40 Jahre Grafschaft (Seite 4)


Ein Rückblick

1974 - Neuer Rat: Ausschusswahl


Rhein-Zeitung / 10. Mai 1974

In der zweiten Sitzung des Gemeinderates Grafschaft wurden die Mitglieder der Ausschüsse gewählt. Die im Gemeinderat vertretenen Fraktionen legten gemeinsam erarbeitete Wahlvorschläge vor, über die man offen abstimmte. Immer einstimmig wurden gewählt:

Haupt-, Finanz- und Personalausschuß: Josef Profittlich (Birresdorf), H.-G. Kriechel (Bengen), F. J. Gerharz (Gelsdorf), Heinz Weber (Vettelhoven), Werner Reiß (Karweiler), Johann Krupp (Bölingen), Hans Wüst (Gelsdorf) und Armin Gehrmann (Ringen).

Bau- und Wasserwerksausschuß: Albert Schüttler (Leimersdorf), Peter Bach (Nierendorf), Hermann Linden (Gelsdorf), Heinz Weber (Vettelhoven), Willi Hochgürtel (Karweiler), Hubert Krupp (Ringen), Bernd Nei (Karweiler) und Albert Leuers (Birresdorf).

Agrar- und Forstausschuß: Jakob Linden (Leimersdorf), Johann Assenmacher II (Nierendorf), Paul Schäfer (Eckendorf), Willi Höver (Holzweiler), Herbert Hergarten (Lantershofen), Johann Krupp (Bölingen), Arthur Rinker (Nierendorf) und Albert Leuers (Birresdorf).

Schul-, Kultur- und Sozialausschuß: Veronika Drolshagen (Birresdorf), H. G. Kriechel (Bengen), Theo Hell (Gelsdorf), Johannes Flohe (Holzweiler), Josef Klöckner (Karweiler), Toni Palm (Bölingen), Armin Gehrmann (Ringen) und Dr. Peter Maerker (Vettelhoven).

Von den jeweils acht Ausschußmitgliedern gehören sechs, die zuerst genannt sind, der CDU und die beiden, die zuletzt genannt sind, der SPD an. In den Rechnungsprüfungsausschuß wurden gewählt: Paul Schäfer (Eckendorf, CDU), Illo de Werth (Vettelhoven, CDU) und Albert Leuers (Birresdorf, SPD).

1974 - Wahl der Ortsbeiräte


Bonner Rundschau / 11. Mai 1974

Mitglieder der Ortsbeiräte in der Grafschaft gewählt
Der Gemeinderat nahm die Wahl einstimmig an

Vor einer beachtlichen Zuhörerkulisse wählte der Gemeinderat die Ortsbeiräte der elf Ortsbezirke. Alle Wahlen erfolgten einstimmig und hatten folgende Ergebnisse:

Bengen (5 Mitglieder): Für die CDU Hans Günther Kriechel (Vertreter Ewald Rieck), Anton Krupp (Erwin Münch), Helmut Hommes (Helmut Rodenkirchen), Paul Nolden (Willi Hoffzimmer). Herbert Escher (Heinz Nolden).

Birresdorf (5 Mitglieder): Für die CDU Johannes Burghard (Veronika Drolshagen), Josef Profittlich (Norbert Reineri), Wolfgang Drolshagen (Hans Josef Burghard); für die SPD Albert Leuers (Hermann Münch), Ignaz Schneider (Reinhold Wilde).

Eckendorf (5 Mitglieder): Für die CDU Paul Schäfer (Willi Esser), Johann Hornig (Karl Heinz Hornig), Stefan Wagner (Josef Schmitz), Josef Krupp (Johannes Krupp), Helmut Ritzdorf (Helmut Leiendecker).

Gelsdorf (7 Mitglieder): Für die CDU Hermann Linden (Wolfgang Simons), Franz Josef Gerharz (Karl Ritzdorf), Josef Demary (Hubert Wald), Reinhard Kaiser (Josef Kleimann), Adolf Flohe (Werner Drähter), Leo Migge (Dieter Hardt); für die SPD Erwin Bär (Hans-Jürgen Wüst).

Holzweiler (7 Mitglieder): Für die CDU Gerda Groß (Heinz Wolber), Peter Mertens (Josef Schmidt), Werner Kurth (Walter Wolff), Alois Wiesel (Johann Gäb), Hubert Gäb (Paul Groß), Paul Chrisanth (Hans Gäb); für die SPD Rudolf Friedrich (Otto Wald).

Karweiler (5 Mitglieder): Für die CDU Franz Wenz (Walter von Tagen), Helmut Hammes (Karl Josef Doll), Heinz Hübinger (Kurt Kohlhaas); für die SPD Bernd Ney (Rudi Lypke), Manfred Hecker (Hans Werner Weber).

Lantershofen (7 Mitglieder): Für die CDU Erich Althammer (Robert Bender), Hans Walter Bender (Bernhard Mombauer jun.), Hans Scheibe (ohne Vertreter), Heinz Doll (Eugen Schopp), Heinz Dünker (Karl Josef Dünker); für die SPD Karl Krupp (Otto Krämer), Karl Heinz Mombauer (Helmut Rüssel).

Leimersdorf (7 Mitglieder) Für die CDU Herbert Schäfer (Jakob Hambach). Josef Faßbender (Dieter Hohner), Josef Müller (Jakob Linden). Hans Josef Müller (Willibald Schmitt). Josef Bender (Albert Schüttler), Paul Weber (Richard Schäfer); für die SPD Dr. Thilo Graf Brockdorff-Dallwitz (Andreas Hamacher).

Nierendorf (5 Mitglieder): Für die CDU Rudi Moog (Werner Minwegen), Hans Leo Gieraths (Helga Moog), Berthold Assenmacher (Peter Bach), Christel Kirchoff (Theodor Gieraihs; für die SPD Artur Rinker (Matthias Moog).

Ringen (7 Mitglieder): Für die CDU Johannes Krupp (Josef Sonntag), Hubert Krupp (Hermann Müllenbruck), Toni Palm (Eberhard Radermacher), Bernd Profittlich (Johann Liers), Hermann Ulrich (Leo Drodten), Klaus Reith (Paul Drodten): für die SPD Hans Kriechel (Siegfried Barth).

Vettelhoven (5 Mitglieder): Für die CDU Heinz Weber (Herbert Raths), lllo de Weerth (Theo Raths), Karl Schmidt (Kurt Luge), Josef Henning (Walter Steingrefer); für die SPD Hubert Unkelbach (Ursula Steingrefer).

Die Sitzverteilung erfolgte nach dem de Hondtschen System auf Vorschlag der Fraktionen der CDU und SPD.

1974 - Mehrzweckhaus Lantershofen


Bonner Rundschau / 25. Oktober 1973

Mehrzweckhaus, Sportplatz und die Bauleitplanungen
Harmonischer Verlauf der Gemeinderatssitzung auf der Grafschaft

Zügiger und harmonischer geht's nicht: So lautete das Fazit der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Grafschaft unter Vorsitz von Bürgermeister Leininger. Voll besetzt war der Zuhörerraum aus allen Gemeindebereichen, als der Bürgermeister die Sitzung eröffnete und zu Punkt 1 „Erste vereinfachte Änderung des Bebauungsplanes Nr. 5 des Ortsbezirks Lantershofen, hier Eintragung einer überbaubaren Fläche für den Bau eines Mehrzweckgebäudes“, einleitend Stellung nahm.

Er ging noch einmal auf die bisherige Handhabung des anstehenden Bauvorhabens und abschließend auf den, nach Unterzeichnung eines vom Gemeinderat und seinen Ausschüssen erbetenen Zusatzvertrages, gegebenen Sachstand ein, bevor er nach ergänzender Stellungnahme durch den 1. Beigeordneten Josef Alef um Beschlußvorschläge der Fraktionen bat.

Die CDU-Fraktion gab durch ihren stellvertretenden Vorsitzenden Hans Günther Kriechel wie durch den 1. Beigeordneten Alef unmißverständlich zu verstehen, daß der Zusatzvertrag zum ursprünglichen Grundstückstauschvertrag alle bis dazu offenen Fragen geklärt habe und man gegen die Verwirklichung des Mehrzweckbaues in Lantershofen keine Bedenken mehr hege. Ergänzend stelle man jedoch fest, daß man für die Unterhaltung des den Vereinen zugänglichen Hauses nur dann Mittel bereitstelle, wenn diese im Haushaltsplan vorgesehen würden und keine Ansprüche der Ortsvereine auf Beheizung, Beleuchtung und Reinigung der Gemeinde gegenüber erwachsen. Man bezog sich dabei nicht zuletzt auf eine von den Ortsvereinsvorsitzenden abgegebene Erklärung.

Auch die SPD-Fraktion stimmte dem Vorhaben einhellig zu, wie ihr Vorsitzender Hans Wüst bekundete. Er bekannte sich für seine Fraktion zur jetzt getroffenen Regelung und zu den erglänzenden Feststellungen bezüglich der Unterhaltung des Mehrzweckhauses.

Einstimmig war auch der anschließend gefaßte, nach der Beschlußvorlage der CDU-Fraktion formulierte Ratsbeschluß, mit dem die vereinfachte Bebauungsplan-Änderung sanktioniert und grünes Licht für den Bau des Mehrzweckhauses gegeben wurde. Einstimmig waren schließlich auch die unter Tagesordnungspunkt 10 eingeholten 13 Einzelbeschlüsse, die sich auf die Prüfung der Jahresrechnungen der früheren Verbandsgemeinde Ringen, der früheren Gemeinden und Gemeindeverbände bezogen und in denen Bürgermeister Leininger in seiner früheren Eigenschaft als Verbandsbürgermeister und Vorsitzender der Zweckverbände und den früheren Bürgermeistern der früheren Gemeinden Entlastung erteilt und Haushaltsüberschreitungen nachträglich genehmigt wurden. Mit Anerkennung bedachte der Rat die zügige Sitzungsführung und die umfassende Information.

1974 - Zufriedenheit


Rhein-Zeitung  / 9. Dezember 1974

Grafschafter sind zufrieden
Bilanz nach halbem Jahr: Gesetzgeber richtig gehandelt

Seit Bildung der Großgemeinde Grafschaft ist etwas mehr als ein halbes Jahr vergangen. Schon jetzt wird im Rathaus rückblickend festgestellt, daß der Zusammenschluß der ursprünglich elf selbständigen Gemeinden des Verbandsgemeindebereiches Ringen gerechtfertigt war und von den Bürgern anerkannt und begrüßt wird.

Mehr denn je ist man heute davon überzeugt, daß es falsch gewesen wäre, die landwirtschaftlich strukturierte Grafschaft an die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler anzuschließen. Es sieht so aus, als habe der Gesetzgeber ganz im Sinne der Betroffenen gehandelt.

In einer Vielzahl von Ausschuß- und Ratssitzungen wurde in relativ kurzer Zeit vieles aufgearbeitet, was in den früheren Gemeinden unerledigt blieb. Inzwischen sah sich der Rat in der Lage, das Augenmerk auf neue Aufgaben zu lenken.

So befaßt er sich zur Zeit mit dem Gesamtflächennutzungsplan, dessen Aufstellung bereits beschlossen wurde. Im schulischen Bereich ließ es sich einrichten, die Unterstufen in drei-, vier-, fünf- und sechsklassigen Schulen zusammenzuführen und die Schuljahre fünf bis neun in der Hauptschule Ahrweiler unterzubringen.

2014 - Zeitzeuge Heinz Weber


Heinz Weber / 4. März 2014

Ein Zeitzeuge der Entstehung der Gemeinde Grafschaft erinnert sich

Ein geborener Grafschafter bin ich nicht. Auch bin ich nicht hier aufgewachsen. Durch meine Heirat mit der Tochter des damaligen Vettelhovener Ortsbürgermeisters Karl Schmidt im Jahre 1969 kam ich mit der Lokalpolitik, soweit man sie als solche bezeichnen konnte, in Berührung.

Es gab die Verbandsgemeinde Ringen mit zwölf selbstständigen Ortsgemeinden. Überwiegend war die Verbandsgemeinde  landwirtschaftlich geprägt. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowohl der Ortsgemeinden als auch der Verbandsgemeinde war auf niedrigem Niveau sehr unterschiedlich.

Dazu kam noch, dass zwei Randgemeinden,  Lantershofen und Kalenborn, durch ihre räumliche Nähe zu anderen kommunalen Einheiten sich nicht unbedingt als „Grafschafter“ sahen. Die Verbandsgemeinde hatte im Jahre 1972/73 insgesamt nur ca. 5.600 Einwohner, als in Rheinland-Pfalz eine Gebietsreform beschlossen wurde. Schon früh war bekannt, dass die Verbandsgemeinde Ringen auch von dieser Gebietsreform betroffen war, zumal sie die für einen Erhalt geforderten 7.500 Einwohner bei weitem nicht erreichte.

Schnell gab es Gerüchte über eine Aufteilung der Verbandsgemeinde. So sollten Teile der Verbandsgemeinde in die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler,  in die Verbandsgemeinde Altenahr und in die Stadt Remagen eingegliedert werden. Es kam fortan zu sehr konfusen Diskussionen und Ratsbeschlüssen in den betroffenen Ortsgemeinden. Es kristallisierte sich jedoch heraus, dass Kalenborn freiwillig aus der Verbandsgemeinde Ringen in die Verbandsgemeinde Altenahr wechseln wollte. Lantershofen mit dem damaligen Ortsbürgermeister Eduard Schütz wollte unbedingt in die junge Doppelstadt Bad Neueanhr-Ahrweiler eingemeindet werden. Nur in Gelsdorf und Holzweiler / Esch gab es klare Ratsbeschlüsse für die Bildung einer Einheitsgemeinde.

Zu dieser Zeit formierte sich die Junge Union Grafschaft. In dieser noch jungen und unerfahrenen JU war das Meinungsspektrum ebenfalls weit. Ich war schon damals überzeugt, dass sich hier eine einmalige Chance bot, mit einer Einheitsgemeinde das auf vielversprechenden Indikatoren beruhende Potential zu bündeln.  Es galt nur noch, genügend Mitstreiter für diese Idee zu begeistern. Letztendlich hat sich die Mehrheit der Junge Union unter meiner Führung aber für das vermeintlich Unerreichbare, nämlich den Einsatz für eine Gesamtgemeinde, entschieden. Es galt nun, auch die Mehrheit der Bevölkerung  dafür zu gewinnen. Die Junge Union initiierte eine darauf ausgerichtete Unterschriftenaktion.

Kalenborn war aufgrund seiner verständlichen Haltung für den Anschluss an die Verbandsgemeinde Altenahr nicht befragt worden. Dem Vorsitzenden des CDU Ortsverbandes Grafschaft, Herrn Josef Alef und mir war jedoch klar, dass, wenn überhaupt, die Verbandsgemeinde Ringen zu einer Einheitsgemeinde verschmolzen werden könnte, es nicht ohne Lantershofen ginge. Um unser Ziel zu erreichen, mussten wir mit allen Mitteln verhindern, dass Lantershofen sich separierte und in die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler eingegliedert werden würde. Lantershofen boykottierte sowohl die Unterschriftenaktion der Jungen Union wie auch später die Kommunalwahl. Nach meiner Erinnerung votierten dennoch über 4.000  Einwohnerinnen und Einwohner für die Selbstständigkeit.

Es waren  sehr emotional und engagiert geführten Auseinandersetzungen im Sommer und Herbst 73. Im Spätsommer 73 wurde bekannt, dass die  Bad Neuenahrer Stadtspitze und der CDU - Stadtverband unter Führung von  Bürgermeister Weltken ein Klärungsgespräch in der Staatskanzlei Mainz mit dem damaligen Ministerpräsidenten Dr. Helmut Kohl geführt hatten. Weder die Zielrichtung noch ein Ergebnis war öffentlich geworden.

Nunmehr drängten der damalige CDU- Ortsverbandsvorsitzende  Josef Alef und ich als JU-Vorsitzender darauf, ebenfalls ein Gespräch gemeinsam mit der damaligen Leitung der Verbandsgemeinde Ringen,  Bürgermeister Leininger und dem Büroleiter Lothar Schmitt, in der Staatskanzlei mit Herrn Ministerpräsident Dr. Kohl zu suchen.

Es kam tatsächlich durch die Vermittlung des Lanterhofener Mitglieds des Landtags (MdL) Franz Schaaf zu einer Terminvereinbarung. Allerdings stand Herr Schaaf nicht vorbehaltlos hinter dem Wunsch nach Bildung einer Einheitsgemeinde. Das Gleiche galt für den CDU-Bezirksvorsitzenden und Innenminister Heinz Schwarz, unter dessen Federführung die Kommunalreform betrieben wurde. Beide waren überzeugt davon, dass unsere Delegation von Ministerpräsident Dr. Kohl auf die verbindlichen Vorgaben der Kommunalreform hinsichtlich von Minimaleinwohnerzahlen verwiesen werden würde.

Es kam jedoch anders. Ministerpräsident Dr. Kohl empfing uns in seinem Büro. Mit anwesend waren Innenminister Heinz Schwarz und MdL Franz Schaaf. Herr Schaaf eröffnete das Gespräch, in dem er das Ansinnen der Grafschafter Delegation vortrug. Herr Alef  bedankte sich für dem Empfang und machte den Wunsch der Mehrheit der Grafschafter Bürger zur Bildung einer Einheitsgemeinde deutlich. Danach übergab Herr Alef den Vortrag an mich als JU-Vorsitzenden. Ich meinerseits machte deutlich, wie groß der Wunsch der Bevölkerung der Verbandsgemeinde sei, eine kommunale Einheit zu werden. Aus diesem Wunsch sei auch abzuleiten, dass die Bevölkerung der Verbandsgemeinde Ringen willens sei, eine lebensfähig Einheitsgemeinde zu gestalten.  Als Beleg übergab ich Ministerpräsident Dr. Kohl die Unterschriftensammlung der Jungen Union.

Offensichtlich irritiert durch vorausgegangene Gespräche und Informationen mit anderen Zielrichtungen  hinsichtlich einer Aufteilung der Verbandsgemeinde Grafschaft wandte sich Dr. Kohl an seinen Innenminister Heinz Schwarz und fragte diesen, warum es denn nicht möglich sei, dass die Verbandsgemeinde zu einer Einheitsgemeinde verschmolzen werden könnte. Innenminister Schwarz wandte ein, dass weder die Verbandsgemeinde Ringen noch eine zukünftige Einheitsgemeinde die festgelegen Mindesteinwohnerzahlen erreichten.

Nach meiner Erinnerung entgegnete Ministerpräsident Dr. Kohl Innenminister Schwarz daraufhin in der ihm eigenen bestimmenden Art: „Wenn die Leute das so wollen, sollen sie beweisen, dass sie das, was sie sich vorgenommen haben, auch  können. Heinz, sieh zu, wie Du das auf den Weg bringst!" Mit diesen wenigen Worten sollte aus unserer Vision Wirklichkeit werden. Es war die Geburtsstunde unserer Gemeinde, die dann später auf den Namen „Gemeinde Grafschaft“ getauft wurde.

Heute, nach 40 Jahren, denke ich, dass wir das Vertrauen, welches Ministerpräsident  Dr. Kohl damals in uns und die Bevölkerung setzte, voll erfüllten. Diejenigen, die damals die Grafschaft als Armenhaus bezeichneten und das schnelle Ende der Selbstständigkeit prognostizierten, wurden eines Besseren belehrt und blicken heute manchmal neidvoll auf uns hoch. Auch diejenigen, die sich anfangs der Gemeinde verweigerten, dürften nach 40 Jahren versöhnt und stolz auf das Erreichte sein.

Heute bin ich der einzige noch lebende Zeitzeuge der historischen Begegnung mit Herrn Ministerpräsident Dr. Kohl in der Staatskanzlei.

Heinz Weber, Grafschaft-Vettelhoven

Heinz Weber aus Vettelhofen heute, damals gewissermaßen einer der Geburtshelfer für die Gemeinde Grafschaft. Foto: Thomas Schaaf.

2014 - Ratsmitglied Thomas Schaaf


Thomas Schaaf / 1. März 2014

Nach Boykott mit den Realitäten ausgesöhnt

Seit 1974 besteht nun die Gemeinde Grafschaft erfolgreich. Vor 40 Jahren verschmolzen damals im Rahmen einer kommunalen Neugliederung die vormals in der Verbandsgemeinde Ringen selbstständigen zwölf Dörfer wie Ringen, Gelsdorf, Holzweiler, Kalenborn und natürlich auch Lantershofen zu einer "verbandsfreien" Gemeinde. Auch Kalenborn hatte damals noch zum Verband Ringen gehört, orientierte sich aber im Verfahren eindeutig nach Altenahr und verließ so die ehemalige Verbandsgemeinde.

Der Weg zur Gründung der Gemeinde Grafschaft war politisch nicht einfach und zeitweise auch mit großen Emotionen verbunden. So gab es insbesondere in Lantershofen großen Widerstand gegen die geplante Neuordnung, der in einem Wahlboykott der Gemeinderatswahl 1974 gipfelte. Zwar gab es zunächst auch in Gelsdorf, Holzweiler und auch anderen Dörfern unterschiedliche Sichtweisen und Wünsche zur Neugliederung. Es kristallisierte sich aber rasch der Wunsch nach dörflicher Zusammengehörigkeit "der Grafschaft" heraus, wie die Region oberhalb der Kreisstadt immer schon genannt wurde. Die gemeinsame landwirtschaftliche Prägung der Dörfer im Gegensatz zu der städtischen Orientierung von Bad Neuenahr-Ahrweiler gab hier den entscheidenden Ausschlag.

Eine von den Nachbarkommunen angedachte Dreiteilung der Verbandsgemeinde Ringen zu Gunsten von der gerade neu vereinigten Doppelstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, von Gelsdorf und von  Altenahr lehnten die Dörfer bis auf Lantershofen kategorisch ab. Lantershofen wollte mit aller Macht der Nachbarstadt zugeschlagen werden, konnte sich jedoch auch mittels einer Verfassungsklage nicht durchsetzen.

Der Lantershofener Boykott äußerte sich auch darin, dass Lantershofen für den ersten Gemeinderat der neu gegründeten Gemeinde Grafschaft keine Kandidaten aufstellte und demzufolge Lantershofen fünf Jahre lang überhaupt nicht im Gemeinderat vertreten war. Nur wenige Lantershofener Bürgerinnen und Bürger hatten sich dem Wahlboykott versagt, darunter auch Thomas Schaaf: "Der Wahlboykott hat dem Dorf nicht nur nichts gebracht, sondern Lantershofen verschenkte damals seine bis dato kräftige Stimme und sein politisches Gewicht im Kreis der Grafschafter Dörfer. Auch deswegen habe ich mich damals mit 28 Jahren für die zweite Grafschafter Rats-Periode als Lantershofener Kandidat aufstellen lassen und habe bis zur 'Kinderpause' auch die dritte Rats-Periode für Lantershofen mitgestaltet." Örtliche Themenkreise, die auch Lantershofen stark betrafen, gab es zu Beginn der neuen Dorf- und Lebensgemeinschaft Grafschaft genug. So war zum Beispiel die Wasserversorgung, die damals noch aus eigenen Brunnen gewährleistet wurde, über Jahre ein ähnlich emotionsgeladenes Thema wie die kommunale Neugliederung. Thomas Schaaf: "Politischen Streit gab es auch wegen des ersten Gewerbegebietes der Grafschaft in Gelsdorf, manche Ratskollegen fürchteten gar rauchende Schlote, Krach und Dreck. Andere sahen keine Notwendigkeit, ein solches Gebiet überhaupt zu entwickeln, die Gewerbebetriebe seien in den Dörfern gut aufgehoben." Heute ist das Gewerbegebiet Gelsdorf einer der beiden Grundpfeiler bei der Versorgung der Bevölkerung mit gewerblichen Arbeitsplätzen. Auch der Innovationspark in Ringen, die zweite große Gewerbeansiedlungsfläche, entwickelt sich an der Autobahn A61 prächtig, gerade hat sich ein namhafter Süßwarenfabrikant mit etlichen hundert neuen Arbeitsplätzen für die Gemeinde Grafschaft entschieden.

Wenn man sieht, welche Entwicklung die Gemeinde in vierzig Jahren genommen hat, so kann man durchaus stolz auf das Erreichte sein. In Schulen und Kindergärten, in Baugebiete, Dorfgemeinschaftshäuser, Straßen und Sportanlagen sind Millionen von Mark und Euro geflossen. Man kann feststellen, dass die Gemeinde Grafschaft, deren schnellen Tod mache falsche Propheten - auch aus Lantershofen -  vorausgesagt hatten, heute auf soliden Füßen steht. Hierzu beigetragen hat neben der positiven Entwicklung der Gewerbegebiete auch die wesentlich gestiegene Einwohnerzahl. Von 6.330 Einwohnern bei der Gründung hat sich die heutige Einwohnerzahl beinahe verdoppelt.

Der Boykott auch der Gemeinderatsmandate von 1974 ist schnell zur Geschichte geworden. Schon nach wenigen Jahren haben die positiven Realitäten die ursprünglichen Vorbehalte gegen die neue Gemeinde verdrängt. Heute sind mit Leo Mattuscheck, Hubert Münch, Martina Münch, Roland Schaaf, Thomas Schaaf, Regina Schwarz und Reinhard Schwarz wieder sieben Lantershofener im achtundzwanzigköpfigen Gemeinderat engagiert. Zusammen vertreten sie die Belange der Bürgerinnen und Bürger von Grafschaft und von Lantershofen. Schön wäre es, wenn Lantershofen seine kräftige Stimme und sein politisches Gewicht im Grafschafter Rathaus bei den kommenden Wahlen am 25. Mai 2014 bestätigen könnte. Dann treten an als Kandidaten aus Lantershofen für den Gemeinderat: Stefan Dünker, Martin Efferz, Wolfgang Kanter, Christian Kreidt, Leo Mattuscheck, Hubert Münch, Martina Münch, Roland Schaaf, Thomas Schaaf  und Dr. Dorothe Schmiedel.

Thomas Schaaf. Foto: Eva Wollert.