziger Jahren verschwunden, aber das beliebte „Maubich" wird heute noch hergestellt und bei den jährlichen Maubichfesten gereicht.

(Anmerkung TS: In Erinnerung der langen Maubichtradition wurden im Zuge des Baus der Lambertushütte am Schützenplatz wieder (gestiftete) Birnbäume angepflanzt.
Siehe auch Artikel unten: Holler, Geschichten mit echtem Maubich - Backobst, von 1677)

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Birnenkraut und Mobbes (Waldorf 1941)
Hauptlehrer a.D. Merzenich, Waldorf, Jahrbuch Kreis AW 1941

Wer den Mittelrhein in all seiner Schönheit so recht erleben will, der darf seine Wanderungen nicht auf das Haupttal des Stromes beschränken, sondern er muß Abstecher in die herrlichen Seitentäler machen, die manchmal tief in Eifel oder Hunsrück einschneiden.(...)

Im allgemeinen gibt es hier drei <Waldorf> Lokalsorten von Birnen, die auch mit dem schweren Tonboden der Höhen vorliebnehmen. Die erste Stelle gebührt dem sogenannten Langstielchen. Dieser Baumriese, dessen Regentraufe oft über ein Ar misst, dürfte als König der Obstbäume bezeichnet werden. Seine goldgelbe Frucht an dem auffallend langen Stielchen ist zwar klein, aber seine gewaltige Krone wirft doch nicht selten zwanzig Zentner ab. Von ebenso hohem, aber mehr schlankem Wuchs ist die Zwiebelbirne. Ihre mitteldicke, harte Frucht hat nicht nur die Form einer Zwiebel, sondern ihre langen Fruchtruten haben meist einen so dichten Behang, dass sie der aufgeflochtenen Zwiebelschnur gleichen. Als dritte käme die vornehmste Birnensorte, die auch an den Boden etwas höhere Anforderungen stellt und daher auf Tonboden schon frühzeitig Spitzendürre zeigt, die Honigbirne, in Betracht.

Diese drei Birnensorten lieferten nun früher Jahr für Jahr Massenerträge (Leider hat ja im letzten Jahrzehnt der Obstbauer in unserer Gegend große Enttäuschungen zu verzeichnen). War nun die Vollreife der Birnen eingetreten, so wurden sie geschüttelt und in Säcken und Körben nach Hause gebracht. Dort ging es nun unverzüglich an die Verarbeitung zu Birnenkraut oder zu Mobbes.

An mehreren Stellen im Dorfe wurde im Garten an einer etwas ansteigenden Stelle, manchmal auch in einem Schuppen, eine Kocherei eingerichtet. Zunächst wurden die sauber gewaschenen Birnen in einem großen Viehkessel gekocht, dann mittels großer durchlöcherter Pfannen in die Presse geschöpft. Als Presse bediente man sich der noch vorhandenen Traubenpressen. Waldorf hatte noch vor fünfzig Jahren an dem Südabhängen auf Königsfeld zu einige Morgen Weinberge.

Die Aufnahme zeigt, wie zwei handfeste Männer mit einem drei Meter langen Baume die Schraube fest und immer fester drehen. Vor der Presse hat man eine Bütte aufgestellt, und munter läuft der süße Most hinein. Vier bis fünf Zentner fasst wohl die Presse, und man gewinnt aus dem Zentner Birnen zwanzig bis fünfundzwanzig Liter Saft.

Im Garten ist, wie schon erwähnt und auf Bild 2 ersichtlich die eigentliche Krautkocherei hergerichtet worden.

Man hat einfach ein kreisrundes Loch ausgehoben. Vorne sehen wir die Feuerung, hinten hat man ein Ofenrohr angebracht, durch das der Rauch abzieht. Über der Feuerung hängt der schwere kupferne Kessel, in den man den Most schüttet. Stundenlang muß nun gefeuert werden, damit der Saft einkocht, d.h. etwa zwei Drittel des Wassers daraus verdampft.

Da heißt es namentlich gegen Schluß aufpassen, dass das Kraut nicht anbrennt. Geschieht dies, so kandiert sofort die ganze Masse, riecht und schmeckt brenzlich und muß mühsam aus dem Kessel gekratzt werden. „Äh hät Kamelle gekoch!“ ruft man dann spöttisch hinüber. Damit dieser Fall nur nicht eintrete, lassen auch manche erst in dem Kessel einen Stich ungesalzene Butter schmelzen.

Nachdem nun die sachkundige Hausfrau festgestellt hat, dass das Kraut seimig, d.i. nicht zu flüssig, aber auch nicht zu steif ist, wird abgesetzt, und das nun fertige Birnenkraut wird in Behälter, meist Steintöpfe geschöpft.

Zwischen diesem Birnenkraut und dem sogenannten Mobbes besteht nur ein kleiner Unterschied. Bei Herstellung von letzterem werden unter den Birnensaft ein paar Körbe geschälter Birnen oder auch Süßäpfel mit eingekocht, und am Schluß wird die Masse durch ein Sieb geschlagen. Mobbes ist also eine Art Marmelade.

Beide Produkte, Birnenkraut sowohl wie Mobbes, sind ein wohlschmeckendes, gesundes Genuß- bzw. Nahrungsmittel. Auch sind die Unkosten unerheblich, da beides ohne jeden Zuckerzusatz hergestellt wird. Allerdings werden bei jedem Kochen einige Zentner Holz gebraucht, doch dieses liefert meistens ein Obstbauminvalide.

Das ganze Jahr hindurch aber hat nun die Familie einen erfrischenden Brotaufstrich als Zusatz zu Butter oder Käse. Allerdings gab’s auch in der sogenannten „guten alten Zeit“, als einerseits eine wirklich kinderreiche Familie die Regel war und man andererseits dieser Familie gegenüber eine Verpflichtung sozialer Fürsorge nicht kannte, harte Zeiten, und dann war Birnenkraut oder Mobbes der einzige Brotaufstrich. (In diesem Falle hat ihm der Volksmund die passende Bezeichnung gegeben: „Hossenwitt“, d.h. Hosenweit.)

Aber nicht nur zum eigenen Bedarf wurden in Waldorf diese Obsterzeugnisse hergestellt, nein, Birnenkraut und Mobbes bildeten einen bedeutenden Handelsartikel. In guten Jahren wurden die Einkochkessel wochenlang nicht mehr kalt, die Luft war von dem süßlichen Birnengeruch durchschwängert und in der Kammer standen bald lange Reihen von Krauttöpfen. Kamen nun die Herbstmärkte der umliegenden Städte – am beliebtesten war der Michelsmarkt in Andernach -, so wurden die Krauttöpfe sorgfältig auf den Wagen gepackt und in aller Frühe ging’s ab zum „Mobbesmaat“.

Da war natürlich manchmal scharfe Konkurrenz und manche Stadtfrauen waren sehr wählerisch. Der Verkäufer musste stets Messer oder Löffel zum Proben bereitstellen. So soll denn einmal einem biederen Bauer der Geduldsfaden gerissen sein, als er eine „Vornehme“ beobachtete, wie sie von Stand zu Stand zog und nicht kaufte. Als sie nun zum zweitenmal bei ihm sich anschickte, das Messer zum Proben einzutauchen, gab er dem Arme einen so wuchtigen Stoß, dass er bis zum Ellenbogen in dem großen Topfe verschwand. „Nu kas du och ens öndlich lecke“, soll er auch noch unter dröhnendem Gelächter der Zuschauer bemerkt haben.

Eine zweite Episode, bei der aber die Verkäuferin die Leidtragende war, sei erwähnt. Es war in Andernach, wo die Mobbesstände bis tief an den Rhein aufgepflanzt wurden. Ein gerissener Spitzbube hatte von einer älteren Bäuerin ein paar mächtige Krauttöpfe erstanden, just im letzten Augenblicke, als die Glocke des Schiffes bereits zur Abfahrt läutete. Die gute Frau war noch behilflich, die schwere Last über die Landungsbrücke zu bringen, und erst als das Schiff abgestoßen war, erinnerte sie sich, daß ihr Käufer die Zahlung vergessen hatte. Händeringend stand sie nun auf der Brücke und rief: „Hela, Dampfscheffche, wat noch jet, ich han me Berrekrutsgeld noch net!“ Aber das Dampfschiffchen schaukelte bereits mitten im Strom.

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Auf dem Maubichpass beim Heimkehrerkreuz
TS 18. Dezember 2001-12-18

Peter Oebel, der im Jahr 1914 eine Wanderung über den Ahrweiler Berg nach Lantershofen beschrieben hat (zu finden in Dorf & Zeit - Die Wanderung), würde staunen über die Veränderungen und sich freuen über die Vielzahl von Wandersleuten, die immer noch über den "Ahrweiler Berg" am Heimkehrerkreuz vorbei über den Maubich-Pass ihren Weg nach Lantershofen finden.

Zum Heimkehrerkreuz finden Sie Informationen in unserem Buch "Dorf in der Zeit - 50 Jahre Bürgervereinigung Lantershofen".

Über die Entstehung des Namens "Maubich-Pass" und die Aufstellung des Schildes finden Sie Informationen und Bilder unter "Geschichte" der Maubichseite.

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Geschichten mit echtem Maubich - Backobst <Roh- Maubich> 1677
TS / Holler 1677, Frick Nr. 1504, 1933

Bereits im Jahre 1677 macht der Jesuit Holler in einem Schreiben an seinen Rektor der Münstereifeler Jesuiten darauf aufmerksam, dass "wir damals auf unser Erbe längs der Landstraße und an die Wege längs unserer Felder eine Anzahl wilder Bäume setzten" und nun diese Bäume Ertrag abwerfen würden. Weiter schreibt er an seinen Rektor:

"Man keltert Apfeltrank daraus. Auch backt man Äpfel und Birnen für Herren und Bauern für gute Kuchen. Das Backobst ist 5-6 Jahre zu gebrauchen. Ich kann hundert Bäume zeigen, die wir damals gesetzt haben, und die jetzt 2 Malter tragen können".

Geschichten mit echtem Maubich - Anekdoten oder An-eck-doten
Von Jakob Steinborn / Heimatjahrbuch Kreis AW

In grauer Vorzeit (nach heutigen Begriffen gemessen) wohnte in »Klein-Frankreich«, wie der östliche periphere Bereich vom heutigen Bad Neuenahr im Volksmund hieß, ein schon betagter Uhrmacher.

Nun war die vorgeschilderte Lage als Geschäftslage für einen Uhrmacher sicher nicht das Ideal, nicht die City, wo sich normalerweise die Uhrmacher mit den Juwelieren und Banken etwa in einer »Rue Moneta« zusammenballen. Das mag dann auch Anlass dafür gewesen sein, das unser Handwerksmeister sein Gewerbe teils im Umherziehen ausübte, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Eines Tages nun, es war Samstag vor Martinikirmes, machte sich unser Uhrmacher auf den Weg nach Heimersheim, um dort eine von ihm instandgesetzte Uhr beim Empfänger abzuliefern.

Nun muss man sich ein Dorf vor ca. 80 Jahren am Samstag »vür Määteskermes« vorstellen. Da waren zunächst die alten Fachwerkhäuser, in die man durch die sogenannte Futterküche eintrat. Dieser Raum hatte als Bodenbelag aus Zweckmäßigkeitsgründen einen blauen Schieferplattenbelag. In diesem Raum stand meist neben einem schönen gusseisernen Herd mit Schiff auch ein sogenannter »Veehkessel«, in welchem das Weichfutter für das Vieh gekocht wurde. Da die Plattenböden immer kühl waren, hatten sie vor Kirmes auch noch die Funktion, die im Gemeindebackes gebackenen »Taate«, wie »Maubich, Schlöppchestaat« (Apfelkuchen mit Riemchen) und »Ziementskooche« (Streuselkuchen), zum Auskühlen aufzunehmen.


Grafik von Theo Deisel.

Als unser Uhrmacher nun anno zu Martini bei beginnender Dunkelheit in Heimersheim eintraf um seine Uhr abzuliefern, fand er just die oben beschriebene Situation vor.

Die braven Bauersleut hatten ihr gesamtes Gebäck zum Auskühlen in die Futterküche auf den Plattenboden gelegt, »vüe ahn de Appeltaat«.

Unser Uhrmacher nun, wie gesagt, etwas betagt und auch schlecht sehend, trat in die Futterküche, ohne zu bemerken, dass der Kuchen auf dem Boden zum Auskühlen lag. Es kam ihm zwar recht glitschig vor und er hielt sich an der Wand fest, aber schließlich hatte er doch die Stube erreicht, wo sich die Familie aufhielt.

Als er, etwas schwankend und unsicher, eintrat, sprangen die Insassen nichts Gutes ahnend auf, und unser Meister meinte treuherzig: »Et is glitschig bei Euch, habter geölt?«

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