Erlebnisberichte


ab 2000

Johannes Tilmann Heinzen gestorben am Vischelbach


Das Heinzen-Kreuz im Vischelbachtal im Jahr 1951. Foto: Archiv Heinz Bach.

Der kleine Ort Vischel, bestehend aus dem Schloss Vischel, einer Kirche und ein paar Häusern, ist ein Ortsteil der Gemeinde Berg. Dort steht in der Tiefe des Vischelbachtals, nur fußläufig erreichbar, ein Basaltkreuz mit einer besonderen Bewandtnis. Nach der Inschrift starb hier am 7. Mai im Jahr 1801 Johannes Tilmann Heinzen aus Lantershofen. Er wohnte zu Lebzeiten in einem Fachwerkhaus in der Gartenstraße 6, dort, wo heute Heinz Bach und seine Frau Antonia leben.

Großvater Albert Bach (links) und Tierarzt Heinz Bach am Heinzen-Kreuz in Vischel im Jahr 1937. Foto: Archiv Bach.

Johannes Tilmann Heinzen war ein Waldarbeiter, der in Vischel bei Holzarbeiten zu Tode gekommen ist. Heinzen ist ein Vorfahre von Heinz Bach aus Lantershofen, der genaue Verwandtschaftsgrad ist derzeit nicht bekannt. Schon im Sommer 1937 hatten sich Großvater Albert Bach und Tierarzt Heinz Bach, Vater von Heinz Bach jun., für das Erinnerungskreuz ihres Vorfahren interessiert. Nach dem Tod von Tierarzt Bach wollte auch seine Frau Elfriede das Kreuz einmal sehen und fuhr mit ihren Söhnen Heinz und Willi Bach in den 90er Jahren dorthin. Damals konnten sie noch mit dem Auto bis vor das Kreuz fahren, heute kann man es nur noch zu Fuß erreichen, da der Waldweg regelrecht zugewachsen ist und umgestürzte Bäume eine Durchfahrt verhindern. Dies mussten auch Heinz Bach jun. und der Lantershofener Chronist Thomas Schaaf im Jahr 2018 bei einem neuerlichen Besuch am Kreuz feststellen, zudem war der Weg oberhalb des Vischelbachtales an der Forstverwaltung Vischel mit einer Schranke abgesperrt.

Elfriede Bach war in den 90er Jahren des verflossenen Jahrhunderts auch am Heinzen-Grab. Foto: Archiv Bach.
Heinz Bach erläutert am 27. Juli 2018 die Inschrift des Erinnerungskreuzes für Johannes Tilmann Heinzen aus Lantershofen. Foto: Thomas Schaaf.

Es war nicht einfach, hinter einem ziemlich zugewachsenen Wegestück das Kreuz im Tal des Vischelbaches wieder zu finden. Neben einem dicken Baum steht es ziemlich frei, hat eine grünliche Patina aus Moos, Kleinstpflanzen und Staub angesetzt, die ehemals weiße schriftfarbe ist verblichen. Ruhe herrscht hier. Nur das Vogelzwitschern unterbricht die Stille. Mehr als 200 Jahre sind seit dem Tod des Johannes Tilmann Heinzen vergangen. Das Kreuz gibt Zeugnis über ihn und die Menschen aus Lantershofen. Über den Verunglückten und die Aufsteller des Kreuzes und über die Zeit, in die sie hineingeboren waren. Schaaf, der für das Buch „Chronik Lantershofen Band 1“ ein neues Foto des Kreuzes beschaffen wollte, die Örtlichkeit aber nicht kannte, war froh, in Heinz Bach einen kenntnisreichen Führer zu einem unbekannten, versteckt liegenden Mahn- und Erinnerungsdenkmal der Lantershofener Geschichte gefunden zu haben. Ein kurzes Verweilen im tiefen Tann vor dem  Erinnerungskreuz für Johannes Tilmann Heinzen ließ bei den beiden Besuchern mannigfaltige Gedanken aufkommen.

Blutmond


Blutmond. Mondfinsternis. Mars darunter. Das waren nur einige Schlagworte, die Thomas Schaaf als Hobby-Fotografen inspirierten, sich „frühzeitig“ – zwei Tage vorher – Gedanken zu machen, ob man sich diesen Themen selber fotografisch nähern wolle. Schaaf: „Es ist ein schwieriges Ding, solch ein Ereignis einigermaßen ordentlich festzuhalten. Es fängt mit der geeigneten Ausrüstung an, die man dazu noch richtig bedienen muss und hört noch nicht mit der Frage des richtigen Standortes auf.“ Für ein solches Vorhaben braucht der Fotograf ein geeignetes  Objektiv. Unter der Brennweite 300mm kann man dabei kaum zurechtkommen. Schon jahrelang hatte Schaaf sich mit dem Gedanken getragen, ein solches Objektiv zu kaufen, es aber immer wieder verschoben. Jetzt lockte die Mondfinsternis, eine konkrete Aufgabe, der man sich aber nur dann widmen konnte, wenn man über ein solches Objektiv verfügte. Schnelle Lieferung war von Nöten, der Hauslieferant für fotografische Utensilien, Foto Brell in Bonn, schaffte es, das 300er Canon bis zum nächsten Tag, einen Tag vor der Finsternis, wenig teurer zwar als Internetangebote, dafür fachberaten, zu besorgen.

Ein Testbild am Vortag. So in etwa hat sich der Fotograf ein Foto mit dem Blutmond am nächsten Tag bei der Finsternis vorgestellt. Fotos in diesem Bericht: Thomas Schaaf.
Ein vergrößerter Ausschnitt aus einem Testbild am Donnerstag. Bei einer solchen Vergrößerung geht meist der Bezug zu anderen Objekten verloren. Der Mond alleine ist zwar auch schön, aber weniger aussagekräftig.

Wichtig für einen Fotografen ist in der Regel, eine Idee für ein Foto zu haben. Schaaf: „Meine Vorstellung für die Mondfinsternis war, sie möglichst mit bekannten Lantershofener Motiven in Verbindung zu bringen.“ Also hat er am Vortag verschiedene Objekte inspiziert und abends gegen neun Uhr in der Dämmerung bei fast vollem, gut sichtbaren Mond Testbilder gemacht. Als Objekt mit der besten Präferenz bildete sich das Heimkehrerkreuz auf dem Ahrweiler Berg heraus. Vorstellung war: „Dort fährst du hin, wenn der Mond hinter den Wäldern des Ahrgebirges hervorgestiegen ist.“ Auf dem Hochpunkt der Zufahrt zu den Kettiger Thonwerken wartete Schaaf auf das Erscheinen des Mondes, am Vortag war er schon kurz nach 20.30 Uhr zu sehen. Heute am Tag der Finsternis verdeckten Dunst, Feinststaub und undurchdringliche Himmelsschwaden den Aufstieg des Mondes über den Bäumen des Neuenahrer Forstes. Doch dann, es war beinahe schon zehn Uhr am Abend, drückte er vorsichtig mit dunkelroter Scheibe durch die Schmauchschwaden des verflossenen heißen Tages. Mit jeder Minute wurde er etwas klarer, blieb allerdings sehr lichtschwach, Blutmond eben, das weiße Licht ist abgeblockt. Eine Herausforderung für einen Fotografen. Jetzt geht’s los, auf zum Heimkehrerkreuz. Aber vieles lief anders als geplant. Schon auf dem Weg zur L83 staunte Schaaf über die vielen Mondgucker, die es sich in ihren Autos und mitgebrachten Gartenstühlen auf der nachts kaum befahrenen privaten Betriebszufahrt der Kettiger Thonwerke gemütlich gemacht hatten. Eine immer noch sehr warme Sommernacht lud geradezu ein, bei kühlen Getränken das Schauspiel mit Blick auf Lantershofen und den Neuenahrer Berg zu genießen.

Der Bezug Mond und Kreuz war wegen des hochstehenden Mondes nicht mehr zu realisieren, so blieben nur noch Blätter als Verbindung zur Erde.
Ausschnitt aus einem der Blutmondbilder.
Eine seltene Konstellation über dem Neuenahrer Berg bieten Mond und rechts unterhalb der Mars zur Zeit der Mondfinsternis.

Das zeigte sich auch auf dem Weg zum Heimkehrerkreuz. Hinter dem Haus Flohe Hannes bot sich ein gleiches Bild interessierter Schaulustiger. Autos, Mondsüchtige und bellende Hunde rieten, das eigene Auto stehen zu lassen und das Stativ und die Kamera zu schultern. Der Gebrauch derselben in der Dunkelheit machte dem Fotografen eigentlich nicht überraschende Probleme. Die Einstellungen des neuen Objektives, teils auch der Kamera waren schwieriger als erwartet. Insbesondere die Idee, das Heimkehrerkreuz mit ins Bild einzubeziehen, schlug ziemlich fehl, weil durch das lange Warten auf den Blutmond die dunkelrote Scheibe schon zu hoch gestiegen war und somit nicht mehr ins vorgeplante fotografische Projekt hineinpasste. Mit den Ergebnissen seiner Fototour ist Hobbyfotograf Thomas Schaaf trotzdem zufrieden: „Man hat wieder viel Erfahrungen gesammelt. Für das nächste Mal.“ Das ist am 21. Januar 2019, sagen die Astronomen.

Pilgerquartett Lantershofen "PiQuaLa" wieder unterwegs


Schon mehrfach in den letzten Jahren haben wir hier vom Pilgerquartett Lantershofen berichtet, das mit vier Wanderern und einem Wohnmobil besetzt bereits mehrere tausend Kilometer in südlichen Ländern, vorwiegend auf Pilgerwanderwegen in Zusammenhang mit dem Jakobsweg unterwegs war. Franz-Peter Efferz, Karl-Josef "Menn" Scholl, Jörg Wollert aus Lantershofen und Norbert Häring aus Neuenahr sind ein mittlerweile eingeschworenes Wanderteam. Früher gehörte Heinrich Klaes zum Pilgerquartett, der leider allzufrüh 2008 verstorben ist.

Menn und Franz in der Eintönigkeit der Region Sevilla. Fotos und Bildunterschriften in diesem Bericht: Jörg Wollert.
Alte Korkeiche im Nationalpark „Parque Natural Sierra Norte“.

Die Wanderung durch die autonome Region Sevilla war, als wir Sevilla verlassen hatten, recht eintönig. Beim Eintritt in die autonome Region Extremadura begann der große Regen. Acht Tage nur Regen, die Wege weich und die Bäche übervoll. Diese acht Tage waren eine extreme Herausforderung an das PiQuaLa.  Besonders problematisch war das Trocknen der Wandersachen. Am 13. Mai erwachte Menn und verkündete: „Die Sonne lacht von einem tiefblauen Himmel.“  Trotzdem waren die Wanderwege und die Weiden durch große Pfützen streckenweise nur schwer passierbar. Mehr als einmal mussten Bäche durchwatet werden. Beim Queren des Rio Lobos schaffte nur Menn es, mit einigermaßen  trockenen Füßen das andere Ufer zu erreichen. Aber auch herrliche Landstriche durchwanderten wir, vor allem der „Parque Natural Sierra Norte“ mit seinen alten Korkeichen erweckte unser Interesse.

Im Vordergrund die Brücke „Puento Romana", im Hintergrund die alte und neue Kathedrale.
Abschiedsbild vom Pilgerquartett vor der Kathedrale (von links): Karl-Josef Scholl, Jötg Wollert, Frenz-Peter Efferz und Norbert Häring. Foto: Nette Passantin.

In den letzten Tagen war herrliches Wanderwetter, und auch die Landschaft war streckenweise sehr interessant und abwechselungsreich.  Von den wenigen Städten, die auf unserem Wege lagen, waren nur Monesterio,  Cáceres und Salamanca sehenswert. Monesterio ist bekannt durch ihren iberischen Schinken, Merida durch ihre Zeugnisse römischer Baukunst (u.a. der Acueducto de los Milagros – Teil einer römischen Wasserleitung -, Cáceres durch ihre berühmte Altstadt (Weltkulturerbe der UNESCO) und Salamanca  durch ihre Doppelkathedrale und den altehrwürdigen Bauten. 

Mehr von der Wanderung des Pilgerquartetts PiQuaLa nach Santiago de Compostela findet man in der alten LA-Seite unter www.larchiv.de/piquala/index.htm.

Lantershofener Mond und Lantershofener Venus über Neuenahr


Mond und Venus kämpfen gegen das Sonnenlicht. Gleich wird die Venus bis zum nächsten Morgen verloren haben. Der Mond darf im Tagesverlauf weiter seine Bahn als weiße Sichel vollenden. Foto: Hubertus Gussone.

Über dem Neuenahrer Berg schweben im ersten Sonnenplasma der Lantershofener Mond und die Lantershofener Venus. Hubertus Gussone hat mal wieder von seinem Hause aus die Welt und die Weite beobachtet und abgebildet. Sichelförmig schlank scheint der Mond, die Venus blinzelt noch im frühen roten Sonnenmorgenlicht als hellstes Gestirn nach dem Mond am Himmel. Der Planet ist etwas mehr als 100 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und besitzt einen Durchmesser von 12.100 Kilometern (Erde: 12.742 Kilometer). Die Venus zählt zu den erdähnlichen Planeten und ist der drittkleinste Planet im Sonnensystem. Gut sichtbar ist sie morgens oder abends, daher wird sie auch Morgen- oder Abendstern genannt. Um Mitternacht lässt sie sich nie am Himmel blicken.

Der Mond umkreist als einziger natürlicher Satellit die Erde in durchschnittlich siebenundzwanzig Tagen und nicht ganz acht Stunden. Der mittlere Abstand des Mondes von der Erde beträgt 384.400 km. Wenn Sonne, Mond und Erde bei ihren Bahnläufen auf einer Linie liegen, kommt es zu einer Mondfinsternis. Dann steht die Erde zwischen Sonne und Mond und verdeckt diesen mit ihrem Schatten.

Pilgerreise des Bistums Trier nach Polen


Schon mehrfach sind in den letzten Jahren Gruppen aus Lantershofen entweder per Bus oder mit dem Flugzeug zu Pilgerreisen aufgebrochen. So war man unter anderem gemeinsam in Rom, in Jerusalem und in Medjugorje. Diesmal stand im Osten Polen auf dem Programm, genauer im südlichen Polen mit den Verwaltungsbezirken Niederschlesien, Oppeln, Oberschlesien und Kleinpolen. Dort liegen die Städte Breslau und Krakau,  von denen aus sich die Pilgergruppe einen natürlich nur groben Überblick über das Land, die Bevölkerung, die Lebensumstände und natürlich auch die Glaubenssituation verschaffen konnte.

Das Zisterzienserinnenkloster Trebnitz wurde im Jahre 1202 gegründet. In der barocken Klosterkiche feiern die Pilger einen Gottesdienst mit dem Pilgerleiter und Bischof von Trier, Dr. Stephan Ackermann. In der Klosterkirche befindet sich das Grab der Heiligen Hedwig. Fotos in diesem Bericht: Thomas Schaaf.
Altstadtbesichtigung und Zwischenrast mit echt Krakauer Bratwurst am Marktplatz in Breslau, im Hintergrund das Rathaus. Breslau ist die viertgrößte Stadt Polens und Hauptstadt der historischen Region Schlesien.

Polen ist und war auch während der russischen Besatzung stets ein gläubiges Land, 87 Prozent der Bevölkerung gehören der römisch-katholischen Kirche an. Papst Johannes-Paul II., ein Pole, hat die katholische Glaubenslage weiter verstärkt. Dementsprechend gibt es viele Kirchen, Klöster, religiöse Stätten und Pilgerorte. So besuchte die Reisegruppe nach der Besichtigung von Breslau die Stadt Trebnitz (Schlesien), eine der wichtigsten Wallfahrtsorte Polens. Hier findet man in der Barockbasilika die sterblichen Überreste der Heiligen Hedwig in einem barocken Grabmal.

Alfons Nossol, emeritierter Bischof von Oppeln gilt als gebürtiger Oberschlesier seit Jahrzehnten als Brückenbauer zwischen Polen und Deutschland. Den Pilgern erläutert er seine Bemühungen um Verständigung.
Krakau ist die Kulturhauptstadt Polens mit vielen Sehenswürdigkeiten. Auf dem riesigen Marktplatz berichtet die Gästeführerin über Stadt und Einwohner.

Von Breslau aus führte die Fahrt weiter über den Annaberg mit seinem berühmten Sanktuarium und dem Franziskanerkloster nach Krakau, der ehemaligen polnischen Hauptstadt. Beim Rundgang durch die Stadt, die Unesco-Welterbe ist, bewunderte man den berühmten Altar von Veit Stoß in der Marienkirche und besichtigte das erzbischöfliche Palais, wo auch Papst Johannes-Paul II. residierte. Die Kirche in Nova Huta, einer Krakauer Plattenbau-Arbeitervorstadt aus russischen Zeiten, hatten sich die Arbeiter in hartem Kampf mit den Sozialisten und Leninisten erstritten. Karol Wojtyla, der spätere Papst, weihte die moderne Kirche 1977 ein.

Mit einer Höhe von dreizehn Metern bei einer Breite von elf Metern ist der Altar der größte spätgotische Schnitzaltar und beherrscht den Chorraum der Basilika vollständig. Veit Stoß vollendete das vergoldete Schnitzwerk im Jahr 1489.
Die frühbarocke Marienkirche in Kalvaria Zebrzydowska ist ein bedeutender Wallfahrtsort mit dem Klosterkomplex des Bernhardinerordens, der auch im Weltkulturerbe enthalten ist.

Das Paulinerkloster "Jasna Gora" (heller Berg), ist der wohl bedeutendste Wallfahrtsort Polens. Auch Wochentags sind regelmäßig mehrere hundert Busse ständig präsent, dementsprechend sehr groß ist der Andrang in der Marienkirche mit ihrem berühmten Gnadenbild Mariens, der Schwarzen Madonna, das als wundertätig gilt. In Wadowice befindet sich das Elternhaus von Papst Johannes Paul II. Das Haus ist jetzt ein eindrucksvolles Museum zum Gedenken an den polnischen Papst. Der Besuch in Kalwaria Zebrzydowska, einem Wallfahrtsort mit Klosterkomplex des Bernhardienerordens, ebenfalls zum Weltkulturerbe gehörend, rundete den vorletzten polnischen Pilgertag ab.

Auschwitz, bedrückender Abschluss der Pilgerfahrt. Mehr als eine Million Menschen wurden hier von den Nationalsozialisten umgebracht.
Der Gästeführer erläutert die verbrecherischen Greueltaten während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Besichtigung der Tötungsanlage machte sprach-und fassungslos.

Bedrückender Schlusspunkt der insgesamt sehr interessanten und auch politisch lehrreichen Pilgerreise bildete die Weltkulturerbe-Gedenkstätte Auschwitz- Birkenau.  In dem Konzentrationslager und Vernichtungslager der Nationalsozialisten wurden über eine Million Menschen ermordet, größtenteils Juden, Sinti und Roma aus ganz Europa. Der Komplex und die Gebäude sowie die ausführlichen und eindringlichen Erläuterungen des Gedenkstättenführers gingen stark ans Gemüt und machten sprach- und fassungslos. Es sitzt ein Kloß im Hals. Kein Foto kann die Eindrücke widergeben. Die Gedenkstätte ist bleibendes Mahnmal für die Grausamkeit von Menschen. Berge von Frauenhaar, zehntausende Schuhe, Koffer, Brillen, Kinderspielzeug. Das kann man nicht fotografieren. Sichtbare Spuren der Menschen, die dort von den Nationalsozialisten ermordet worden sind. Auschwitz ist ein Stück deutscher Geschichte. Jeder kann sie kennen lernen. Das persönliche Erleben in der Gedenkstätte ist zutiefst prägend. Es bedrückt. Es mahnt. Es erinnert. Jeden.

Hurra, wir sind in Rom


Nach Santiago de Compostela war Rom an der Reihe

Eine Redensart sagt: „Viele Wege führen nach Rom“. Dieses Motto machte sich das Pilgerquartett Lantershofen (PiQuaLa) zu eigen und begab sich ab dem Jahr 2011 in mehreren Etappen von Konstanz aus auf den Weg nach Rom. In einem ganz knappen Kurzbericht erzählt Jörg Wollert, einer der vier Pilger, von der Wanderung nach Rom:

Auf dem Weg nach Rom: Jörg Wollert (links) und Karl-Josef Scholl abseits von Straßen, Lärm und Menschengewühl inmitten großartiger Landschaften. Foto: Franz Efferz.
Die drei Lantershofener: Jörg Wollert, Franz Efferz und Karl-Josef Scholl (von links) vor einer der vielen besuchten oder erlebten Sehenswürdigleiten auf dem Weg nach Rom. Foto: Norbert Häring.

"Im ersten Jahr wanderten wir von Konstanz bis Lausanne auf verschiedenen Innerschweizer Wanderwege. Ab Lausanne nutzten wir den Via Francigene (Frankenweg). 2012 wäre eigentlich die Strecke Lausanne nach Mortara an der Reihe gewesen, aber es kommt anders als man denkt. Geplant war unsere Wanderung für Mitte April bis Mitte Mai. Der Große Saint Bernhard-Pass ist aber erst ab Juni für Wanderer frei gegeben. Kurzentschlossen zogen wir die Strecke Mortara nach San Miniator Alto vor und holten die Alpenetappen 2014 nach.

In diesem Jahr wanderten wir von San Miniator Alto bis Rom. Resümierend stellten wir im Nachhinein fest, dass diese Etappen in der Toskana landschaftlich einfach umwerfend und kulturell von hohem Niveau waren. Der normale Tourist besucht die Toskana mit dem Kfz und bewegt sich nur auf Autostraßen. Der Wanderer hingegen geht auf schmalen Pfaden abseits der Straßen, er bekommt eine ganz andere, bessere Einsicht in die Landschaft und lernt die Bevölkerung besser kennen. Als kulturelle Highlights hatten wir abseits der eigentlichen Wanderung Florenz und Assisi auf dem Programm. Assisi musste einfach besucht werden, da zwei Pilger mit Vornamen Franz heißen, der eine nur mit Zweitnamen. Aber auch am Via Francigena lagen einige Städte, die eine Reise wert sind. Wir durchwanderten: San Mimignano, die Stadt mit den 14 Wohntürmen, Monteriggioni, Siena, wir lagerten am Lago de Bolsena (Scholls Menn und Norbert Häring wagten ein Bad, wenn auch nur ein kurzes), besuchten Viterbo und Sutri.

Umwerfende herrliche Landschaften besonders in der Toscana beeindruckten die vier Pilger besonders. Foto: Jörg Wollert.
Am Ziel: "Hurra, wir sind in Rom". Vier glückliche Pilger vor dem Petersdom. Foto: Franzisco Romanetti.

Höhepunkt sollte dann Rom werden. Wir wollten uns auf alle Fälle das Vatikanische Museum mit Sixtinischen Kapelle, den Petersdom ansehen und planten eine Stadtrundfahrt ein, um alles Sehenswerte komprimiert zu erleben.  Alle diese Erlebnisse, werden wir so schnell nicht vergessen, wenn nur nicht die vielen Touristen gewesen wären. Die Papstaudienz, am 6. Mai 2015 auf dem Petersplatz zum Abschluss unserer diesjährigen Tour sollte das „I-Tüpfelchen“ werden."

Lantershofen alpin – Sieben Bürger auf Bergfahrt


Watzmannüberschreitung in den Berchdesgadener Alpen

Freitag morgens (30.9.2011) machten sich die Lantershofener Erich und Andreas Althammer, Karl-Heinz Scholl, Michael Sprinkmeier, Martin Moitz sowie der Berichterstatter zusammen mit dem gleichermaßen bergbegeisterten Hans-Paul Sonntag aus Heppingen auf den Weg in die bayerischen Alpen. Ziel der vom Initiator Erich Althammer schon längere Zeit geplanten Bergtour war das knapp 800 km entfernte Watzmannmassiv in den Berchtesgadener Alpen. Konkret ging es um die Überschreitung des Watzmanngrates von Norden nach Süden - eine aufgrund ihrer Länge und alpinen Höhenlage ambitionierte Tour für konditionsstarke, trittsichere und absolut schwindelfreie Tourengeher.

Bei bestem „Kaiserwetter“ erreichten wir gegen 14:00 Uhr den Parkplatz „Wimbachbrücke“ in Ramsau (670 m üNN) als Ausgangspunkt für den Aufstieg zum ersten Etappenziel – dem auf 1.930 m liegenden Watzmannhaus. Ausrüstung geschultert, Auto verschlossen – und schon hatte uns der stetig steil ansteigende Weg durch den stillen Bergmischwald aufgenommen. Den zu Tal brausenden Wimbach ließen wir bald links liegen und erreichten, vorbei an der herrlich gelegenen Stubenalm und dem Hochleger Mitterkaseralm das hoch über Berchtesgaden thronende Watzmannhaus. Kleine Überraschung: anstatt der angegebenen 4 Stunden Gehzeit war das Ziel bereits nach 2 ¾ Stunden erreicht - von einigen „Schnellgehern“ sogar schon nach 2 Stunden.

Dem Eilmarsch folgte pure Entspannung mit einer zünftigen Brotzeit und Bier draußen in der angenehm warmen Nachmittagssonne. Die „Berghütte“ mit 210 Schlaflagern war ausgebucht - kein Wunder bei diesen Wetterverhältnissen und dem vor uns liegenden verlängerten Wochenende. Die Stimmung beim Abendessen war gelöst und die Vorfreude auf die morgige Gratüberschreitung bei allen spürbar. Zur guten Stimmung trugen auch die angenehme Hüttenatmosphäre, der ordentliche Zustand der Räumlichkeiten und ein hervorragend motiviertes Hüttenteam bei.  

Am Samstag, 1.10.2011, kam noch vor Sonnenaufgang Bewegung ins Matratzenlager. Kurzes Frühstück und Abmarsch der Ahrtaler Bergsteiger um 06:30 Uhr, in Begleitung einer großen Schar Gleichgesinnter vor und hinter uns. Fast alle hatten das gleiche Tagesziel: Aufstieg zum Hocheck (2.651 m) mit anschließender Gratüberschreitung über die Watzmann-Mittel-spitze (2.713 m) zur Südspitze (2.712 m); anschließend Abstieg zum Wimbachgries und hinunter durch das 10 km lange Wimbachtal ins Tal. Für diese Tour ist eine Gesamtdauer von ca. 13 Stunden einzuplanen, wobei im Wimbachgries Einkehrmöglichkeiten bestehen. Entgegen der immer wieder (auch auf den Königseebooten) gegebenen Information, der Watzmann sei  der zweithöchste Berg Deutschlands, ist dieser mit 2.713 m nach Zugspitze (2.963 m), Schneefernerkopf (2.874 m), Mittlere Wetterspitze (2.750 m), Hochwanner (2.744 m), Mittlere Höllentalspitze (2.743 m), Innere Höllentalspitze (2.741 m) und Äußere Höllentalspitze (2.720 m) tatsächlich „nur“ der achthöchste Berg Deutschlands.

Die eigentliche Gratkletterei beginnt am Hocheck, das nach ca. 2 Stunden Gehzeit über einen gut markierten Steig zu erreichen ist. Der ziemlich ausgesetzte Einstieg in den Grat vermittelt bereits zu Beginn der Überschreitung ein Gefühl dafür, was uns erwartet. Sollte sich hier trotz der vorhandenen Drahtseile Unsicherheit oder sogar Höhenangst einstellen, ist eine Umkehr noch problemlos möglich. Solche Schmalstellen mit „Tiefblick“ beiderseits des Grates werden immer wieder auftauchen.

Sie sind aber, ebenso wie die Kletterpassagen abseits der Gratschneide, meistens mit Drahtseilen versehen. Neben losem Gestein bieten die von Millionen Schuhsohlen beständig glatt polierten Tritte eine echte Gefahrenquelle auf der gesamten Überschreitung (natürliche Erosion hat hier keine Chance mehr). Daher ist sorgfältiges und konzentriertes Klettern über den gesamten Gratverlauf hinweg erforderlich. Das gilt gleichermaßen für den langen und steilen Abstieg von der Südspitze, wo bis hinunter ins Wimbachgries immer wieder Absturzgefahr besteht. Es ist wichtig, sich der aufkommenden Ermüdung stets bewusst zu sein und in der Aufmerksamkeit nicht nachzulassen. Ausreichende Wasserreserven sind hierfür eine wichtige Voraussetzung und mitentscheidend für das Wohlergehen auf der langen Tour.

Für Wohlbefinden sorgte auch die stabile Wetterlage. Noch vor Erreichen des Hochecks erlebten wir einen bilderbuchmäßigen Sonnenaufgang. Die Stimmung in der Mannschaft war prächtig und nicht einmal die vielen Menschen erwiesen sich als störend. Auf dem Grat verteilen sich die Bergsteiger und Schnellere können in aller Regel problemlos passieren. Auf der Watzmann-Mittelspitze, dem höchsten Punkt der Tour, wurde das beeindruckende Bergpanorama bestaunt.

Vom Kaisergebirge und Loferer Steinberge im Westen bis hin zur Dachsteingruppe im Osten eröffnen sich unzählige Berggipfel. Im näheren Umfeld stechen von Westen nach Osten besonders hervor der Hochkalter (2.607 m), Großer Hundstod (2.593 m), Schönfeldspitze (2.651 m), Hochkönig (2.941 m) und – nicht zu vergessen - das bekannte Steinerne Meer. Viel Platz war allerdings nicht auf diesem Gipfel - daher nach einigen Fotos direkt weiter zur Südspitze.

Auf dem Weg dorthin eröffnen sich immer neue Perspektiven. Hinter der Watzmannfrau (Kl. Watzmann, 2.307 m) nebst Watzmannkindern (der Sage nach wurde im Watzmannmassiv ein grausamer König mit seiner Frau und den sieben Kindern versteinert) taucht tief unten der malerische Königssee auf (603 m). Er ist 8 km lang und bis zu 192 m tief. Die berühmte Wallfahrtskirche St. Bartholomä am Westufer ist trotz des enormen Höhenunterschiedes von etwa 2.000 m gut zu erkennen. Je näher die Südspitze kommt, desto mehr Einzelheiten sind auch in der dort mündenden Watzmann-Ostwand zu erkennen. Mit 1.800 Höhenmetern ist sie vor der Hochwanner-Nordwand (1.400 Höhenmeter, Wettersteingebirge) die höchste Kletterwand der Ostalpen. Die Biwakschachtel rund 400 Höhenmeter unterhalb der Südspitze, die bis zu 4 Bergsteigern Schutz bietet, war von unserem Standort auf dem Grat mit bloßem Auge gut zu erkennen. 

Auf der Südspitze angekommen erwartete uns reger Betrieb. Ein geeignetes Plätzchen für die verdiente Brotzeit war dennoch leichter zu finden als auf dem Mittelgipfel. Wir ließen es uns gut gehen und genossen noch einmal die wunderbare Aussicht. Auch für die stets hungrigen Bergdohlen fiel genügend ab. Diese Flugkünstler beeindrucken immer wieder mit äußerst geschickten Manövern im Wettstreit um die besten Futterplätze.

Nach einer guten halben Stunde ging es frisch gestärkt an den zum Teil Steinschlag gefährdeten Abstieg. Bis hinunter in das etwa 1.400 m tiefer gelegene Wimbachgries war aufgrund mehrerer Steilpassagen noch einmal alle Aufmerksamkeit gefordert. Trotz der vielen Bergsteiger sausten nur wenige Brocken vorbei und niemand wurde getroffen. Schließlich fand - nach ca. 8 ½ Stunden seit Aufbruch vom Watzmannhaus - die Gratüberschreitung im Wimbachgries ein glückliches Ende. Die halbe Stunde bis zur Wimbachgrieshütte konnte keinen der 7 wackeren Ahrtaler Bergkameraden mehr erschüttern. Wie bereits am Vortag beim Watzmannhaus wurde auch hier die Nachmittagssonne mit kühlen Getränken in vollen Zügen genossen. Nach weiteren 3 Gehstunden durch das zum Kerngebiet des Nationalparks Berchtesgaden gehörende, wildromantische Wimbachtal war der Ausgangspunkt an der Wimbachbrücke wieder erreicht. Außer 2 Fersenblasen und etwas Muskelkater gab es keinerlei größere Blessuren. Erich hatte nicht zuviel versprochen: diese hochalpine Traumtour wird allen Beteiligten in bester Erinnerung bleiben.

Das Highlight „Watzmannüberschreitung“ wurde am 2.10.2011 abgerundet mit einem, auch nachdenklich stimmenden, Besuch des als „Adlerhorst“ bekannten Kehlsteinhauses (1.834 m) und zugehöriger Dokumentationsstätte am Obersalzberg. Die Historie dieses 1938 im Auftrag der NSDAP errichteten Repräsentationshauses auf exponierter Position mit Rundumsicht über das malerische Berchtesgadener Land und eine grandiose Bergkulisse zieht heute zahlreiche Besucher an.

Auf der Rückfahrt am 3.10.2011 bot sich noch die Gelegenheit für eine Stippvisite im westlich des Waginger Sees gelegenen Dorfes Rothanschöring, dem Heimatort der Familie Althammer. Die dort ansässige und vielen Lantershofenern aufgrund zahlreicher Besuche gut bekannte Familie Hofmeister freute sich riesig über den unerwarteten Besuch.

Letzte Station auf dem Heimweg war der Friedhof im benachbarten Kirchanschöring, wo uns Erich auf dem Friedhof den Grabstein seines Ur-Ur-Großvaters Leopold Althammer und dessen Frau Maria zeigte.

Nach einer zünftigen Mahlzeit im nahe gelegenen Gasthof des Ortes ging es dann endgültig zurück auf die Autobahn Richtung Ahrtal. Fazit: So eine gelungene und eindrucksvolle Unternehmung schreit nach Wiederholung!

Teatime mit der Queen


Cheryl Jungmann lebt seit mehr als 20 Jahren im Ahrtal, doch Ihr Herz schlägt britisch

„Mein Herz schlägt britisch." Das sagt Cheryl Jungmann. Die 53-Jährige lebt zwar seit 24 Jahren in Deutschland, der Liebe wegen, doch ihren britischen Pass möchte sie nie hergeben. Seit 22 Jahren im Ahrtal, wohnt sie mit Ehemann Klaus (54) und den Kindern Mark (22) und Annika (16) in einem schmucken Haus in Lantershofen. Von englischem Rasen ist aber hinter dem Haus keine Spur, dafür hat Cheryl die Gänseblümchen zu gern.

Sie liebt den Blick in den heimischen Garten. Doch am heutigen Freitag fällt ihr Blick nur auf den Fernseher. Denn dann ist Hochzeit bei den britischen Royals. Prinz William und Kate Middleton geben sich in London das Ja- Wort. Dort war die Britin über Ostern mit ihrer Tochter zum Familienbesuch.

„Es wird wahrscheinlich so sein, wie bei der Beerdigung von Prinzessin Diana. Erst wollte ich nur kurz in den Fernseher reinschauen, dann lief er den ganzen Tag", prophezeit sie ihr Verhalten am königlichen Hochzeitstag und präsentiert ihr Schmuckstück. Es ist eine Teetasse von der Krönung der englischen Königin Elisabeth II. Die hat ihr ihre Mutter, Nola Hawker, geschenkt. Cheryl ist sich sicher, dass Tasse und Unterteller irgendwann Familienerbstücke werden.

Nur ein bisschen ist sie auf die Fernseh-Hochzeit des Jahres gespannt. „Das Interesse am Königshaus lässt mit den Jahren nach." Live hat sie hingegen die Hochzeit von Prinz Andrew mit Sarah Ferguson erlebt. „Ich habe auf der anderen Seite des Parks gearbeitet und die Royals auf dem Balkon des Buckingham Palastes gesehen." Den Rummel, den die Deutschen jetzt um die Hochzeit von Prinz William machen, nimmt Cheryl gelassen. „Das ist für die Menschen so eine Art Ersatzkönigshaus. Da ist alles spannend, so wie der Trubel um die Karnevalsprinzen." Und: „Bei Diana war für mich alles anders. Mit ihr konnte ich mich identifizieren. Doch als Prinz William geboren wurde, hatte ich das Land längst verlassen."

Dennoch gibt es auch heute noch viel Britisches bei den Jungmanns in Lantershofen. So unterrichtet Cheryl dort Kinder in englischer Sprache und Landeskunde, bastelt mit ihnen auch schon mal den Union Jack. Unvermeidlich ist der Teppichboden im Wohnzimmer. „Die Briten haben den sogar in der Küche und im Bad, igitt." Britisch war aber auch die Erziehung ihrer Kinder. „Da geht es einfach darum, sich ruhiger zu verhalten als andere", erklärt die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Und Plumpudding ist für sie an Weihnachten ein Muss. „Egal woher ich den besorge, der muss auf den Tisch." Auch die Kinder scheinen ein paar britische Geschmacksnerven abbekommen zu haben. Denn herzhafte Brotaufstriche wie Marmite oder Branton pickle dürfen beim Frühstück nicht fehlen. Und zu Lamm kommt eben Minz-Soße, egal was der geneigte Kontinental-Europäer darüber denken mag. Mark und Annika jucken die Royals übrigens herzlich wenig. Sie sind bilingual und binational aufgewachsen, sehen das Spektakel um das Königshaus eher mit Abstand. Da wurmt es den Sohn schon eher, wenn England bei der Fußball-WM von der Löw-Equipe 5:1 weggeputzt wird. „Doch auch da hält er letztendlich zu der Mannschaft, die am besten spielt."

Wie geht's bei den Roy als weiter? Darüber ist sich Cheryl Jungmann mit ihren Eltern und der BBC einig. „Die Queen wird nicht abdanken." Und: „Ich habe zwar nie gedacht, dass Prinz Charles Camilla heiraten dürfte. Aber ich bin dafür, dass er König wird. Er hat zwar einige Schwächen, doch die haben alle Menschen. Prinz William ist zu jung."

Auch wenn Hunderttausende am heutigen Freitag dem frischvermählten Paar zujubeln werden, sieht die Britin aus Lantershofen ihre Landsleute heute eher multikulturell aufgestellt. „Migration gab es bei uns schon durch das Commonwealth, als in Deutschland noch keiner daran dachte. Und deshalb ist die englische Küche heute mehr als gekochtes Fleisch mit Minz-Soße, sie ist international wie wir Briten." Und das sei das britische Königshaus schließlich auch. Und dies obwohl sich nicht gerade viele Briten daran erinnern mögen, dass die Royals auch deutsche Wurzeln haben und Prinzgemahl Philipp Mount-batten eigentlich von Battenberg heißen müsste.

Und Kate? Middleton ist eine 45000-Seelen-Stadt bei Manchester und durchaus berühmt. Denn am 12. August 1812 fuhr dort die erste Zahnradbahn der Welt. Ihr Konstrukteur war John Blenkinsop. Und sinniger Weise gab er seiner Lokomotive den Namen „Prince Regent".