Meine Heimat - 2000 Jahre Lantershofen


Festschrift Eduard Schütz

Zum Geleit!

Die reichbewegte Vorgeschichte Lantershofens war im Laufe der Zeit fast ganz dem Gedächtnis entschwunden. Durch jahrelange Arbeit ist es mir gelungen, zu unserem Heimatfeste und Jubiläum der Junggesellenschützengesellschaft in dieser Festschrift einen Überblick über Geschichte und Tradition unseres Dorfes zu geben. An dieser Stelle danke ich allen, die mich dabei unterstützten. Zu ganz besonderem Dank bin ich verpflichtet unserem verstorbenen Ehrenmitglied, dem Sohn unseres Dorfes, Herrn Lehrer Peter Oebel, der sich bis zu seiner letzten Stunde für die Geschichte unserer Heimat und Gesellschaft einsetzte. Dann danke ich Herrn Lehrer Diederich für seine heimatgeschichtlichen Aufzeichnungen. Besonderen Dank sage ich auch Herrn Studienassessor Wilbert, Monschau, der sich um die Ausarbeitung und Gestaltung der Festschrift verdient gemacht hat. Nicht zuletzt danke ich meinen Freunden und Kameraden, die mir bei meiner Arbeit stets zur Seite standen. Mit dem herzlichen Wunsche, dass die Festschrift die hohen Ideale Lantershofens erhalte und mehre, widme ich sie meinen Kameraden, allen Lantershofenern und ihren Freunden.

Lantershofen, im Juli 1935
Eduard Schütz
Hauptmann und Vorsitzender der Junggesellenschützengesellschaft

Der Wanderer, der die östlichen Ausläufer der Eifel nördlich der Ahr abseits der großen Straße durchwandert, wird dafür reich belohnt. Beim Verlassen des Waldes bietet sich ihm eine Aussicht, die ihresgleichen sucht. Fern im Norden verschwinden im Dunst die Türme des Kölner Doms. Über die Grafschaft grüßen ihn die Sieben Berge. Weiter schweift das Auge über den unruhig zitternden Horizont der Rheinhöhen, bis im Süden der hohe Westerwald Halt gebietet. Zu seinen Füßen liegen flankiert von den zwei Vulkanruinen der Landskrone und des Neuenahrer Berges, die „goldene Meile" und das herrliche, einzige Ahrtal. Und im Vordergrund, begrenzt von Wingerten, umgeben von fruchtbaren Ackerbreiten, verborgen in üppig blühenden Obst¬gärten: Lantershofen. Einzigartig gelegen, zwischen Neuenahr, dem deutschen Karlsbad, und der Weinstadt Ahrweiler, auf einer Hochterrasse der Ahr. Rundherum von höher liegenden Bergen umgeben, ist es klimatisch außerordentlich begünstigt.

Von alters her, jedenfalls aber schon zur Römerzeit, kam ihm durch seine strategische Lage besondere Bedeutung zu. Lantershofen liegt nämlich gerade an der Stelle, wo die Verbindungsstraße, die in alter Zeit den Mittel- und Oberrhein mit Köln und Aachen verband, durch einen kleinen Taleinschnitt das breite Ahrtal verließ, um auf die Höhe hinaufzusteigen. Lantershofen beherrschte wie ein Brückenkopf diese Straße, und die Herrschaft über Lantershofen war besonders im Mittelalter ein Knotenpunkt rheinischer Politik. Wer heute die alte Heerstraße fährt, ahnt nicht die reiche Vergangenheit des abseits liegenden Dörfleins. Die Geschichte des Dorfes Lantershofen reicht weit vor den Be¬ginn unserer Zeitrechnung zurück. Die Chronik berichtet, daß Lantershofen keltische Niederlassung gewesen sei. Besondere Bedeutung erhielt es aber erst, als es um die Zeit 60 bis 50 v. Chr. mit dem übrigen linken Rheinufer unter die Herrschaft der Römer kam. Der siegreiche römische Feldherr Julius Caesar nannte das niederrheinische Gebiet Gallia inferior. Dazu gehörte auch Lantershofen. Wichtig wurde unser Dorf für die Römer durch den Ausbau der großen Rheinstraße. Diese führte von Bingen rheinabwärts bis Sinzig, durchzog dann das Ahrtal bis Neuenahr. Sie verlief weiter im Zuge der Heerstraße - die im Augenblick durch den Ausbau als Umgehungsstraße wieder an Bedeutung gewinnt - und bog dann in das Tälchen nach Lantershofen ein, um sich auf der Höhe der Grafschaft in zwei Straßenzüge nach Köln-Neuss und Euskirchen-Aachen zu gabeln. Von Bingen bis Lantershofen störte keine nennenswerte Steigung den Lauf der Römerstraße. Um aber die Höhen zu erreichen, mussten hier die Gespanne verdoppelt werden. Die jetzige Straße Lantershofen-Ringen überquert diesen alten Heerweg und gibt ein anschauliches Bild von römischer Straßenbaukunst wie auch von der Steilheit des ehemaligen Aufstiegs. So ist es klar, warum Lantershofen zu einer wichtigen Station der römischen Legionen wurde. Als römische Niederlassung wurde Lantershofen auf das modernste ausgebaut. Davon geben Zeugnis die durch wiederholte Ausgrabungen zutage geförderten Funde. Die Wichtigkeit des Dorfes als Verkehrsmittelpunkt wird unterstrichen durch die Auffindung einer römischen Wasserleitung sowie durch die Ausgrabung römischer Backöfen. Noch heute erzählt der „Römerbrunnen" von den hier rastenden römischen Soldaten. 1898 wurde das Grab eines römischen Offiziers freigelegt, das reichen Schmuck enthielt. Die meisten Funde wanderten ins Landesmuseum nach Bonn. Dies alles bestätigt die Wichtigkeit Lantershofens als römischen Lagerplatz, und so wird auch der Heerführer Julius Caesar wiederholt hier sein Lager aufgeschlagen haben.

Aus dem sonnigen Italien brachten die Römer die Weinrebe mit ins Ahrtal, die hier eine neue Heimat fand. Ausgrabungen am Apollinarisbrunnen förderten regelrecht angelegte römische Rebpflanzungen zutage, bei denen man Münzen des Kaisers Gallienus fand. Wegen seines günstigen Klimas wurde in der Folge das (Seite 8 Ende) gesamte Gebiet um Lantershofen bis zur Grafschaft hin mit Weinreben angepflanzt. Erst später drang die Weinrebe ahraufwärts. Bis zum 13. Jahrhundert gab es an der Ahr ausschließlich rote Trauben, wie aus dem Namen für den Wein „rubellum" hervorgeht. So kann der Weinbau an der Ahr auf eine rund zweitausendjährige Geschichte zurückblicken.

Im dritten nachchristlichen Jahrhundert treten an die Stelle der Rö¬mer germanische Stämme, die in der Völkerwanderung über die Rheingrenze vordringen. Als im Jahre 496 Chlodwig bei Zülpich die Alemannen besiegte, kam unsere Heimat unter fränkische Herrschaft und nahm damit das Christentum an. Die Franken teilten ihr Reich in Herzogtümer und Gaue auf. Aus dieser Zeit rührt der Name Arengau. Bei der Teilung des fränkischen Reiches zu Verdun kam Lantershofen, da es zu Mittelfranken gehörte, an Kaiser Lothar I. Von dessen Sohn Lothar II. wurde das Gebiet Lothringen genannt. Nach seinem Tode verblieb Lantershofen durch die Einigung Karls des Kahlen und Ludwigs des Deutschen im Vertrag zu Mersen 870 beim Herzogtum Lothringen. Unter Kaiser Otto I. wurde das Herzogtum aufgeteilt in Ober- und Niederlothringen, wobei Lantershofen zu letzterem kam.

Schon die ersten deutschen Kaiser erkannten die wichtige strategisdie Lage Lantershofens und machten daraus eine reichsritterliche unmittelbare Herrschaft und verliehen ihm Asylrecht und eigene Gerichtsbarkeit. Kaiser Heinrich II. schenkte 1019 den Adelssitz „Lantherishoffen" im Arengau mit all seinen Weingärten, Wiesen und Äckern, Wassern und Wasserläufen, seinen Hörigen (Leibeigenen) und allen Gerechtsamen an den Erzbischof von Bamberg. Damit gerät Lantershofen nun in die Interessensphäre der Politik. Noch immer führte wie zur Römerzeit die Hauptverkehrsstraße vom Süden zum Norden über Lantershofen, und alle Gründe, die die Römer zu einer Niederlassung an dieser Stelle veranlasst hatten, galten für das Mittelalter in verstärktem Maße. So verstehen wir, dass eine Reihe Grafen und Hochstifte sich bemühten, in Lantershofen Fuß zu fassen. Daneben dürften auch die reichen Weinkulturen Anlass zum Besitz eines Hofgutes in Lantershofen gegeben haben. So war Lantershofen, wie heute noch, nie eine einheitliche Gemeinde. Neben seinem Adelssitz sind noch sieben freie Hofgüter verbürgt. Eine Urkunde aus dem Jahre 1106 zeigt den Grafen von Saffenburg im Besitz eines solchen Hofgutes. 1187 bestätigt der Erzbischof von Köln auf einer Synode der Prämonstratenser-Abtei Steinfeld ein Besitztum in Lantershofen. Das Hochstift Lüttich hatte hier ebenfalls Besitz. Dieses wurde bestätigt durch eine Urkunde vom 7. September 1155 durch Kaiser Friedrich Barbarossa. Auch der Papst Hadrian IV. erkannte diese Besitzung an. Das Stift St. Lamberti zu Lüttich stellte sein Besitztum zu Lantershofen unter den Schutz seines eignen Schutzpatrons, des hl. Lambertus. Außer ihm werden in unserer Kapelle noch die hl. Ursula und der hl. Nikolaus als Schutzpatrone verehrt. Es ist möglich, dass der Name „Lantershofen" von Lambertushofen herrührt. Andere behaupten allerdings, dass der Name keltischen Ursprungs sei.

In diese Zeit dürfte der Bau der ersten Lantershofener Kapelle zu setzen sein. Sie diente auch als Burgkapelle und war mit der Burg durch eine Zugbrücke verbunden. Lantershofen wurde von Anfang an als Filiale der Pfarrei Carweiler verwaltet. Zur Pfarrei Carweiler gehörten damals außerdem die Orte Walporzheim, Ahrweiler, Bachem und Neuenahr. Auf dem „Kirchpfad" eilten die Ahrweiler Gläubigen zum Gottesdienst, auf dem „Leichenweg" brachten sie ihre Toten über Lantershofen zum Carweiler Friedhof. 1258 wurde die Kapelle zu Lantershofen im Auftrage des Erzbischofs Konrad von Hochstaden durch Bischof Friedrich von Ratzenburg eingeweiht. Die Konsekrationsurkunde liegt im Ahrgaumuseum in Ahrweiler. Der freie Platz vor der Kapelle war der sogenannte Fronhof, im Volksmund „Frumech" genannt. Hier fanden sich die Leibeigenen zur festgesetzten Zeit ein, hier wurden die Frondienste unter sie verteilt. Einmal im Jahre, am Sonntag nach Dreikönigen, gab der Burgherr den Weibern eine besondere Mahlzeit, die mit der Zeit zu einem Festtag gestaltet wurde. Ein zweiter Festtag war der Nikolaustag, an dem regelmäßig großer Krammarkt abgehalten wurde. An diesem Tage wallfahrteten die Rheinschiffer zur hiesigen Kapelle zu ihrem Schutzpatron, dem hl. Nikolaus. Das Hauptfest für das Dorf war und blieb natürlich die Lamberti-Kirmes. Sicherlich hat dabei damals schon der später als Lantershofener Nationalgebäck so berühmt gewordene „Maubich" nicht gefehlt. Der Besitz des Hochstiftes St. Lamberti in Lüttich kam später an den Erzbischof von Köln, 1180 bestätigt durch Kaiser Friedrich I. Im Jahre vorher bestätigte Kaiser Friedrich die Verpfändung eines weiteren Hofgutes des Erzbischofs von Köln an den Grafen Engelbert von Berg. Daneben hatten das Kloster Marienthal und vor allem die Grafen von Nürburg Hofgüter in Lantershofen. Die Erben der Grafen von Nürburg waren nach deren Aussterben die Grafen von Neuenahr. So besaß eine Frau Agnes von Denshoven einen Hof zu Lantershofen als Lehen von den Herren zu Neuenahr. 1321 trat sie ihren Hof an ihren Sohn und dessen Gemahlin Yolantha von Reuland mit Zustimmung des Grafen Wilhelm II. von Neuenahr ab. 1327 starb Graf Wilhelm II. Seine Gemahlin Bonizetta übernahm für ihren minderjährigen Sohn die Herrschaft. Im Jahre 1343 übernahm ihr Sohn als Wilhelm III. die Herrschaft und wurde von dem Erzbischof von Köln mit der Grafschaft Neuenahr und dem Burglehn Altenahr wieder belehnt. Er hinterließ nur eine Tochter, die sich mit Johann von Saffenburg vermählte, der die Herrschaft von Neuenahr übernahm. Er vermochte sein Besitztum nicht zu halten. Sein Großneffe Wilhelm I. und Johannes von Rodenburg vertrieben ihn aus der Burg und setzten sich darin fest. Die ganze Umgebung wurde von diesen Raubrittern unsicher gemacht. Ein Freund dieser Herren saß auf einer Burg zu Lantershofen, auf dem Rittersitz Zweybrücken. Diese Burg war dicht an der alten Römerstraße, die immer noch die Hauptverkehrsstraße bildete, auf römischen Resten erbaut. So bestanden also in Lantershofen zu gleicher Zeit zwei voneinander unabhängige Adelssitze. Als im Jahre 1371 Erzbischof Friedrich von Saarweden mit Hilfe der Ahrweiler Bürger Burg Neuenahr zerstörte, hob er auch das Raubnest Lantershofen aus und zerstörte es so gründlich, dass keine Spur davon übrigblieb. Nur der Flurname „an der Zwembrück" erinnert daran.

Um welche Zeit die erste Burg der reichsritterlichen unmittelbaren Herrschaft Lantershofen erbaut wurde, ist aus der abwechslungsreichen Vorgeschichte nicht bekannt. Bestimmt war der Adelssitz einer der ältesten und bedeutendsten im Arengau. Die vorletzte Burg, die in ihrer Ausdehnung weit größer war als die heutige, wurde 1378 erbaut. Sie unterschied sich von der heutigen auch insofern, als sie eine Wasserburg war. Hiervon ist noch ein Teil der Gräben erhalten. Wahrscheinlich wurde sie von den reichbegüterten Grafen von Blankart errichtet, die wir auch als ihren ersten Besitzer kennenlernen. Die Grafen von Blankart, als Herren zu Lantershofen, hatten bis nach Bonn hin reiche Besitztümer. Unter anderem besaßen sie das Hofgut Wertheim bei Berkum, wonach der Ort Pissenheim umbenannt wurde. Einer der letzten aus dem Geschlechte der Blankarts namens Johann und seine Frau geb. von Burtscheid verkauften ihren freien Hof zu Pissenheim 1639 an das Kloster Rolandwerth. Die schöne Wasserburg, Odenburg, bei Berkum wurde von den Herren zu Lantershofen 1561 erbaut. Über dem Toreingang im Innenhof finden wir noch das Blankartsche Wappen. Auch in Ahrweiler hatten sie ihre Besitzungen. Davon zeugt der sogenannte Blankertshof,  außerdem gehörte ihnen die Marktmühle, die das Wappen der Blankarts trägt. Ein Mühlstein aus der Marktmühle dient in den Anlagen des Burghofes zu Lantershofen noch als Tischplatte.

Im 14. Jahrhundert besaß der Adelsitz Lantershofen trotz der langjährigen Kriege über 300 Leibeigene. Nimmt man die freien Hofgüter mit ihren Hörigen hinzu, so dürfte Lantershofen damals eine Bevölkerung von etwa 1000 Seelen gehabt haben. Die Grafen von Blankart übten die volle Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen aus und waren Herren über Leben und Tod. In der Nähe der Tongrube, nördlich des Dorfes, stand der Galgen. In der Karte heißt die Flur heute „am Lantershofener Galgen". Mit den Untertanen und den Bürgern der freien Hofgüter lebten die Herren von Blankart in bestem Einvernehmen. So erzählt die Sage: Eine Tochter von Blankart war der Liebling ihres Vaters und wegen ihrer großen Milde und Freigebigkeit des ganzen Dorfes. Die Armen nannten sie den Engel von Lantershofen. Da wurde eines Nachts, als der Burgherr abwesend war, das Schloss überfallen. Alle wehrhaften Männer eilten sofort zu Hilfe, und einem Schustergesellen gelang es, das Burgfräulein, auf das es die Feinde besonders abgesehen hatten, durch einen unterirdischen Gang zu retten. Das Burgfräulein starb aber bald darauf an den erlittenen Verletzungen und wurde tiefbetrauert zu Grabe getragen. Aus Dankbarkeit gegen die Bevölkerung und den Schustergesellen ließ der Graf einen Schusterhammer ins Wappen setzen. In späteren Zeiten erschien das verstorbene Edelfräulein den Bewohnern als Mahnerin nachts im weißen Gewände, wenn sie Freigebigkeit und Gemeinschaftssinn vernachlässigten. Heute noch erzählt man in der Burg vom Erscheinen der weißen Jungfrau im Burgverließ. Die Mildtätigkeit der Familie von Blankart erstreckte sich auch über die Grenzen des Dorfes hinaus. Die Ahrweiler Pfarrkirche wurde von ihnen reich beschenkt. Kuno von Blankart, der in der Kirche neben dem Seitenaltar seine letzte Ruhestätte fand, ließ vor seinem Tode alle Schuld-Verschreibungen ärmerer Leute vernichten. Auf dem Taufbecken im rechten Seitenchor der Ahrweiler Kirche finden wir sein Wappen. Die Grafen von Blankart waren von jeher treue Freunde des Erzstiftes Köln, das schon früh ein Hofgut in Lantershofen sein eigen nannte. Die gesamte Geschichte des Erzstiftes Köln ist mit der des Arengaues aufs engste verknüpft. Nachdem Philipp, der Erbauer der mächtigen Landskron, 1208 durch Mörderhand fiel, wandte sich Köln zum zweiten Male von den Hohenstaufen ab und besiegelte mit diesem Schritt das Schicksal des großen Geschlechtes. Diese Entscheidung wurde durch Konrad von Hochstaden, Erzbischof von Köln, herbeigeführt. Konrad von Hochstaden war der Sohn Lothars I. von Hochstaden-Are. Er ist wohl die be-deutendste und durch den von ihm begonnenen Dombau zu Köln die berühmteste Persönlichkeit geworden, die jemals dem Ahrgebiet entspross. Da Konrad und sein Bruder Friedrich, Propst zu Mariengraden in Köln, die letzten ihres Stammes waren, so fiel das ganze Besitztum Hochstaden-Are durch Vermächtnis an das Erzstift Köln. Damit hatte das Erzstift die größte Macht an der Ahr. Die Burgen Altenahr, Nürburg und Neuenahr fielen ihm zu. Ahrweiler, das stets treu dem Erzstift ergeben war, wurde 1248 zur Stadt erhoben, es war dem Range nach die vierte unter den Städten des Stiftes Köln. So besaß Köln das reiche Weinland der Unterahr, die fetten Äcker der Grafschaft bis Bonn, den wildreichen Kottenforst, weiterhin ahraufwärts die Herrschaft Nürburg mit ihren Fischereien, Wiesen und Mühlen und die fruchtbaren Ländereien der Ebene bis Jülich zu. Da die meisten Hofgüter in Lantershofen in den Besitz der Herren von Are gekommen waren, gehörte auch Lantershofen mit Ausnahme seines freien Adelssitzes zum Erzstift Köln. Ohne Zweifel wurde Konrad von Hochstaden durch den Ertrag dieser herrlichen Besitzungen in die Lage ver-setzt, den Dombau beginnen zu können, und so meint es die Kölner Chronik, wenn sie schreibt, Konrad habe den Bau begonnen, als er über die Maßen reich war.

Die vielen Fehden und kleinen Kriege, die von den Nachfolgern Konrads geführt wurden, saugten das reiche Ahrtal bis auf das letzte aus. Die Grafen als Lehnsherren wie die Bevölkerung wurden durch die Kriege aufs schlimmste in Mitleidenschaft gezogen. Dazu wurde die Ahr, wie ganz Europa, von der Pest heimgesucht. Krieg, Hungersnot und Pest im Bunde ließen alle Zucht und Sitte verwildern. Raubrittertum und Straßenraub blühten auf. Erzbischof Balduin von Trier schritt als erster gegen das Unwesen ein. Ihm schlossen sich freudig die Bürger an, die noch Sinn für Friede und Ordnung bewahrt hatten. Es kam zu einem Zusammenschluss der Grafen und Bürger zu einem Friedensbund. Schon 1371 zeigt sich die Auswirkung des Bundes bei der Zerstörung der Raubritterburgen an der Ahr.

Damals wurden auch die Bürgerwehren gegründet. Um für alle Fälle wohlgerüstet und geübt zu sein, veranstaltete man auch im Frieden Schießspiele, an denen sich die Nachbarschützengesellschaften gern beteiligten. Bereits 1492 finden wir die Schützen von Lantershofen als Fest-Gäste in Ahrweiler, als Mitbegleiter der Fronleichnamsprozession.

Die Reformationszeit ging an der Ahr nicht spurlos vorüber. Das Schicksal wollte es, dass sich zwei mächtige Geschlechter der Ahr in den verheerenden Kriegen, die sie im Gefolge hatte, gegenüberstanden, die für ganz Deutschland von entscheidender Bedeutung sein sollten. Lantershofen blieb von den Wirren der Reformation nicht verschont. Wenn auch die Grafen von Blankart unerschütterlich treu blieben, so nahmen doch mehrere Grafen, die Herren über einzelne Hofgüter in Lantershofen waren, den neuen Glauben an. Damit waren ihre Untertanen verpflichtet, ebenfalls das Bekenntnis zu wechseln. Trotzdem hielten die Lantershofener ihrer katholischen Überzeugung die Treue.

Neue Kriege nach der Reformationszeit brachten neues Unheil. Besonders grässlich wütete auch im Ahrtal der Hexenwahn, der zahllose Opfer forderte. Auch ein Graf von Blankart wurde in Meckenheim in einen Hexenprozess verwickelt und 1636 verbrannt. Gegen die Hexenprozesse trat als erster der Jesuit Friedrich von Spee auf. Kurz nachdem Dreißigjährigen Kriege hörten die Hexenverfolgungen an der Ahr auf. Die Franzosen, die damals das Land besetzten, haben ihr Ende beschleunigt.

Eine Urkunde aus dem Jahre 1643 verzeichnet in der Überschrift sämtliche Herren zu Lantershofen und darunter ein Verzeichnis der freien Bürger. Leider fehlt in diesem Verzeichnis ein Blatt, so dass die Liste nicht ganz vollständig ist. Folgende Namen finden wir dort: Bernhard Brochsitter, Johann Röden, Johannes Schütz, Heinrich Krupp, Emmerich Görres, Nikolaus Wershofen, Michel Görres, Lambert Witsch, Thomas Becker, Johann Schöcter, Nikolaus Wyden, David Hansen, Bernhard Wormer, Eugen Brochsitter, Peter Vois, Nikolaus Rick, Johann Ulrich, Nikolaus Fuchs. Dieses Buch wurde dem Schultheiß Johannes Schütz erstmalig ausgehändigt, beglaubigt durch den Amtmann des Adelssitzes.

Eine andere Urkunde gibt uns einen Einblick in die Ernennung eines neuen Schultheißen. Wir bringen daraus folgenden Abschnitt: Actum Lantershoffen. Dienstag den 8. July 1738.

Erschienen waren die Grafen von Nesselrode, Freiherr von Lodt, die Freiherrn von Dalwig und von Rohe zu Truff, die Freiherrn zu Bullesheim, der kurpfälzische Oberstleutnant Freiherr von Burscheid, wie auch von seiten der Landskrone deren Beamten Herr Richter Stamm und Amtmann Herfordt, als Vertreter der Bürger die Schöffen Tillmann Mombauer, Tillmann Krupp, Johannes Schütz, Joseph Krupp, Bartolomäus Bender und Bernhard Becker sowie sämtliche Herren und Untertanen um öffentlich Thing zu halten, und zwar auf dem vor der Kapelle zur Verfügung gestellten Thingplatz. Es kommen nun die vorgeschriebenen Formeln, und weiter heißt es dann: Wie nun von Zeit des letztgewesenen Schultheiß Johannes Schütz von denen sieben gebietenden Herren kein anderer angesetzt und von sämtlichen anwesenden Herrschaften sowohl als von sämtlichen Untertanen hierzu dessen Sohn Johannes Schütz als der tauglichste ausgesehen worden, und sofort mit dem gewöhnlichen Eid beladen, denselben auch von sämtlichen Untertanen mit der Hand treu congratuliert worden. - So ein Thingtag, der nur selten vorkam, war für Lantershofen immer ein besonderes Fest. Die Grafen und Freiherrn mit ihrem Gefolge verliehen durch ihre malerischen Trachten dem Tag ein prunkvolles Gepräge.

Der Dreißigjährige Krieg brachte neues Unheil über Lantershofen. Die Bevölkerung wurde hart bedrängt und ausgeplündert, ihre Wohnungen beschädigt. Man erzählt noch im Volksmund, dass der auf der Burg liegende Kommandeur der Schweden, als er sich zur Ruhe legte, gesagt habe: „Bauer, weck mich, wenn ich Durst habe!" Auf die Frage, wann er denn Durst habe, bekam er prompt die Antwort: „Allzeit!" 1642 trieben die Franzosen ihr Unwesen im Dorfe und raubten und plünderten.

Nach einer kurzen Zeit des Friedens und der Ruhe brach 1666 im Ahrtal wiederum die schwarze Pest aus. Drei Jahre lang riss die Seuche furchtbare Lücken in die Bevölkerung unseres Ortes. Damals zogen viele Prozessionen von der Grafschaft über Lantershofen zum Kalvarienberg nach Ahrweiler, um von Gott die Abwendung dieser Geißel zu erflehen.

1672 - 1679 wüteten holländische Truppen in unserem Heimatort. Die herrliche Burg wurde gänzlich zerstört. Ein Teil des Dorfes ging in Flammen auf. Die Bewohner, die sich nicht rechtzeitig geflüchtet hatten, wurden misshandelt und hingemordet. Nach diesem Kriege hatte das Dorf nur wenig mehr als 100 Einwohner. Im Winter 1689 - 1690 brandschatzten die Franzosen Lantershofen. Die Kapelle blieb bei all den Kriegen und Raubzügen fast gänzlich verschont. Auch die alten Glocken blieben uns erhalten. Die älteste Glocke wurde 1458 unter dem Beisein der ganzen Bevölkerung gegossen. Die Gräfin von Blankart und die Frauen der freien Bauern brachten ihren Gold- und Silberschmuck, der mit in die Glocke eingegossen wurde. Die Glocke trägt die Inschrift: Uirsila / heischen / ich / in Goedes/Eren loden ich/. Die zweite Glocke: M. Peter und sein Sohn Engelbert Fuchs haben mich in Köln gegossen / zu Ehren S. Nigolai und Ursulae Patrone in Lanterscheidt, 1724.

Gegen Anfang des 18. Jahrhunderts starb das Geschlecht der Blankart aus. Die männliche Linie erlosch schon Ende des 17.Jahr hunderts. Maria Sophia Katharina Margareta von Blankart, geboren am 26.4.1688, erbte als letzte von Blankart den Adelssitz Lantershofen. Sie starb am 29.7.1714. Mit ihr wurde das einst so mächtige Geschlecht zu Grabe getragen. Sie war vermählt mit Ferdinand Ernst von Dalvig zu Lichtenfels, kurpfälzischer Geheimrat und Kammerpräsident. Er war Herr auf Oeffte und Unterbach. Das Erbe der Blankart übernahm Freiherr von Stickenell. Er baute 1708 aus den Überresten der zerstörten Burg die heutige Burg neu auf. Gleichzeitig nahm er die Grenzregulierung seines Besitztums vor. Aus dieser Zeit stammen die noch jetzt in den Feldern stehenden Burgsteine her. Den unverheirateten Freiherrn von Stickenell beerbten die Herren von Platten. Sie stammten aus einem alten Geschlecht, das um das Jahr 1000 das Schloß Dreiborn bei Gemünd besaß. 1800 kam das Erbe an Herrn von Flattich. Seit 1640 war der gesamte Landbesitz der Burg an die freien Bürger von Lantershofen verpachtet. Die Burg selbst wurde lange Jahre von Pächtern verwaltet. Später wurden Burg und Landbesitz zusammen in Pacht gegeben. Als langjährige Pächter finden wir die Familien Fuchs, Wershofen und Mombauer. Von 1822 bis 1850 war Wilhelm Harf Burgpächter. Besitzer zu dieser Zeit waren die Grafen von Wickenburg. Ein Graf von Wickenburg, Gouverneur von Steiermark, geriet in den Revolutionsjahren 1848 in Schulden, da seine Güter in Österreich beschlagnahmt wurden, und sah sich genötigt, seinen Sitz Lantershofen zu veräußern.

Unruhige Zeiten erlebte unsere Heimat unter der Regierung Napoleons. Seit den französischen Revolutionskriegen nahmen die Durchmärsche und Einquartierungen kein Ende mehr. Die Bevölkerung verarmte vollständig. Da man befürchten musste, dass auch die Glocken der Kapelle von den Fremdlingen geraubt würden, entfernte man sie und verbarg sie bei den Bürgern im Dorfe. Fast sämtliche Söhne des Dorfes wurden zum Militär eingezogen. Johann Joseph Schneider und ein Sohn der Familie Wershofen blieben in Spanien verschollen. Beider Briefe erzählen von den überaus harten Strapazen, die sie mitmachen mussten. Ein anderer ließ sein Leben in den Eiswüsten Russlands. Sein Kamerad Görres, der, schwer verwundet, nur durch Zufall gerettet wurde, erreichte ein hohes Alter, und unsere Väter wissen sich noch zu erinnern, wie er von den mühseligen Kriegszügen berichtete, dass sie sogar auf der Flucht aus Russland Kohlstrünke gegessen hätten. Sein höchster Stolz war, wenn er Halbkirmes die Kriegervereinsparade im Sessel abnahm. Johann Bender, geb. 1791, kämpfte von 1811 bis 1814 unter Napoleon. In seinem Tagebuch, das vor einiger Zeit veröffentlicht wurde, schildert er anschaulich seine Erlebnisse. Er begleitete Napoleon auf die Insel Elba und kehrte von dort nach Haus zurück. Im nächsten Jahre wurde er mit vier anderen Kameraden von den Preußen eingezogen. Er kämpfte mit Blücher gegen seinen ehemaligen Herrn und wurde mit dem Eisernen Kreuz und dem St. Georgorden ausgezeichnet. Ein Sohn aus dem „Jüsehaus" desertierte von den Franzosen zu den Preußen. Seine Eltern wurden daraufhin von den Franzosen unsäglich bedrängt. Man forderte so viele Abgaben von ihnen, dass sie in kurzer Zeit am Bettelstab waren. Die Franzosen hoben auch das Kloster Kalvarienberg auf und versteigerten den ganzen Besitz. Neben den Ahrweiler Bürgern beteiligten sich die Lantershofener in hervorragendem Maße an dem Ankauf des Anwesens. Später traten sie ihre Anteile durch Schenkung an die Ursulinenschwestern ab. In der Klosterkirche verzeichnet eine Gedenktafel die Namen der hochherzigen Stifter und Wohltäter.

Unter der Herrschaft Preußens begann für die Rheinlande eine Zeit des Aufstiegs. Die Bevölkerungsziffer stieg allenthalben, und Lantershofen konnte seine Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert verdoppeln. Für den wirtschaftlichen Aufschwung Lantershofens war folgende Tatsache von größter Tragweite: im Jahre 1850 kam nämlich die Burg mit ihrem gesamten Landbesitz in die Hände eines Herrn Bresgen. Bresgen war von Haus aus Jurist und hatte ein offenes und weitblickendes Auge für die Bedürfnisse und Belange der Ahr und besonders Lantershofens. Aus dem sumpfigen „Damm" machte er mustergültige Wiesen. Den gesamten Landbesitz der Burg verkaufte er dann im Laufe der Zeit an die Mitbürger und gab ihnen so Gelegenheit, ihre bis dahin beschränkte Landwirtschaft auszudehnen. Neuer Mut und neues Leben zogen damit in die Gemeinde ein. Bresgen war es auch, der als erster die ertragreichere Portugiesertraube in Lantershofen und dadurch an der Ahr überhaupt einführte. Die Winzer machten damals schwere Jahre durch. Die von dem in wenigen Händen befindlichen Weinhandel gezahlten Preise waren menschenunwürdig. Diesem Elend ein Ende zu machen, griff Bresgen den Gedanken der Gründung von Winzervereinen auf. Er arbeitete zunächst Richtlinien aus, mit denen er die Winzer begeisterte. Als ersten Winzerverein gründete er den Mayschosser Winzerverein, dem sich die anderen anschlossen.

Die Kriege 1864,1866,1870/71 hatten für die Entwicklung unseres Dorfes weniger Bedeutung. 1870/71 waren 17 Söhne unter den Fahnen. Einer von ihnen, Bartel Bender, ließ sein Leben für das Vaterland im Lazarett zu Kollenburg.

1881/82 wurde die alte Kapelle abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Mittel hierzu wurden durch freiwillige Spenden der Bevölkerung aufgebracht. Die Gesellschaft der Junggesellen stiftete die Kanzel. Die alten Glocken erhielten wieder ihren Platz im Turm.

Im selben Jahre 1882 kam die Burg durch Kauf an Hubert Schütz, er gründete auf der Burg eine Brennerei. 1884 verkaufte er sie wieder an Konrad Walderscheid, der auf ihr eine Brauerei errichtete. Ihm folgten im Besitz Baron von Wrede-Melschede, Karl Johann Dollmann, Direktor Lenne, Mertens und seit 1915 Direktor Friedrich Langen.

Seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die wirtschaftliche Lage unseres Heimatdorfes immer besser. Der ausgedehnte Landbesitz, der bis ins Herz von Neuenahr und bis vor die Tore Ahrweilers sich erstreckte, brachte durch Verkauf als Baustellen viel Geld in die Gemeinde. So gehörte zum Beispiel das Gelände, auf dem der Ahrweiler Bahnhof und seine Gleisanlagen stehen, sowie die Grundstücke, auf denen die Kellerei der Gebrüder Both und zahlreiche Villen auf Neuenahr zu erbaut wurden, Lantershofener Bürgern. Die landwirtschaftlichen Mischbetriebe, die sowohl Ackerbau und Viehzucht wie Weinbau und Obstkultur betrieben, brachten durch die Nähe von Neuenahr und besonders Ahrweiler reiche Erträge. 1897 wurde der Lantershofener Winzerverein gegründet. Der ausgedehnte Weinhandel wurde unterstützt von einem starken Brennereigewerbe, das im Laufe der Zeit den Weinhandel an Ertrag weit überflügelte und das heute durch seine Größe und seine modernen Einrichtungen an der Spitze des Ahrtals steht. In dem verhältnismäßig kleinen Dorf zählen wir fünf Brennereien. Der älteste Brennereibetrieb vererbt sich seit seiner Gründung in der Familie Krämer.

Im Jahre 1903 machte unser Mitbürger Kaspar Bender den da» maligen Werkmeister Georg Thiebes auf Tonvorkommen in unserer Gemeinde aufmerksam. Ihrer beider Tatkraft verdanken wir die Gründung der Grube Lantershofen, die reichen Segen in die Gemeinde und noch darüber hinaus brachte. Am 1. Dezember 1904 ging die Grube in den Besitz von Dr. Otto & Co. über. Georg Thiebes wurde Betriebsleiter, Kaspar Bender blieb als Meister und Aufseher im Grubenbetrieb. Die Grube nahm einen schnellen Aufstieg. 1905 wurde die Seilbahn nach Ahrweiler erbaut, 1907/1909 zwei große Schamotteöfen, 1913 konnte die Grube 104 Arbeiter beschäftigen. Damit war sie eines der größten industriellen Unternehmungen des Kreises. Bereits 1904 konnte die Gemeinde zur Anlage einer modernen Wasserleitung schreiten. 1913 wurde sie dem großen Elektrizitätsnetz angeschlossen. Das 1848 erbaute alte Schulhaus wurde 1911 durch einen Neubau ersetzt.

Jäh wurde die Entwicklung abgeschnitten durch den Ausbruch des Weltkrieges. Alle waffenfähigen Männer zogen für die Heimat ins Feld. Siebzehn unserer Brüder ließen ihr Leben fürs Vaterland: Johann Oebel, Ferdinand Schneider, Caspar Schneider, Johann Schneider, Heinrich Pfaff, Josef Kläs, Peter Horn, Matthias Dünker, Johann Hecker, Anton Scholten, Josef Hecker, Heinrich Schopp, Johann Bender, Johann Hilberath, Lorenz Fuchs, Josef Bender, Wilbert Binsenbach.

In den Wirren der Nachkriegsjahre fand sich der gesunde Sinn der Lantershofener schnell wieder zurecht. Die schweren Schäden der Kriegs- und Besatzungszeit wurden nach Kräften ausgeheilt. Die Wasserleitung wurde streckenweise neu gelegt, und der größte Teil des Dorfes erhielt mit der Zufahrtstraße eine Pflasterung. Trotzdem verstanden es die Gemeindeväter, die außerdem noch die hohen Lasten für die riesige Arbeitslosigkeit aufbringen mussten, das Dorf schuldenfrei zu halten.

Mit dem nationalen Umschwung begann für unsere Heimat ein neuer Zeitabschnitt. Aus der inneren Zerrissenheit und dem Jammer des wirtschaftlich-politischen Zusammenbruchs formten sich neue Kräfte mit neuem, lebendigem Geiste, die Deutschland wieder zur Höhe führen werden.

Die Geschichte der Lantershofener Familien weist nach, dass die meisten dort wohnenden Bürger alteingesessen sind. Aus ihrem Kreise sind zu allen Zeiten begabte Menschen hervorgegangen, die auch fern der Heimat zu Ansehen und Wohlstand gelangten. Erwähnenswert ist die Zahl derjenigen, die den geistlichen Stand erwählte. Ihre Namen sind uns leider nicht alle bekannt. 1765 überschreibt der Vicarius am Bonner Münster Peter Joseph Schütz sein Vermögen seinen Geschwistern, der Kapelle, den Armen des Dorfes und dem Kloster Kalvarienberg. Er liegt im Münster zu Bonn begraben. Valerius Huberts, Minoritenpater, vermachte sein ganzes Besitztum 1785 der Kapelle. Am 2. Juli 1743 wurde auf der Burg Innocenz Anton Fuchs geboren. Er wurde Ordensgeistlicher und 1767 zum Priester geweiht. Lange Jahre hindurch war er in verschiedenen Klöstern als Oberer, zuletzt auf dem Kalva¬rienberg in Ahrweiler. Nach der Aufhebung des Klosters durch Napoleon war er in seiner Heimatpfarrei tätig. Er starb am 24. Oktober 1821 und wurde wunschgemäß in der Pfarrkirche zu Carweiler begraben. Sein Neffe, der den gleichen Namen führte, wurde ebenfalls Priester, war Pastor in Hönningen und Holzweiler, trat dann in den Lazaristenorden ein in Paris, war später in Deutschland als Missionar tätig und starb 1880 in Köln. Ein Sohn der Familie Bender war als Pastor in der Eifel und liegt in unserer Kapelle begraben. Ein Peter Joseph Mombauer studierteTheologie in Bonn. Er wurde in Mainz geweiht und in den Revolutionsjahren von Freiheitsmännern erschlagen. Noch vier geistliche Herren gingen in den letzten Jahrzehnten aus unserm Kreise hervor: Krämer, Kilz, Kläs und Dünker. Die letzteren gingen als Missionare nach China, wo sie infolge großer Strapazen Opfer ihres Berufes wurden.

Unstreitig eine der ältesten Familien des Dorfes ist die Familie Krupp, die noch in vier Linien existiert. Sie führt ihren Ursprung auf eine gemeinsame Wurzel zurück, die mindestens auf den Anfang des 15. Jahrhunderts zurückreicht. Auch die in der näheren und weiteren Umgebung wohnenden Familien des gleichen Namens leiten ihre Abstammung fast alle von hier ab. Der Stammherr des Hauses Krupp-Essen darf mit größter Wahrscheinlichkeit  ein Sohn unseres Dorfes genannt werden. Es steht fest, dass der Ahnherr Krupp aus einem Winzerdorf der Ahr stammt. Er selbst betrieb in Essen im 16. Jahrhundert einen Weinhandel. Da er protestantisch war, ist anzunehmen, dass er infolge Religionsschwierigkeiten auswanderte. Während andere Dörfer geschlossen die Religion ihres Besitzers annehmen mussten, war dies in Lan-tershofen durch die Zugehörigkeit zu mehreren Herren anders. Dadurch erklären sich auch die Streitigkeiten und das verschiedenartige Religionsbekenntnis innerhalb der einzelnen Familien. Eine Urkunde als Beweis dafür etwa in den Kirchenbüchern zu finden, ist deshalb ausgeschlossen, weil ein Protestant nicht als Pate oder Trauzeuge auftreten konnte. Ein weiterer Beweis für die Riechtigkeit unserer Behauptung ist die durch Bilder und durch Vergleich noch lebender Familienangehöriger zu belegende außerordentlich starke Ähnlichkeit mit der verstorbenen Familie Krupp-Essen. Das Kruppsche Stammhaus, das wohl das älteste Haus im Dorfe ist, war durch den Bau eines großen Kelterraumes im Untergeschoß von jeher für den Weinhandel bestimmt. Das geräumige Anwesen zeugt von der Wohlhabenheit des Bauherrn.

Wenn auch Lantershofen keine großen Künstler und Gelehrten hervorgebracht hat, so dürfen wir doch mit berechtigtem Stolz auf die Tätigkeit, den Fleiß, die Begabung und die schöpferischen Kräfte unserer Ahnen zurückschauen.

In den wechselvollen Geschicken, die unser Heimatort im Laufe der Jahrhunderte erlebte, war ihm die JunggeselIen-Schützengesellschaft immer ein getreuer Eckart. Die Gesellschaft wurde im Anfang des 15. Jahrhunderts aus der Not der Zeit geboren. 1492 wird sie erstmalig erwähnt. In den Wirren und Kriegen war sie dem Dorf ein fester Rückhalt. Von treuer Pflichterfüllung und mannhaftem Einstehen in Augenblicken der Gefahr weiß die mündliche Überlieferung zu erzählen. Leider gingen die aufschlussreichen Urkunden und Aufzeichnungen mit so vielen anderen Beweisstücken in der Franzosenzeit verloren. So kommt es, dass wir erst aus dem Jahre 1835 ein Verzeichnis haben, in dem drei neu eintretende Mitglieder aufgezählt werden. Das ist auch der Grund für unsere hundertjährige Jubelfeier.

In den Statuten der Gesellschaft aus demselben Jahre werden die Mitglieder dazu angehalten, treu die alten Sitten und Gebräuche zu bewahren und auszuüben. Von altersher hatte die Gesellschaft über Zucht und Ordnung im Dorfe zu wachen. Bei Streitigkeiten in der Familie oder zwischen den Nachbarn, bei sittlichen Verfehlungen griff sie energisch ein. Hatten Ermahnungen nicht den gewünschten Erfolg, so wurde den betreffenden „das Tier gejagt". Dann versammelte sich die ganze Gesellschaft und zog vor das Haus des Übeltäters, wo der Anführer fragte: „Ihr Jungen, wat doht ihr hier?" „Me jagen dem ......... dat Dier." „Wat hät hä dann gedohn?" „Hä hät sing Frau geschlohn."

Seine oder ihre Verfehlungen wurden einzeln aufgezählt. Mit allerhand Instrumenten, mit alten Kesseln und Deckeln wurde ein furchtbarer Lärm verursacht. Auf den Rädern einer umgestürzten Karre wurde zur Verstärkung des Schreiens und Johlens eine alte Sense geschliffen. Ein solches Strafgericht erfüllte in der Regel seinen Zweck. Später wurde die Volksjustiz durch Polizeiverordnungen unterdrückt.

Die alten, schönen Maibräuche wurden in der Gesellschaft hochgehalten. Alljährlich wurden die Mailehen versteigert, und durch streng durchgeführte Gesetze war das Verhältnis der Junggesellen zu ihren Lehen, aus denen später vielfach Bräute wurden, geregelt. Heiratete ein junges Paar, so musste der Bräutigam einen neuen Ledereimer für Löschzwecke der Dorfgemeinde schenken. Darüber stellte der Schultheiß eine Quittung aus. Der Hochzeitstag selbst war für alle Dorfgenossen ein Fest. Am Vorabend brachten die Junggesellen dem Paar eine Ovation dar, die im wesentlichen aus der Abgabe mehrerer Salven bestand. War der Bräutigam von auswärts, so musste er seine Braut von den Junggesellen loskaufen. Diese Abgabe, Jüra genannt, richtete sich nach den Verhältnissen des Paares. Nach der Trauung erwartete das ganze Dorf die Neuvermählten vor seiner Wohnung, wo sie zum ersten Male ihre Freigebigkeit und Verbundenheit mit den übrigen Dorfbewohnern beweisen sollten. Besonders die Kinder freuten sich, wenn Braut und Bräutigam aus einem großen Korb reichlich Weck auswarfen. Diese schöne Sitte ist Gott sei Dank noch in vollem Schwange. Hilfsbereiter Opfergeist und Sinn für die Dorfgemeinschaft waren immer der Stolz der Lantershofener Bürger. Klassenunterschiede und Überheblichkeit gab es hier nicht. Ob arm oder reich, hoch oder niedrig, sie waren Freunde und Brüder. Einigkeit und Treue ist die Seele Lantershofens.

Zu den Nachbarorten stand das Dorf immer in besten Beziehungen. Wiederholt sehen wir Lantershofener Schützen als Schützenkönige der Ahrweiler Schützengesellschaft. So war ein Johannes Bender 1748 ihr Schützenkönig. Die letzten Schützenkönige, die Lantershofen der Ahrweiler Bürgerschützengesellschaft stellte, waren Wilhelm Harff (1834) und Christian Schütz (1850). Unsere Großväter wussten noch, wie die Ahrweiler Bürger ihre Schützenkönige in Lantershofen mit Musik holten und zurückbrachten.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war durch ihre geistige Einstellung der Pflege der Tradition nicht günstig. Das Vereinsleben erschöpfte sich mehr und mehr in Äußerlichkeiten. 1879 konnte die Gesellschaft eine neue Fahne weihen. 1898 erhielt der Verein einen schweren Stoß durch den Bau eines Winzervereinssaales. Bisher war das finanzielle Rückgrat der Gesellschaft durch die Abhaltung der Tanzmusik an den Kirmestagen gesichert gewesen. Nunmehr übernahm diese der Winzerverein. Damit schwand gleichzeitig das Interesse der Junggesellen, die üblichen Paraden und Aufzüge wurden eingestellt. Nur vorübergehend lebte der Verein noch einmal auf im Jahre 1910, als er sein 75 jähriges Jubiläum feierte. Restlos unterbunden wurde jegliche Vereinstätigkeit, als beim Ausbruch des Krieges die Kameraden zu den Fahnen gerufen wurden. 16 Junggesellen ließen ihr Leben für Deutschland, 7 schmachteten in harter Gefangenschaft.

Ein Jahr nach Beendigung des Krieges sammelte sich die Gesellschaft wieder unter ihrer Fahne. Die Begeisterung für die alten Sitten und Bräuche lebte zunächst wieder auf. Im Herbst 1919 wurde eine Schwenkfahne beschafft. Der Verein schloss sich in den nächsten Jahren freundschaftlich den benachbarten Junggesellenvereinen an. ln den Sommermonaten war er fast jeden Sonntag bei irgend einem von ihnen zu Gast. Daneben hielt er auch selbst öfters im Jahre Tanzmusik ab, an denen sich dann die auswärtigen Vereine lebhaft beteiligten. So wurde der Verein ein Opfer des Zeitgeistes. Die uralte Tradition geriet in Vergessenheit, die Liebe zur engeren Heimat trat in den Hintergrund. Diese Tatsache führte im Jahre 1927 zu einer völligen Umstellung der Gesellschaft. Bewusst griff man wieder die Grundsätze auf, die die Gesellschaft in früheren Jahrhunderten geleitet hatten. Aus dem „Junggesellenverein wurde wieder eine Schützengesellschaft. Begeistert folgten Vorstand und Gesellschaft den Vorschlägen ihres Vorsitzenden Eduard Schütz. In Einigkeit und von echtem Kameradschaftsgeist erfüllt setzten sich alle für den Neuaufbau ein. Auch die noch fernstehenden Junggesellen fanden sich bald in die Reihen der Gesellschaft zurück. Zur Freude der jugendlichen Mitglieder und um selbst die Heimatfeste verschönern zu können, wurde ein Tarnbourkorps ins Leben gerufen.

Diesem Unternehmen stellten sich gleich große Schwierigkeiten in den Weg. Die angespannte Finanzlage wurde durch die Opferwilligkeit des Vorstandes und der älteren Mitglieder gemeistert. Ein größeres Hemmnis waren die Verbote der Besatzungsbehörde, die schon fast 10 Jahre die Heimat drangsalierte. Besonders die Jugend litt unter diesen Verhältnissen. Man kann es sich heute kaum mehr vorstellen, dass es bei schwerer Strafe verboten war, deutsche Lieder zu singen und deutsche Musik zu spielen. Vor allen Dingen witterte die hohe Rheinlandkommission in den Tambours- und Pfeiferkorps Überreste deutschen Wehrwillens und ihr Auftreten war strengstens untersagt. Allen Verboten zum Trotz ging die Ausbildung in geschlossenen Räumen vor sich. Zu gleicher Zeit wurde die Neugliederung der Gesellschaft in Angriff genommen. Dem Vorsitzenden gelang es, von dem Winzerverein den Kirmesmontagsball für die Gesellschaft zurückzugewinnen. Damit war eine wichtige Einnahmequelle geschaffen. Kirmes 1927 trat die Gesellschaft erstmalig wieder unter dem Kommando des Hauptmanns an. Besonders begeistert waren die Zuschauer, als sich das Tambourkorps vorstellte und unter den lang entbehrten Klängen alter Armeemärsche die Parade abgenommen wurde. Der Frühschoppen am Montagmorgen wurde jäh unterbrochen durch das Eingreifen der französischen Gendarmerie. Der Vorsitzende wurde protokollarisch vernommen und entging mit knapper Not einer sofortigen Verhaftung. Am selben Abend stieg nach 29- jähriger Unterbrechung trotz der bedrückten Stimmung der historische Gesellschaftsball. Mitte Oktober wurde der Vorsitzende vor das Kriegsgericht in Koblenz gerufen. Dort wurde gegen ihn ein Verfahren eingeleitet, weil er die Ausbildung und das Auftreten des Tambourkorps auf Kirmes geduldet habe. Nach längerer Verhandlung, wobei sich das Gericht zweimal zurückzog, wurde in „Anbetracht der Jugend" des Angeklagten von einer Freiheitsstrafe abgesehen und nur eine Buße von 50 RM. verhängt.

Im Jahre 1928/29 fand die Neugliederung der Gesellschaft einen gewissen Abschluss. An der Spitze der Gesellschaft steht seitdem der Hauptmann, der gleichzeitig Vorsitzender ist. Ihm zur Seite der 1. und der 2. Offizier. Weiter gehören zum Vorstand die beiden Fähnriche, der Schriftführer, der Kassierer und der Tambourmajor. Dazu kommt ehrenhalber der jeweilige König. Die Gesellschaft tritt bei Aufmärschen in vier Gliedern an. Die gesamten Mitglieder erhielten schmucke Uniformen. Es wurde festgelegt, dass jedes Jahr am Sonntag vor der Kirmes ein Königsvogelschießen abzuhalten sei. Am Kirmessonntag selbst soll die große Königsparade stattfinden. Am Montagmorgen nehmen zunächst alle Mitglieder am Dankgottesdienst teil. Nach einem PIatzkonzert gibt der König der Gesellschaft ein Frühstück. Nachmittags ist wieder Parade und anschließend der Königsball.

Das ganze Dorf war in voller Begeisterung, als 1928 zum ersten Male in der oben festgelegten Weise Schützenfest und Kirmes gefeiert wurden. Am Abend vor dem Königsvogelschießen verbot die Besatzungsbehörde das Schießen. Sie blieb auch bei ihrem Verbot, obwohl der Vorsitzende noch am Sonntagmorgen nach Koblenz fuhr und dort mit allen möglichen Instanzen der Rheinlandkommission verhandelte. Auch das Bemühen des Landrats (Seite 30 Ende) hatte keinen Erfolg. Die Gesellschaft aber wusste das Verbot zu umgehen, indem sie mit Luftbüchsen ein Scheibenschießen abhielt. Franz Mombauer konnte als Franz I. die Königswürde erringen. Unter großem Jubel wurde er proklamiert, und stolz konnte ihn der Hauptmann mit der silbernen Königskette schmücken, die von der Gemeinde, die das Bestreben der Gesellschaft dankbar anerkannte, gestiftet worden war. Zum Andenken an die große Vergangenheit der Gesellschaft trägt das Hauptschild der Königskette das Wappen der Grafen von Blankart. In den folgenden Jahren, besonders nach Abzug der Besatzung, konnte die Kirmes immer festlicher gestaltet werden. Ein großer Freudentag für die Gesellschaft war die Befreiung der Rheinlande von fremdem Joch, der in würdiger Weise begangen wurde.

Anmerkung:
8 Textzeilen Seite 5 (Zitat) und 9 Textzeilen Seite 38 (Ergebenheitsadresse) aus nationalsozialistischer Zeit weggelassen.