Lantershofen im Raum

Die Landschaft
Eduard Schütz, Meine Heimat, 1935

Der Wanderer, der die östlichen Ausläufer der Eifel nördlich der Ahr abseits der großen Straße durchwandert, wird dafür reich belohnt. Beim Verlassen des Waldes bietet sich ihm eine Aussicht, die ihresgleichen sucht. Fern im Norden verschwinden im Dunst die Türme des Kölner Doms. Über die Grafschaft grüßen ihn die Sieben Berge. Weiter schweift das Auge über den unruhig zitternden Horizont der Rheinhöhen, bis im Süden der hohe Westerwald Halt gebietet. Zu seinen Füßen liegen flankiert von den zwei Vulkanruinen der Landskrone und des Neuenahrer Berges, die "goldene Meile" und das herrliche, einzige Ahrtal. Und im Vordergrund begrenzt von Wingerten, umgeben von fruchtbaren Ackerbreiten, verborgen in üppig blühenden Obstgärten: Lantershofen. Einzigartig gelegen, zwischen Neuenahr, dem deutschen Karlsbad, und der Weinstadt Ahrweiler, auf einer Hochterrasse der Ahr, rundherum von höher liegenden Bergen umgeben, ist es klimatisch außerordent-lich begünstigt.

Das fruchtbare, hügelige Gelände
Jakob Rausch, Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1955

In unserer Heimat versteht man unter "Grafschaft" das fruchtbare, hügelige Gelände, das sich nördlich der unteren Ahr bis zum Kottenforst erstreckt. Sie bildet den nördlichen Teil der Rheineifel, während südlich der Ahr noch das Königsfelder Ländchen, die Pellenz und das Maifeld zur Rheineifel zählen.

Das wertvollste Geschenk, das die Natur der Grafschaft in der Tertiärzeit und im späteren Diluvium dem Lande gab, ist der fruchtbare Löß; Diese sammetartige, kalkreiche, mit Lößschnecken versehene Ackererde verleiht der "Grafschaft" ihre Fruchtbarkeit. Zwar ist durch die lange, kulturelle Bebauung des Bodens und durch die auslaugende Tätigkeit des Wassers der Löß kalkärmer geworden, so dass sich an vielen Stellen ein schwerer, lehmiger Boden ergibt.

Stehen wir auf dem Scheidoder bei der Fritzdorfer Windmühle, so sehen wir, dass eine Wasserscheide zwischen Ahr und Swistbach, die bei Bölingen anhebt und über den Scheid nach Norden verläuft. Heute liegt die Grafschaft mit dem Amte Ringen im Kreise Ahrweiler und mit dem Amte Meckenheim im Landkreise Bonn.

Das wellige Hügelland
Jakob Rausch, Heimatchronik des Kreises Ahrweiler, 1968

Die Grafschaft ist ein welliges Hügelland, das sich 100 bis 150 Meter nördlich über dem Ahrtal erhebt. Der Südosten des Hügellandes wird durch den Leimersdorfer Bach mit dem Ringener Bach zertalt. Der größere und nordwestliche Teil wird durch den Swistbach entwässert, aber nicht zertalt.

Die Grafschaft ist eine Fruchtau, erstens wegen des fruchtbaren lößreichen Bodens, zweitens wegen des geschützten Klimas in dem niedrig gelegenen Hügelland, das von dem milden, warmen Klima der Kölner Bucht beeinflusst wird und drittens wegen hinreichender Niederschläge. Immer mehr breiten sich Zuckerrübenanbau und Obstanlagen mit vortrefflichem Edelobst aus.

Die reichen Tonlager in Lantershofen und Ringen liefern nicht nur Ton für feuerfeste Steine, sondern - wie auch in Adendorf aus Ton auf der Drehscheibe geformte Töpfe, Krüge und Va-sen hergestellt werden - so wurden zeitweise auch im Lantershofener Tonwerk Gefäße aus Ton hergestellt.

Wie in der benachbarten Kölner Bucht, so finden sich hier auch kleinere Braunkohlenlager. Da die Menge zu gering und die Braunkohle zu wasserreich ist, wird sie heute nicht mehr ausgebeutet. Früher war bei Oedingen sogar ein Schacht von 70 m Tiefe.

Die Kornkammer
Gemeinde Grafschaft im Heimatjahrbuch des Kreises AW 1998

Als Kornkammer des Kreises Ahrweiler liegt die Gemeinde Grafschaft zwischen Rhein und Ahr und bildet den südöstlichen Teil der sogenannten Grafschaft. Sie setzt sich zusammen aus den elf Ortsbezirken Bengen, Birresdorf, Eckendorf, Gelsdorf, Holzweiler, Karweiler, Lantershofen, Leimersdorf, Nierendorf, Ringen und Vettelhoven, die jetzt rund 10.500 Einwohner haben.

Um ansiedlungswilligen Betrieben geeignete Baugrundstücke anbieten zu können, hat die Gemeinde ein ca. 40 ha großes Gewerbe- und Industriegebiet an der Bundesstraße 257, südlich von Gelsdorf, erschlossen, welches z. Zt. besiedelt wird und in dem bereits ca. 700 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Ansonsten hat der Bezirk, außer Tonbergbaubetrieben in Ringen und Leimensdorf, überwiegend landwirtschaftlichen Charakter. In den letzten Jahren entwickelte sich die Gemeinde jedoch zusätzlich zu einem der gefragtesten Wohnstandorte im Kreis Ahrweiler und im Umfeld der Stadt Bonn. Dies ist vor allem auf die gute Verkehrsanbindung und die reizvolle landschaftliche Lage der "Grafschaft" zurückzuführen.

Die südlichen Ortsbezirke Holzweiler, Ringen, Lantershofen und Karweiler liegen auf den reich bewaldeten und mit Reben bepflanzten Ahrbergen, auf denen sich dem Wanderer bei klarem Wetter herrliche Ausblicke bieten. Der übrige Teil des Bezirks ist flach bis leicht bergig, hat aber zum Rhein hin ebenfalls schön gelegene Flecken mit bester Fernsicht über die Eifel, Westerwald und in die Kölner Bucht.

Lantershofen ist weit über heimatliche Grenzen hinaus durch das 1972 auf Burg Lantershofen eröffnete "Studienhaus St. Lambert", das der Ausbildung der Diakonen und Priestern dient, bekannt geworden.

Verkehrsmäßig ist die Gemeinde Grafschaft durch die links-rheinische Autobahn, die über das Gelsdorfer Autobahnkreuz gut zu erreichen ist und bei Ringen eine Zu- und Abfahrt hat, durch die Bundesstraße 257 (von Altenahr nach Bonn) sowie durch mehrere Land- und Kreisstraßen bestens erschlossen.

Auf der zwischen Bengen und Bad Neuenahr gelegenen "Bengener Heide" wurde ein Segel- und Motorflugplatz angelegt, der für die Entwicklung unseres Raumes nicht ohne Bedeutung sein wird.

Weiterführende Schulen sowie Sport- und Freizeitmöglichkeiten sind, soweit nicht im eigenen Bezirk, in der unmittelbar angrenzenden Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler vorhanden.

Eine lebendige Partnerschaft mit der in der Normandie liegenden Gemeinde Fauville en Caux bestätigt ein reges Vereinsleben auf der Grafschaft.

Die Gemeinde ist zu einem beliebten Wohnbereich zwischen Rhein und Ahr geworden. Dem wurde und wird mit der Erschließung mehrerer auch größerer Wohngebiete Rechnung getragen.

Die glückliche und wüste Eifel,
Schannat, Eiflia Illustrata 1735

Die Eifel, auch Eiffel, Eiffelt benannt, ein nicht unbedeutender Teil Unter-Germaniens, ist in fast gleichen Zwischenräumen von den Ufern der Mosel, des Rheins und der Roer begrenzt. Wegen dieser Flussbegrenzung sollen die Einwohner derselben, so wie die inniger benachbarten Landstriche auch Ripuarier (Uferbewohner) benannt worden sein.

Der ganze Landstrich ist nicht von gleicher Beschaffenheit. Man könnte die Eifel daher, so wie Arabien, in die glückliche und wüste Eifel eintheilen.

Erstere erfreut sich einer milden Temperatur, ist nur sparsam mit Waldungen bekleidet, daher zur Kultur geeignet, und zur Hervorbringung fast aller Früchte geschickt. Letztere, mit dichten Waldungen bedeckt, zeigt größenteils nur kahle und magere Hügel und Berge. Der Sommer ist in diesen Gegenden mehr trocken als heiß, der Winter lange dauernd und streng.

Übrigens sind beide vorbemerkte Striche der Eifel sich hauptsächlich darin gleich, dass sie sehenswert wegen ihrer lichten Hügel und der Dicke ihrer Wälder, angenehm wegen der wasserreichen Quellen sind, dass sie sich fischreicher Gewässer und Teiche erfreuen, dem Vieh ein reichliches Futter gewähren, und einem Reichtum an Hornvieh haben.

Die wellenförmige Eifelhochebene
Gottfried Kinkel, Die Ahr, 1846

Rau und steinig, im Winter durch Schneefall oft viele Wochen vom Flachlande abgeschnitten, stellen sich auf dem rechten Rheinufer der Westerwald, auf dem linken die Eifel dar. Die wellenförmige Eifelhochebene ist nun aber auf allen Punkten durch eingeschnittene Täler belebt; in diesen tiefen zackigen Rinnen läuft eine Menge Gewässer, kleine Sturzbäche und auch größere Flüsschen, zum Rhein und zur Mosel hinab. Solche Bachtäler haben einen von der Hochebene völlig verschiedenen Charakter: In ihrer Tiefe empfinden sie den Wind minder stark, die Luft ist milder, das Land ergiebiger. Dort sind schöne grüne Weiden, es kommen edlere Getreidearten vor, und selbst feine Obst- und Gartenfrüchte gedeihen an sonnigen Stellen. Am reichsten ist mit alledem das Tal der Ahr bedacht: Sie teilt sogar mit allen Nebenflüssen des mittleren Rheins die Ehre des Weinbaues.

Ein Zug der Eifelberge ist vorzüglich charakteristisch. Dies ist eine Bergkette, die ungefähr sechs Stunden lang aus der Ge-gend von Münstereifel bis nach Nürburg und Kelberg sich fort-zieht, im ganzen mit gerader Linie und in gleicher Höhe, nur dass da und dort aus dem eintönigen Grauwackenplateau das Erdfeuer den Basalt hervorgestoßen hat, der nun über dem dicht bewaldeten neptunischen Kamm in schwarzen, oft nackten Kuppen stolz emporragt. Solche Kuppen sind die höchsten Punkte des ganzen Eifellandes; die mächtigste, die Hohe Acht, steigt auf 2400 Fuß über dem Meeresspiegel; der ganze Berg-zug wird Hocheifel genannt. Im Schoß dieses kräftigen Gebirgsstocks entspringt die Ahr.

Die Ahr
Gottfried Kinkel, Die Ahr, 1846

Wir betreten den durch landschaftliche Schönheit berühmtesten Teil des Ahrtals, die Region des zackigen, zerklüfteten Schiefergebirges, durch das sich in oft weiten, oft kurzgebrochenen Windungen der heftige Fluss sein Bett gewühlt hat. Wohl bleiben an einigen Stellen zwischen ihm und dem Bergfuße geräumige Fruchtgefilde übrig, die man hier 'Auel' zu nennen pflegt und in die sich die Dörfer hineingelegt haben. Meistens aber schließt Fels und Rebe dicht an den Fluss an, und erst in unseren Tagen ist dazwischen für die vortreffliche Fahrstraße der Raum gebrochen worden.

Das Flussbett ist ungleich, als ob der Fels von unterirdischem Feuer geborsten oder vom Flusse gesprengt worden sei: wo es tief, da gibt es der Flut eine herrlich grüne Färbung, an anderen Stellen hat sie jenes durchsichtige Braun mit den goldenen Lichtern darauf. Berg und Talebene sind ganz und gar mit Wein bewachsen, während die schroffen Höhen, über welche die Morgen- und Mittagssonne keine Macht hat, nur niedriges Gestrüpp tragen.

Der Rhein
Gottfried Kinkel, Die Ahr, 1846

Wo der Rhein die engen Schluchten oberhalb Koblenz verlässt, tritt er in ein weiteres Tal ein, das in verschiedener Breite, oft von einer halben, oft von drei Stunden zwischen den beiden Bergreihen des Westerwaldes und der Eifel eingeschnitten ist, bis dann vom Siebengebirge an die Hügelketten noch weiter zurücktreten und die große Ebene des Kölner und Jülicher Ge-biets bis zum holländischen Flachland sich fortzieht. Natur, Geschichte und zweitausendjährige Kultur haben diesen Strich des Rheintales, von Koblenz bis Bonn, mit höchstem Reize geschmückt; das junge Leben der Kunst und Wissenschaft breitet sich dort mächtig aus, bewegt von dem brausenden Verkehr auf dem schönen Strome, der von altershehr als Völ-kerverbindung zwischen Nord und Süd weltgeschichtlich ist.