Die Ahr
Originaltext von Gottfried Kinkel, geschrieben 1849

Eine romantische Wanderung vom Rheintal in die Hohe Eifel
Mehr als 150 Jahre später - Eine Winterreise

Idee und Fotos:
Thomas Schaaf
Bearbeitung: Roland Schaaf

Wir betreten den durch landschaftliche Schönheit berühmtesten Teil des Ahrtals, die Region des zackigen, zerklüfteten Schiefergebirges, durch das sich in oft weiten, oft kurzgebrochenen Windungen der heftige Fluss sein Bett gewühlt hat.

Wohl bleiben an einigen Stellen zwischen ihm und dem Bergfuße geräumige Fruchtgefilde übrig, die man hier 'Auel' zu nennen pflegt und in die sich die Dörfer hineingelegt haben.
Ein typischer, noch unbebauter "Auel" zwischen Ahrweiler und Walporzheim, im Hintergrund die ersten Häuser, hinter den Büschen links fließt die Ahr.  

Meistens aber schließt Fels und Rebe dicht an den Fluß an, und erst in unseren Tagen ist dazwischen für die vortreffliche Fahrstraße der Raum gebrochen worden.
Reben dicht am Fuß beiLaach, die erwähnte "vortreffliche Fahrstraße liegt gegenüber.  


Das Flußbett ist ungleich, als ob der Fels von unterirdischem Feuer geborsten oder vom Flusse gesprengt worden sei: wo es tief, da gibt es der Flut eine herrlich grüne Färbung, an anderen Stellen hat sie jenes durchsichtige Braun mit den goldenen Lichtern darauf.
Die Ahr vor Schuld.  

Berg und Talebene sind ganz und gar mit Wein bewachsen,
Weingärten und -berge bei Walporzheim.  


während die schroffen Höhen, über die die Morgen- und Mittagssonne keine Macht hat, nur niedriges Gestrüpp tragen.
Mit Gestrüpp bewachsener Felsen bei Schuld oberhalb der Tunneldurchführungen.  

Im Schoß des kräftigen Gebirgsstocks und Bergzuges Hocheifel entspringt die Ahr.
Der Ursprung der Ahr, wie Gottfried Kinkel die Quelle nennt.  

Ihr Tal steigt meist in Gestalt einer engen Felsrinne vom Rheine herauf, bis es in einem allwärts geschlossenen Bergkessel vor einem nicht hohen, aber stark ansteigenden Felsen endet.
Das Ahrtal, vom Rheine kommend bei Heimersheim.  

Auf diesem Fels steht das Schloß Blankenheim,
Schloss Blankenheim im frühen Morgenlicht, heute Jugendherberge.  


um seinen Fuß lagern sich die Häuser der gleichnamigen Stadt.
Blankenheim und Kirche tauchen ein ins Sonnenlicht.  



Dort, in einem ummauerten und von Häusern überbauten Brünnchen,
Überbautes Brünnchen.  

 


ist der Ursprung der Ahr.
Die Ahr, wenige Meter alt, geführt von Bruchsteinmauern. Ganz hinten das gefasste Brünnchen und schönes Fachwerk.  


Alsbald bei ihrem Quell speist sie einen großen Weiher mit ihrem Wasser und greift auch gleich in Mühlräder ein.
Der "große Weiher" als neuzeitliche Parkanlage für Touristen.  

Nun stärkt sie sich durch Nebenbäche, deren einige bedeutender als sie selbst sind...
Links der Nonnenbach, rechts die Ahr unterhalb von Blankenheim.  


...und stürmt mit raschem Fall zwischen Wiesen...
Kurz hinter Blankenheim. Die stürzende Ahr. Die Sonne hat den Eisreif noch nicht geschmolzen.  


...in das immer tiefer absinkende, von stets höheren Bergen eingeschlossene Tal hinab.
Das Tal unterhalb von Blankenheim bei früher Sonne.  


Entsprungen im Übergangskalk, durchbricht sie bei Dorsel das Grauwackengebirge, welches den Kern der Hocheifel bildet,
Die Ahr, noch dunkel liegend, geführt vom Grauwackefels vor Dorsel.  


und kommt oberhalb Kreuzberg in das Gebiet des Tonschiefers.
Bei Ahrdorf.  


Bei Schuld wird das ganze Tal eng,
Schuld im frühen Morgengrauen. Ahr, Ruhe, Rauschen, Kirche, Brücke.  


dann wieder bei Kreuzberg und Altenahr.
Die Ahr und Burg Kreuzberg.  


Das obere Tal hatte mehr einen friedlich-idyllischen Charakter: Hier dagegen beginnen die wildromantischen Strecken.

Das schwarze Schiefergebirge setzt seine scharfen trotzigen Kanten dem Flusse entgegen,

Schiefergebirge an der Ahr bei Ahrdorf.  


...der, bei Kreuzberg durch Sahr und Vischel verstärkt, wider sie anprallt...
Der Trierbach stößt auf die Ahr und vereinigt sich mit ihr bei Müsch.  

...und durch das zerklüftete Bett schäumend hinrauscht.
Die Ahr vor Schuld.  


Aber sie nötigen ihn zu mäandrischen Irrwegen, bis er zwei Stunden unter Altenahr wieder hinaustritt...
Ahrmäander bei Ahrhütte.  


...in das lachende Tal von Walporzheim und Ahrweiler.
Ahrweiler von Bachem aus gesehen.  


Von dort geht er mit geradem Laufe am Fuß der Landskron vorbei...
Die Ahr zwischen Heppinhgen und Heimersheim. Im Hintergrund links der Fuß der Landskrone.  


...und strebt dem Rheine zu, den er unterhalb Sinzig,
Ahrmündung in den Rhein mit Blickrichtung Süden bzw. Höhe Sinzig.  


Linz gegenüber, erreicht.
Die Mündung der Ahr in den Rhein bei Sinzig und Kripp. Auf der anderen Rheinseite Linz.  

Auf geradem Wege würde die Entfernung von der Quelle bis zur Mündung neun Stunden betragen, aber durch die vielen Windungen wird sie fast doppelt so lang.
Die Ahr kurz vor der Mündung bei Sinzig.  

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Charakterisierung der Ahr als Fluß


Der Fluß hat ein sehr starkes Gefalle: Man hat es auf 69 Fuß für die Stunde berechnet.

Mittleres Ahrhochwasser 2002 un der Höhe Kurpark Bad Neuenahr.  

Im Sommer klein, schwillt er bei der Schmelze des Schnees oft mächtig an und wird durch jähen Sturz sehr gefährlich.

Am furchtbarsten ist er nach Wolkenbrüchen, die in der Mitte des Sommers einzutreten pflegen. Diese sind überhaupt im Eifellande schrecklich, obwohl glücklicherweise selten.

Auf der unteren Ahr wurde 1719, am 1. August, Heppingen durch einen Gewitterregen heimgesucht, der selbst Menschen in Gefahr brachte, fortgerissen zu werden.

Aber in erschreckendster Erinnerung unserer Zeitgenossen hat sich die Überschwemmung des Sommers 1804 erhalten.

Am 21. Juli, es war ein Sonntag, brach die obere Ahr infolge eines Wolkenbruchs mit ungeheurer Wucht am Nachmittage in das enge Tal von Altenahr ein.

N. Ponsart, "Das Hochwasser der Ahr im Jahre 1804" (Ausschnitt, Vorlage fleckig).  


Acht Fuß hoch über den Steinbrücken stand das Wasser, Häuser, Höfe, Mühlen wurden bis auf die Fundamente weggespült, die Brücken geschleift.
Die Ahr bei Marienthal, Postkarte um 1900 (Ausschnitt aus Postkarte, die Holzbrücke wurde beim Hochwasser 1910 weggerissen).  


Ahrweiler mit seinem gesperrten Mauerring füllte sich mit Wasser; man erzählt, es sei durch einen großen Kelterbaum gerettet worden, den die Wogen so stark gegen das geschlossene Niedertor antrieben, daß es aufsprang und dem Wasser Raum ließ.
Ahrweiler und die Ahr, im Hintergrund der Neuenahrer Berg (um 1900).  


Noch jetzt wirkt diese Not nach: Zwar sind Weinberge und Häuser erneuert worden, aber im Adenauer Kreise, besonders bei Schuld, sind bis heute Wiesen und Ackerland am Flußufer von unfruchtbarem Kies überlagert.

Schlickum, "Blick auf Schuld" (Ausschnitt, Vorlage fleckig).  

Überschwemmung 1844 Am 23. Juni 1844 fand gleichfalls infolge eines Gewitters eine Überschwemmung statt, die viele Weinberge bei Ahrweiler vom Felsen löste und in die Tiefe hinabriß.
Bildunterschrift  


Auch bei der Mündung zeugen die aufgeschichteten Kiesmassen von dem winterlichen Ungestüm des wilden Bergstroms, der im Sommer manchmal Mühe hat, durch den Sand seines Bettes sich zum Rheine durchzuwinden.

Friedliche Ahr kurz vor der Mündung mit Kiesablagerungen.  


Das oberste Kesseltal, in welchem die Ahr entspringt, ist durch die allwärts einschließenden Berge vor den rauhen Winden beschirmt. Dort kommen daher in milderer Luft Weizen, ausgezeichnete Obstarten und feine Küchengewächse sehr gut fort.

Im oberen Kesseltal unterhalb von Blankenheim.  


Weiter abwärts aber ist das Tal kalt; die Wiesen am Flusse und die Waldheiden an den Abhängen befördern die dort sehr blühende Viehzucht.
Die Ahr bei Dorsel.  


Zugleich sind Bergwerke in glücklichem Betrieb.
Bergmannszeichen Hammer und Schägel an einem altehrwürdigen Blankenheimer Haus in der Nähe der Kirche.  


Der Ackerbau wird außer den gewöhnlichen Gemüsepflanzen vorzüglich auf den Spelz oder Dinkel gewendet, der auf dem Kalkgebirge am besten gedeiht. Endlich wächst auf den Bergen der Hocheifel, besonders am rechten Flußufer, das herrlichste Holz.


Von Altenahr aber beginnt dann mit dem Schiefergebirge der Weinbau, der von unvordenklichen Zeiten her den Haupterwerbszweig der unteren Ahr ausmacht.
Steillagenweinbau vor Mayschoß.  


Weißer Wein ist selten, gut wird er nur bei Rech, mittelmäßig auch auf den höchstgelegenen Punkten der übrigen Weinanlagen gezogen, wo die rote Rebe nicht mehr wohl gedeiht.

St. Nepomuk auf der Ahrbrücke bei Rech, auch heute noch eine kleine Weißweinenklave im Rotwein-Ahrtal.  


Die Mönche und geistlichen Herren des Ahrtales haben vorlängst die Regel entdeckt, daß man den weißen Wein trinken soll als Kur wider den zu stark genossenen roten: Das Mittel ist probat.
Kloster Marienthal.  


Bei weitem vorherrschend an Masse und Güte ist gegenwärtig der Rotwein, der am Rhein nur vom Assmannshäuser übertroffen wird, aber dem Niederingelheimer wenigstens gleichsteht:


Er ist von dunkler Farbe, hat, wie die meisten Rotweine, wenig Duft, ein herbes, doch höchst angenehmes Feuer und ist ausgezeichnet gesund.

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